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Die COVID-19-Krise aus Sicht der Indexlösungen

In unserem jüngsten Kurzinterview erörtert Valerio Schmitz-Esser, Leiter Index Solutions, wie Indexlösungen in dieser aussergewöhnlich turbulenten Zeit abgeschnitten haben, und zeigt einige bemerkenswerte Trends auf.

Haben Indexlösungen während der Krise an Popularität verloren?

Ganz im Gegenteil: Der langfristige Trend von aktiv verwalteten Strategien hin zu indexnahen Produkten dauert unvermindert an, wobei Letztere einen stetig wachsenden Marktanteil für sich beanspruchen. Nach einem Bericht von Morningstar kam es im März in Europa zu sehr hohen Mittelabflüssen in Höhe von EUR 246 Mia. aus Anlagefonds, doch davon stammten nur EUR 24 Mia. von Indexfonds und Exchange Traded Funds (ETFs). In früheren Baissemärkten vertrauten die Anleger in der Regel darauf, dass aktive Manager einen gewissen Schutz gegen Verluste bieten würden, doch während der Turbulenzen infolge von COVID-19 erwies sich die Garantie, mit indexnahen Lösungen nicht wesentlich schlechter abzuschneiden als der Markt, offensichtlich als attraktiv.

Wie verteilten sich die Mittelabflüsse aus Indexprodukten?

Wir haben tatsächlich eine komplette Zweiteilung der Mittelflüsse in den unterschiedlichen Kategorien der Indexlösungen erlebt. Am meisten floss aus ETFs und verschiedenen Kategorien von Indexlösungen in Nischenbereichen ab, während es den Anbietern von Produkten, die institutionelle Anleger als langfristige Bausteine der strategischen Vermögensallokation einsetzen können, wesentlich besser erging. Wir bei Credit Suisse Asset Management verzeichneten im März Nettomittelzuflüsse in Höhe von EUR 800 Mio., womit wir in Europa zu den vier Anbietern von Indexlösungen mit den grössten Mittelzuflüssen gehören.

Mit 95 Indexfonds und einem Vermögen von CHF 100 Mia. sind wir mittlerweile der viertgrösste Anbieter von Indexfonds und ETFs in Europa.

Können Sie einige der Herausforderungen beschreiben, mit denen Sie konfrontiert wurden?

Für uns und unsere Wettbewerber bestand eine der grössten Hürden darin, schnell und effizient von einer zentralisierten Büroumgebung zu Home-Office überzugehen. Das stellt Teams für Indexlösungen vor eine besondere Herausforderung, weil die Indexnachbildung, bei der ein verpasster Termin für die Neuzusammensetzung des Portfolios und/oder die Neugewichtung des Index zu einem inakzeptabel hohen Tracking-Error führt, keinen Spielraum für Fehler lässt. Wir bei Credit Suisse Asset Management haben das grösste Team für Indexlösungen in der Schweiz. Wir haben es geschafft, einen reibungslosen Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten, wobei 80 % unserer Fachkräfte, einschliesslich der Mitarbeitenden sämtlicher Front- und Back-Office-Funtionen, von zu Hause aus arbeiten. Das zeigt, wie wichtig es war, in unser im Januar 2019 eingeführtes, massgeschneidertes Aladdin®-System zu investieren. Aladdin ist eine voll integrierte Plattform, die alle Funktionen von der Transaktionsausführung bis hin zum Risikomanagement abdeckt. Darüber hinaus standen wir während der Marktturbulenzen Mitte März vor der zusätzlichen Herausforderung, drei neue ETFs zu lancieren und drei Indexfonds in diese ETFs zu überführen. Unter diesen aussergewöhnlichen Umständen stand natürlich eine Verschiebung zur Diskussion, doch die Entscheidung, wie geplant vorzugehen, erwies sich als richtig. Die lancierten Fonds waren äusserst erfolgreich und erreichten Ende Mai ein Vermögen von über USD 2 Mia. Diese neuen Produkte bilden zusammen einen überzeugenden und integralen Bestandteil unseres gesamten Indexfondsangebots. Mit 95 Indexfonds und einem Vermögen von CHF 100 Mia. sind wir mittlerweile der viertgrösste Anbieter von Indexfonds und ETFs in Europa.

Wie beeinflusst das Thema ESG (Environmental, Social and Governance − Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) das Universum der passiven Anlagelösungen?

Das Interesse an ESG-Lösungen ist ein sehr starker und wohl dauerhafter Trend in der gesamten Vermögensverwaltungsbranche. In Europa, in den USA, in Japan, im pazifischen Raum (ohne Japan) und in den Schwellenländern entwickelten sich ESG-Benchmarks im ersten Quartal 2020 besser als breiter gefasste Marktindizes. Ein Grund dafür ist, dass die Anwendung von ESG-Kriterien normalerweise zu einem geringeren Engagement in Unternehmen führt, die ein risikoreicheres Geschäftsmodell oder ein schwächeres Risikomanagementsystem haben und infolgedessen sehr anfällig für externe Schocks sind. Um diese starke Nachfrage zu befriedigen, haben wir eine umfassende Palette von ESG-Indexlösungen mit 14 Indexfonds und ETFs aufgelegt.

In Europa, in den USA, in Japan, im pazifischen Raum (ohne Japan) und in den Schwellenländern entwickelten sich ESG-Benchmarks im ersten Quartal 2020 besser als breiter gefasste Marktindizes.

Warum sollte eine Indexlösung als integraler Bestandteil eines breiteren Anlageportfolios in Betracht gezogen werden?

Indexlösungen überzeugen die Anleger durch drei Eigenschaften. Erstens sind sie sehr breit diversifiziert: Die meisten grossen Indizes enthalten Hunderte, wenn nicht Tausende von einzelnen Wertpapieren. Infolgedessen haben Indexlösungen praktisch kein unsystematisches Risiko. Zweitens haben Anleger die Garantie, dass kein Manager mit einer deutlichen Underperformance gegenüber der Benchmark für eine böse Überraschung sorgt. Indexlösungen erzielen in der Regel beständig eine gegenüber dem Median höhere Wertentwicklung, weil sie die ganze Anlageklasse abbilden statt nur ein ausgewähltes Segment. Diese Eigenschaft wird vor allem von institutionellen Anlegern sehr geschätzt, die in der Regel in den Kernkomponenten ihres Portfolios kein hohes aktives Risiko tragen möchten (viele bevorzugen einen Kern-Satellit-Ansatz, bei dem nur die Satelliten ein aktives Risiko eingehen). Und drittens sind Indexfonds dank ihrer äusserst wettbewerbsfähigen Total-Expense-Ratio (TER) und ihres geringen Umschlags kostengünstig. Die TERs spiegeln niedrigere Umsetzungskosten wider, da man weder Broker-Research benötigt noch aktive Manager bezahlen muss. Ein hervorragendes Beispiel für einen geringen Umschlag ist der MSCI World Index mit einem Umschlag von nur 2,5 % pro Jahr. Ein geringer Umschlag bedeutet weniger Transaktionskosten.

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