Ansatz & Berichterstattung Herausforderungen & Antworten

Herausforderungen & Antworten

Die Credit Suisse wurde auch 2016 mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert.

Herausforderung: Wie hat die Credit Suisse auf die Auswirkungen des britischen Referendums über den weiteren Verbleib Grossbritanniens in der EU reagiert?

Antwort: Gegen Ende des zweiten Quartals 2016 waren die Märkte im Zusammenhang mit dem britischen Referendum über den EU-Austritt besonders herausfordernd. Wir haben eine Reihe vorbeugender Massnahmen ergriffen, um die Stabilität unserer Geschäftstätigkeit und Infrastruktur vor und nach dem Referendum zu gewährleisten. Mit Blick auf unser Exposure, unsere Ergebnisse und unsere Liquidität konnten die Auswirkungen des Referendums bis anhin erfolgreich gesteuert werden. Die Handelsvolumen waren zwar in den Tagen nach dem Referendum Grossbritanniens stark erhöht, aber wir konnten dies dank aktivem Management ohne namhafte Zwischenfälle bewältigen. Zudem ist die Nachfrage nach der Expertise eines global tätigen Finanzinstituts noch grösser in solchen Zeiten – was uns ermöglicht, nahe bei unseren Kunden zu sein und sie im neuen Umfeld nach dem Referendum zu unterstützen. Das Resultat des Referendums hatte keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Credit Suisse, ihre Mitarbeitenden oder die Kunden. Wir halten an unserer langjährigen Präsenz in London fest. So bieten wir unseren Kunden sowohl über unsere Büros in London als auch über eine Reihe von Tochtergesellschaften und Standorten in Kontinentaleuropa bereits ein umfassendes Sortiment an Dienstleistungen an. Das verleiht uns die Flexibilität, um auf potenzielle zukünftige Veränderungen in der Finanzdienstleistungsbranche Grossbritanniens und der EU zu reagieren, während wir unsere Pläne für den erwarteten Ausstieg Grossbritanniens aus der EU erarbeiten, bei denen die Aufrechterhaltung unserer Kundendienstleistungen im Zentrum steht.

Herausforderung: Unternimmt die Credit Suisse genug, um das Potenzial der Digitalisierung zu nutzen und zugleich ihr Kostensenkungsprogramm umzusetzen?

Antwort: Die Digitalisierung verändert unsere Branche grundlegend und ist für die Credit Suisse ein wichtiges Thema. Beispielsweise ist das neu entstehende digitale Umfeld einer unter mehreren Faktoren, welche die Art, wie Kunden mit ihrer Bank interagieren, verändern. Wir sind uns bewusst, dass innovative Konzepte entscheidend sind, um sicherzustellen, dass wir unseren Kunden auch in Zukunft erstklassige Produkte und Dienstleistungen über die von ihnen bevorzugten Kanäle anbieten können. Gleichzeitig erkennen wir die Möglichkeit, dank der Digitalisierung die Kosteneffizienz im ganzen Unternehmen zu steigern und arbeitsintensive Prozesse in Bereichen wie der Compliance zu unterstützen. Ein Beispiel ist der Einsatz spezialisierter Software, die von Signac – einem Joint Venture zwischen der Credit Suisse und Palantir – entwickelt wird und grosse Mengen an Handelsdaten analysiert, um allfällige Hinweise auf Unregelmässigkeiten im Verhalten von Mitarbeitenden im Handelsbereich zu erhalten. Wir erwarten, dass der Einsatz digitaler Technologien wie dieser in Zukunft dazu beitragen wird, dass die Bank Reputations- und Verhaltensrisiken bereits in einem frühen Stadium erkennen und geeignete Massnahmen ergreifen kann.

Herausforderung: Im Jahr 2015 hat die UNO-Klimakonferenz (COP 21) in Paris ein Abkommen verabschiedet, mit dem der Anstieg der globalen Erwärmung auf deutlich weniger als zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau begrenzt werden soll. Dieses trat 2016 in Kraft. Die Bekämpfung des Klimawandels zählt auch zu den 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der UNO. Wie berücksichtigt die Credit Suisse den Klimawandel in ihrem Risikomanagementprozess?

Antwort: Unsere Prinzipien und unser Ansatz für den Klimaschutz sind in unserer «Erklärung zum Klimawandel» dargelegt. Wir unterstreichen darin unsere Verpflichtung, als Finanzintermediär unseren Teil zur Bewältigung dieser globalen Herausforderung beizutragen. Beim Management transaktionsbezogener Risiken prüfen wir Klimaaspekte im Rahmen unseres Reputations-Risiko-Prüfungs-Prozesses. Auf der Basis unserer Sektorweisungen und -richtlinien evaluieren wir Faktoren wie die CO2 -Bilanz oder die Energieeffizienzziele eines Unternehmens. Zudem verlangen einige unserer Weisungen und Richtlinien, dass Kunden über einen Plan für den Umgang mit Klimarisiken verfügen. Weiter haben wir im Jahr 2016 unsere Vorgaben für den Bergbausektor und unsere Richtlinien für die Stromerzeugung weiterentwickelt. Darüber hinaus haben wir ein Pilotprojekt zum Erkennen und Verstehen klimapolitischer Risiken auf Portfolioebene durchgeführt und an einem Workshop zur Analyse von Umweltrisiken teilgenommen, den die Schweizer Regierung als Beitrag zur Green Finance Study Group der G20 veranstaltet hat.

Herausforderung: Produkte und Dienstleistungen, die ökonomische, ökologische und soziale Aspekte berücksichtigen, werden immer wichtiger, und nach wie vor besteht grosses Potenzial für weitere Investitionen in diesem Bereich. Was tut die Credit Suisse für die Förderung nachhaltiger Anlagen?

Antwort: Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit, Aufklärung und Schulung sind für die Förderung und Weiterentwicklung des nachhaltigen Anlagesektors von grosser Bedeutung. Als Finanzinstitut, das sich für nachhaltige Kapitalanlagen einsetzt, ist die Credit Suisse Mitglied verschiedener Branchennetzwerke und Initiativen. Wir arbeiten eng mit Anspruchsgruppen zusammen, um den Dialog zwischen Anlageexperten und -beratern zu fördern. 2016 haben wir uns an einer von Swiss Sustainable Finance organisierten Arbeitsgruppe beteiligt, um Lernangebote und Hilfsmittel zu entwickeln, die Kundenberatern helfen, nachhaltige Finanzprodukte besser in ihre Arbeit zu integrieren. Ausserdem sind wir Mitbegründer der Coalition for Private Investment in Conservation (CPIC), deren Ziel es ist, durch neue renditeorientierte Anlageprodukte einen Beitrag zum Erhalt der weltweit wichtigsten Ökosysteme zu leisten.

Herausforderung: Tiefe oder negative Zinsen, Digitalisierung, schärfere Regulierung und politische Ereignisse sind wichtige Faktoren, die Einfluss auf die Entwicklung und die Wettbewerbsfähigkeit von Finanzplätzen weltweit haben. Welchen Beitrag hat die Credit Suisse 2016 zur Debatte über diese unterschiedlichen Themen geleistet?

Antwort: Wir haben im Verlauf des Jahres einen konstruktiven Dialog mit Politikern, Normungsgremien, Regulierungsbehörden, Branchenverbänden und anderen wichtigen Anspruchsgruppen geführt. Als Beitrag zu den Diskussionen über die wichtigsten Trends, die unsere Branche betreffen, haben wir 2016 die dritte Ausgabe unserer Studie «Finanzplatz Schweiz» veröffentlicht. Wir untersuchen darin Trends wie das Vermögenswachstum in asiatischen Ländern und die negativen Zinsen und benennen Erfolgsfaktoren für den Finanzplatz Schweiz. Darüber hinaus haben wir uns an Diskussionen beteiligt über die Finalisierung des Basel-III-Regelwerks und die möglichen Auswirkungen des Ausgangs des britischen Referendums über den Verbleib in der EU auf den britischen, den Schweizer und auf andere Finanzplätze. Insbesondere in der Schweiz haben wir Themen wie eine angemessene Finanzmarktregulierung, günstige Rahmenbedingungen und die Beziehung zwischen der Schweiz und der EU angesprochen. Ein weiterer Schwerpunktbereich waren Digitalisierung und Fintech: Zum Fintech-Einsatz im Regulierungsbereich haben wir ein White Paper veröffentlicht mit dem Titel «RegTech: How a New Wave of Technologies Is Transforming the Regulatory and Compliance Landscape for Financial Institutions».

Herausforderung: Wie können wir die Zusammenarbeit zwischen allen unseren öffentlichen und privaten Anspruchsgruppen stärken, um eine nachhaltige Wirkung und positive Ergebnisse für die Gesellschaft, unsere Kunden und die Bank zu erzielen?

Antwort: 2016 haben wir Kunden, Partner, Branchenverbände und lokale Behörden in neue Projekte eingebunden, die den Organisationen und Themen, die wir unterstützen, mehr Sozial- und Finanzkapital zur Verfügung stellen. Neben der Finanzierung unserer globalen Initiativen unterstützt die Credit Suisse Foundation über den Jubiläumsfonds auch Aktivitäten in Gemeinden in der ganzen Schweiz. Darüber hinaus stellt sie bei Naturkatastrophen weltweit Finanzhilfe zur kurz- und längerfristigen Unterstützung der betroffenen Regionen bereit. Dank Micro-Donations können Kunden und Mitarbeitende zudem kleine Beträge direkt online an einige unserer Partner in der Schweiz spenden. Unsere Partnerschaften mit der Asiatischen Entwicklungsbank und der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) im Bereich Impact Investing und Mikrofinanz führten wir ebenfalls fort.

Herausforderung: Verantwortungsvoll mit Ressourcen umgehen und darauf achten, dass unsere Aufgaben von Mitarbeitenden an den am besten geeigneten Standorten ausgeführt werden: Welchen Einfluss hat dies auf die Unternehmensstruktur?

Antwort: Angesichts fortlaufender Veränderungen in der Finanzdienstleistungsindustrie, tiefer Zinsen und steigender Kosten haben wir auch 2016 zusätzliche Dienstleistungen von unseren Hauptniederlassungen an unsere eigenen Business Delivery Centers (BDCs) weltweit übertragen. Dadurch wurden einerseits Arbeitsplätze an Hauptniederlassungen abgebaut, anderseits aber neue Aufgaben an unsere eigenen BDCs übertragen. Mittlerweile sind 18 Prozent unserer Belegschaft weltweit in BDCs tätig. Gezielte Trainings zur Verbesserung der Kompetenzen und Führungsfähigkeiten helfen uns, in unseren BDCs Karrieremöglichkeiten zu bieten und so die besten Talente zu gewinnen und an uns zu binden. Dies erlaubt es uns, die Position der BDCs aktiv zu stärken und dort zunehmend Funktionen mit mehr Verantwortung anzusiedeln.

Herausforderung: Die Erhaltung der natürlichen Lebensräume ist eine wichtige Herausforderung. Eines der 17 im Jahr 2015 von der UNO verabschiedeten Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) besteht darin, Landökosysteme zu schützen, wiederherzustellen und ihre nachhaltige Nutzung zu fördern. Was tut die Credit Suisse, um dieser Herausforderung zu begegnen?

Antwort: Die Credit Suisse geht die Frage von ökologischer Nachhaltigkeit und nachhaltiger Landnutzung auf verschiedene Arten an. In Anerkennung des Kapitalbedarfs für die Erhaltung von Ökosystemen haben wir unsere Aktivitäten im Bereich Naturschutzfinanzierung laufend ausgebaut. Um Fragen rund um die Biodiversität auch in unseren Risikomanagementprozessen zu berücksichtigen, haben wir dieses Thema in unsere sektorspezifischen Weisungen und Richtlinien aufgenommen. Die Anforderungen unserer Weisung zu Forst- und Agrarwirtschaft sind abgestimmt auf Nachhaltigkeitsinitiativen für die betroffenen Sektoren, so auch auf die Standards des Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl (RSPO) und des Forest Stewardship Council (FSC). Um eine verantwortungsvolle Wald- und Agrarnutzung zu fördern und Netto-Waldumnutzungen zu verhindern, enthalten unsere Weisungen Einschränkungen für Finanzierungsaktivitäten, die Wälder mit hohem Schutzwert betreffen, Vorgaben zur besonderen Sorgfalt bei Geschäftsaktivitäten in Torfgebieten sowie das Verbot von Finanzdienstleistungen für Geschäftsaktivitäten in Schutzgebieten wie den UNESCO-Welterbestätten. In diesem Zusammenhang sind wir auch Mitglied des RSPO. Darüber hinaus haben wir uns 2016 an Workshops für eine nachhaltige Finanzwirtschaft beteiligt, die von der indonesischen Finanzdienstleistungsbehörde und vom WWF initiiert worden waren. Wir tauschen uns weiterhin mit Kunden und NGOs zum Umgang mit Umwelt- und sozialen Aspekten aus. Überdies pflegt die Credit Suisse den Dialog mit wichtigen Anspruchsgruppen zu den Themen Naturschutzfinanzierung und Schutz von natürlichen Lebensräumen, etwa durch unseren Workshop mit Banken und Vertretern des WWF im Jahr 2016 in London.