Corporate Press Release

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Am Gotthard werden die Uhren neu gestellt

Credit Suisse Bulletin zur Neat und ihren Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft

Wird die Neat die Schweiz verändern? Mit Sicherheit! Wer – wirtschaftlich gesehen – zu den Gewinnern gehört, hat das Economic Research der Credit Suisse in einer Studie untersucht. Die zentralen Themen sind Güterverkehr, Erhöhung der Erreichbarkeit, Tagestourismus, Immobilienmärkte und die Pfortenbahnhöfe Altdorf und Bellinzona. Zusätzlich zur «freien Sicht aufs Mittelmeer» könnte die Neat den Anschluss an die Gütermärkte Asiens beschleunigen und zur Flexibilisierung der Arbeitsmärkte beitragen.

Im Juni 2016 wird der längste Eisenbahntunnel der Welt – der Gotthard-Basistunnel – offiziell eröffnet. Vor 160 Jahren wurde die Schweizerische Kreditanstalt – die heutige Credit Suisse – von Alfred Escher unter anderem für die Bahnentwicklung in der Schweiz gegründet. Escher war nicht nur der Gründer der Credit Suisse, sondern auch die treibende Kraft der Gotthardbahn und des ersten Gotthardtunnels. Für die Credit Suisse ist es darum Ehre und Verpflichtung zugleich, «Gottardo 2016» – die Eröffnungsfeierlichkeiten des Jahrhundertbauwerks Gotthard-Basistunnel – als Hauptpartner zu unterstützen.

Erreichbarkeit: Bellinzona profitiert am stärksten von der Neat

Lange Wege und Fahrzeiten sind Sand im wirtschaftlichen Getriebe. Sie bremsen Warenflüsse, Pendelbewegungen und die Zusammenarbeit von Landesteilen. So haben gut erreichbare Standorte bessere Entwicklungschancen. So wird die Neat die Erreichbarkeit der Tessiner und Urner Regionen verbessern. Um die Auswirkungen in Zahlen zu messen, haben die Ökonomen der Credit Suisse den gesamten ÖV-Fahrplan nach Eröffnung der Basistunnel am Gotthard und am Ceneri modelliert. Auf Basis von insgesamt 450 Millionen Verbindungen sowie den Fahrzeitpräferenzen von Pendlern wurden die Einzugsgebiete aller Schweizer Ortschaften berechnet. Der neue Urner Kantonsbahnhof mit direkter Verbindung nach Zürich vergrössert das Pendler-Einzugsgebiet Altdorfs um 13'200 Personen oder um 15 Prozent. Bellinzona kommt für zusätzliche 33'000 Personen als Arbeitsort in Frage. Die schnellere Verbindung in den Raum Lugano erhöht zudem die Attraktivität des Sopraceneri für Arbeitstätige in Lugano und dürfte den Austausch zwischen den beiden Tessiner Kantonsteilen intensivieren.

Immobilienmarkt: Ausweichen von Lugano ins Sopraceneri

Die Preise für Eigentumswohnungen sind in Lugano 41% höher als in der Region Bellinzona. Mit einer Fahrzeitersparnis von 10 Minuten bringt der Ceneri-Basistunnel die beiden Städte neu in Pendeldistanz. Die Immobilienmärkte in den beiden Kantonsteilen dürften gemäss den Ökonomen der Credit Suisse daher verschmelzen. Dem gegenüber dürften die Auswirkungen des Gotthard-Basistunnels auf den Zweitwohnungsmarkt im Südkanton gering bleiben: Nur ein kleiner Teil der Zweitwohnungsbesitzer nutzt den öffentlichen Verkehr für die Anreise.

Flexibles Arbeiten wird durch die Neat begünstigt

Durch neue Technologien hat sich die Arbeitsweise stark verändert: 23% der Schweizer arbeiten heute teilweise von zuhause aus, in Zukunft könnte der Anteil auf 42% steigen (Uri: 35%, Tessin: 42%). Gemäss den Ökonomen der Credit Suisse eröffnet die verbesserte Erreichbarkeit auf der Nord-Süd-Achse für die betroffenen Regionen neue Optionen. Wenn standortunabhängiges Arbeiten möglich wird, können sich auch periphere Regionen als Wohngebiet von Qualität positionieren. Mitarbeitende, die einen Teil ihrer Arbeit von zuhause oder von einem anderen, ihrem Wohnort näher liegenden Standort erledigen dürfen, können auf einen Umzug in die Arbeitsregion verzichten oder pendeln weniger häufig, dafür über längere Strecken.

Zusätzliche Tagestouristen im Tessin, Chancen für Hotellerie

Deutschschweizer sind die wichtigste Gästegruppe im Tessin. Deren Anreise mit dem öffentlichen Verkehr verkürzt sich nun um mehr als 40 Minuten. Die Einzugsgebiete für Tagestouristen vergrössern sich daher stark, in Bellinzona um 73% oder 380'000 Personen. Locarno kommt für 260'000 zusätzliche Personen als Tagesdestination in Frage, Lugano für 315'000. Das Gastgewerbe dürfte zudem von zusätzlichen Mittagsgästen profitieren. Attraktionen wie das neue Luganeser Kulturzentrum LAC hätten mehr Besucher. Übernachtungsgäste sind schneller vor Ort, aber auch schneller wieder zu Hause. Die Ökonomen der Credit Suisse rechnen dennoch nicht mit einem Neat-bedingten Rückgang der Tessiner Logiernächte. Denn beim Lötschberg-Basistunnel blieb eine solcher «Rückreiseeffekt» aus. Zudem werden die Fahrzeiten nicht so gering, dass der Grossteil der Touristen auf Übernachtungen verzichten wird.

Güterverkehr: Neat wird die Verlagerung unterstützen – aber nicht im prognostizierten Ausmass

Die Neat wurde als Güterverkehrsachse entworfen. Gleichwohl dürfte das Verlagerungsziel des Bundesrats gemäss den Ökonomen der Credit Suisse nicht erreicht werden. Einerseits hemmt die begrenzte Kapazität der Zulaufstrecken in Italien die Wirkung der Neat. Andererseits führen die Tempounterschiede zwischen Güter- und Personenzügen zu einer Beschränkung der Kapazität im Warenverkehr. Auch wenn die Verlagerung von der Strasse auf die Schiene nicht das angestrebte Ausmass erreicht, dürfte die Neat dennoch massgeblich zu einer Verkehrsentlastung der Strasse und der Gotthardkantone beitragen. Der Ausbau der italienischen Häfen könnte in Kombination mit der neuen «U-Bahn für den Handel» ausserdem zu einem effizienteren Anschluss Europas an die Gütermärkte Asiens beitragen.

Uri und Tessin packen die neuen Chancen

Die Gotthardbahn hat Ende des 19. Jahrhunderts nördlich und südlich des Tunnels ein starkes Wachstum von Bevölkerung und Beschäftigung bewirkt. Ein ähnliches Wachstum wird von den Ökonomen der Credit Suisse nicht erwartet. Gleichwohl wollen Altdorf und Bellinzona die Chance nutzen und von der verbesserten Standortqualität profitieren. Der Kanton Uri richtet sein ÖV-Netz auf den neuen «Kantonsbahnhof» aus, die Zonenplanung sieht ein Gewerbe- und Wohnquartier für rund 1300 zusätzliche Arbeitsplätze und bis zu 260 Einwohner vor. Bellinzona rüstet sich für eine Verdopplung der Anzahl Fahrgäste und investiert in die touristische Attraktivität.

Ein Jahrhundertwerk eröffnet Perspektiven für heute Undenkbares

1882 wurde mit der Gotthardbahn die Alpenquerung neu erfunden. Obschon die damaligen Visionäre auf den wirtschaftlichen Nutzen des Tunnels abzielten, konnten sie kaum alle Effekte des Bauwerks abschätzen. Der alte Gotthardtunnel ist heute «Mobile Office», Container-Kanal und Datenautobahn, was bei seiner Eröffnung kaum vorhergesagt wurde. Ähnlich könnte die Neat Dinge ermöglichen, die heute noch nicht einmal am Horizont erkennbar sind.

Das Bulletin «Gottardo – Vom schweizerischen Mythos zum längsten Tunnel der Welt» ist im Internet verfügbar unter: http://publications.credit-suisse.com/index.cfm/publikationen-shop/bulletin/

Weitere Informationen zu den Eröffnungsfeierlichkeiten «Gottardo 2016» finden Sie unter: https://www.credit-suisse.com/gottardo2016

Die Credit Suisse ist am Publikumsanlass vom 4./5. Juni 2016 in Rynächt (UR) und Pollegio (TI) mit je einem Pavillon präsent.