Ansatz & Berichterstattung Herausforderungen & Antworten

Herausforderungen & Antworten

Die Credit Suisse wurde auch 2016 mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert.

Herausforderung: Wie reagiert die Credit Suisse auf die fortschreitende Digitalisierung?

Antwort: Die Digitalisierung verändert unsere Branche grundlegend, entsprechend wichtig ist für die Credit Suisse die Auseinandersetzung damit. So sehen wir beispielsweise, dass sie einen Einfluss darauf hat, wie Kunden mit ihrer Bank interagieren. Wir sind uns bewusst, dass innovative Konzepte entscheidend sind, damit wir unseren Kunden auch in Zukunft erstklassige Produkte und Dienstleistungen über die von ihnen bevorzugten Kanäle anbieten können. Die Credit Suisse arbeitet daran, das Angebot von digitalen Produkten und Dienstleistungen entlang des Kundenlebenszyklus zu erweitern. Ein Beispiel hierfür ist die Einführung von Viva Kids in der Schweiz im Jahr 2017. Das neue Angebot umfasst ein digitales Sparschwein – «Digipigi» – sowie zwei Apps und ist darauf ausgelegt, Finanzkompetenzen bei Kindern zu fördern. Gleichzeitig erkennen wir die Möglichkeit, mithilfe digitaler Lösungen die Kosteneffizienz im ganzen Unternehmen zu verbessern und arbeitsintensive Prozesse zu unterstützen. Wir erwarten, dass der Einsatz digitaler Technologien in Zukunft dazu beitragen wird, dass die Gruppe ihre Effizienz weiter steigern, die Kundenbindung stärken, den globalen Zugang zu unseren Dienstleistungen vereinfachen sowie Reputations- und Verhaltensrisiken bereits in einem frühen Stadium erkennen und geeignete Schutzmassnahmen ergreifen kann.

Herausforderung: Unsere Geschäftstätigkeit bringt es bisweilen mit sich, dass wir über kontroverse Transaktionen entscheiden müssen, bei denen die möglichen Folgen für Umwelt und Gesellschaft – je nach Perspektive – unterschiedlich beurteilt werden. Ein Beispiel hierfür ist die Dakota Access Pipeline, ein Energie-Infrastrukturprojekt in den USA, dem 2017 hohe öffentliche Aufmerksamkeit zukam und das mitunter auch deutlich kritisiert wurde. Wie geht die Gruppe solche Herausforderungen an?

Antwort: Unternehmen, die in exponierten Branchen tätig sind, spielen oft eine volkswirtschaftlich zentrale Rolle für die weltweite Energie- und Rohstoffversorgung. Darüber hinaus sind sie bisweilen wichtige Arbeitgeber in wirtschaftlich schwachen Regionen. Gleichzeitig anerkennen wir, dass Aktivitäten dieser Unternehmen in manchen Fällen erhebliche Auswirkungen auf Klima, Biodiversität, Wasserressourcen oder die Einwohner eines bestimmten Gebiets haben können. Für potenzielle Transaktionen mit Unternehmen im Energie-Infrastruktursektor und in anderen sensitiven Branchen führt die Credit Suisse deshalb eine umfassende Analyse zur Identifizierung und Kontrolle dieser Risiken durch. Wir haben zudem branchenspezifische Weisungen auf Basis der Standards internationaler Organisationen wie der UNO oder der Weltbank erarbeitet. Um unterschiedlichen Sichtweisen Rechnung zu tragen, sind wir im Dialog mit NGOs und anderen wichtigen Anspruchsgruppen, bilateral sowie durch Veranstaltungen und multilaterale Gespräche. Auch wenn unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen, sind wir der Auffassung, dass dieser Meinungsaustausch alle Parteien ermutigt, Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und das gegenseitige Verständnis zu fördern. Beispiele dieses Dialogs waren 2017 unter anderem unsere Gespräche mit NGOs und Vertretern indigener Völker im Zusammenhang mit Bedenken hinsichtlich der Dakota Access Pipeline wie auch unsere Durchführung einer zweitägigen Zusammenkunft mit Banken und Vertretern der Gesellschaft, an der Themen im Zusammenhang mit Biodiversität, Menschenrechten und Klimawandel diskutiert wurden.

Herausforderung: Im Rahmen der Bemühungen, einen ausgewogenen und nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen unseres Planeten zu finden, besteht eindeutig Bedarf nach einem Zugang zu neuen Energiequellen, Rohstoffen und sauberen Technologien. Die Finanzierung von Anlagen, die eine umweltverträgliche Entwicklung unterstützen – bekannt als Green Finance –, gewinnt deshalb an Bedeutung und Ausmass. Welchen Beitrag leistet die Credit Suisse zu Green Finance?

Antwort: Unsere Green-Finance- Lösungen umfassen eine Vielzahl von Anlageklassen, die darauf abzielen, den Übergang zu einer kohlenstoffarmen und klimaresistenten Wirtschaft zu fördern, indem die Kompetenz verschiedener Fachabteilungen in allen unseren Divisionen zum Tragen kommt. Im Bereich der Vermögensverwaltung umfasst unser Angebot beispielsweise eine Reihe von Fonds, die auf Nachhaltigkeit, Green-Bond-Anlagen und nachhaltige Immobilien sowie auf Produkte und Dienstleistungen im Bereich Naturschutzfinanzierung ausgerichtet sind. Im Investment Banking bieten wir Beratung für Kunden auf Käufer- und Verkäuferseite in den Bereichen Fusionen und Übernahmen, Projekt- und Unternehmensfinanzierung sowie Anleihen und Aktienemissionen für öffentliche und private Platzierungen an. Die Credit Suisse war seit 2010 an rund 100 Transaktionen mit einem Wert von USD 77 Milliarden im Bereich der erneuerbaren Energien beteiligt. Darüber hinaus haben wir im Jahr 2017 Kunden bei einer Reihe von Green-Bond-Emissionen unterstützt. In unserer Division Global Markets arbeitet das HOLT-Team der Credit Suisse an der Einbeziehung von Daten über CO2-Emissionen in ihre Aktien-Research-Plattform mit dem Ziel, es den Anlegern zu ermöglichen, die CO2-Intensität und die CO2-adjustierte Rendite im Zusammenhang mit der operativen Leistung zu beurteilen. Schliesslich befasst sich Energy Infrastructure Partners der Credit Suisse als Investment-Manager mit Spezialisierung auf Anlagen im europäischen Energiesektor mit Direktinvestitionen in die kapitalintensiven Teile der Wertschöpfungskette wie Energieübertragung, -erzeugung, -speicherung und -effizienz.

Herausforderung: Die Entwicklungen rund um den erwarteten Ausstieg Grossbritanniens aus der EU, die neue US-Regierung sowie ein verschärfter Wettbewerb zwischen den Finanzplätzen prägten 2017 das weltweite operative Umfeld. Welchen Beitrag hat die Credit Suisse zu den Debatten geleistet?

Antwort: Wir haben den konstruktiven Dialog mit Politikern, Normungsgremien, Regulierungsbehörden, Branchenverbänden und anderen wichtigen Anspruchsgruppen im Verlauf des Jahres fortgesetzt. In diesem Rahmen haben wir auch Berichte zu Themen wie Wettbewerbsfähigkeit und Digitalisierung veröffentlicht. Zudem haben wir an diversen Arbeitsgruppen teilgenommen, deren Ziel die Verbesserung der Rahmenbedingungen in den jeweiligen Rechtsordnungen war. So haben wir uns an Arbeitsgruppen in der Schweiz und in Grossbritannien beteiligt, wo der Schwerpunkt auf Herausforderungen rund um den «Brexit» lag. Darüber hinaus haben wir zu den Vorschlägen der neuen US-Regierung zur künftigen Regulierung der Finanzmärkte Stellung genommen.

Herausforderung: Wie stellt die Credit Suisse sicher, dass ihre Aktivitäten dort eine positive soziale Wirkung entfalten, wo sie am meisten gebraucht werden, und zugleich relevant für die Bank und ihre Kunden sind?

Antwort: In einer sich schnell wandelnden Branche und Gesellschaft passen wir uns nicht nur an veränderte Anforderungen und Bedürfnisse an, sondern möchten uns auch aktiv an deren Gestaltung beteiligen. Beispielsweise, indem wir Trends und Anliegen frühzeitig erkennen, unsere Programme danach ausrichten und Thought Leadership zu Kernthemen wie Finanzkompetenz fördern. So haben wir 2017 gemeinsam mit Pro Juventute, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Rechte und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz einsetzt, die erste Schweizer Taschengeld-Studie veröffentlicht. Dies im Rahmen der Einführung von Viva Kids, einem neuen Produktangebot, das mit «Digipigi» ein digitales Sparschwein beinhaltet und zum Ziel hat, Finanzkompetenzen bei Kindern zu fördern. Zudem führten wir ein globales Forschungsprojekt durch, um zu untersuchen, mit welchem Ansatz die Vermittlung von Finanz- und Lebenskompetenzen, insbesondere für Mädchen, am effektivsten verbessert werden kann. Dadurch konnten wir unsere Programme weiter stärken und den Wissenstransfer zu diesem Thema fördern.

Herausforderung: Verantwortungsvoll mit Ressourcen umgehen und darauf achten, dass unsere Aufgaben von Mitarbeitenden an den am besten geeigneten Standorten ausgeführt werden: Welchen Einfluss hat dies auf die Unternehmensstruktur der Credit Suisse?

Antwort: Angesichts fortlaufender Veränderungen in der Finanzdienstleistungsindustrie, tiefer Zinsen und steigender Kosten haben wir auch 2017 zusätzliche Dienstleistungen von unseren Hauptniederlassungen an unsere eigenen Business Delivery Centers (BDCs) weltweit übertragen. Dadurch wurden einerseits Arbeitsplätze an Hauptniederlassungen abgebaut, anderseits aber neue Aufgaben an unsere eigenen BDCs übertragen. Mittlerweile sind rund 21 Prozent unserer Belegschaft weltweit in BDCs tätig. Gezielte Trainings zur Verbesserung der Kompetenzen und Führungsfähigkeiten helfen uns, in unseren BDCs Karrieremöglichkeiten zu bieten und so die besten Talente zu gewinnen und an uns zu binden. Dies erlaubt es uns, die Position der BDCs aktiv zu stärken und dort zunehmend Funktionen mit mehr Verantwortung anzusiedeln.

Herausforderung: Das Paris-Abkommen gilt als Meilenstein in den globalen Bemühungen, die Auswirkungen des Klimawandels zu verringern. Ziel ist die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf deutlich weniger als zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau. Auch nach dem Inkrafttreten des Abkommens im Jahr 2016 ist der Klimawandel im öffentlichen wie auch im privaten Sektor ein wichtiges Thema. Wie geht die Credit Suisse mit der Herausforderung des Klimawandels um?

Antwort: Wir sehen unsere Rolle als Finanzintermediär darin, beim Übergang zu einer weniger stark von fossilen Energieträgern abhängigen Welt und einer kohlenstoffarmen und klimaresistenten Wirtschaft als zuverlässiger Partner zu dienen. Wir arbeiten nicht nur seit 2010 an allen unseren Standorten weltweit treibhausgasneutral, sondern haben auch unsere Aktivitäten im Bereich Green Finance kontinuierlich intensiviert. Unsere Prinzipien und unser Ansatz für den Klimaschutz sind in unserer «Erklärung zum Klimawandel» dargestellt und widerspiegeln sich auch in unserem gruppenweiten standardisierten Reputations-Risiko-Prüfungs-Prozess (RRRP). Im Rahmen dieses Prozesses beurteilen wir Faktoren wie die CO2-Bilanz oder die Energieeffizienzziele eines Unternehmens, und einige unserer Weisungen und Richtlinien verlangen, dass Kunden einen Plan für den Umgang mit Klimarisiken haben. Unsere aktualisierten Vorgaben für den Bergbausektor und unsere Richtlinien für die Stromerzeugung beinhalten unter anderem Einschränkungen bei der Finanzierung von neuen Minen für thermische Kohle und von neuen Kohlekraftwerken.

Herausforderung: Die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD), die im Dezember 2015 vom Financial Stability Board ins Leben gerufen wurde, ist eine von der Wirtschaft angeführte Initiative, die das Verständnis und die Transparenz in Bezug auf den Klimawandel an den Finanzmärkten erhöhen soll. Die TCFD veröffentlichte 2017 ihren Abschlussbericht mit Empfehlungen für die freiwillige Berichterstattung über wesentliche Risiken und Chancen, die sich aus dem Klimawandel ergeben. Was bedeutet die TCFD für die Credit Suisse?

Antwort: Wir gehen davon aus, dass die Umsetzung der TCFD-Empfehlungen zu umfassenderen Informationen über die finanziellen Folgen des Klimawandels führen wird. Aufgrund der Komplexität der Empfehlungen wird die Umsetzung voraussichtlich einige Jahre dauern, aber sie dürfte zu fundierteren Entscheidungen bei Kapitalanlagen, Kreditvergaben und der Beurteilung von Versicherungsrisiken führen. Im Hinblick auf die TCFD-Empfehlungen erprobte die Credit Suisse 2016 ein Konzept zum Erkennen und Verstehen von klimapolitischen Risiken auf Portfolioebene für unsere Kreditportfolios in den Bereichen Kohlebergbau und Stromerzeugung. Anfang 2017 nahmen wir an der Konsultation zum Entwurf der TCFD-Empfehlungen teil, und am One Planet Summit im Dezember 2017 in Paris schlossen wir uns einer Gruppe von mehr als 200 Unternehmen an, die ihre Unterstützung für diese Initiative öffentlich bekundeten. Wir haben einen Arbeitsplan und ein funktionsübergreifendes Projektteam aufgestellt, um 2018 und 2019 in verschiedenen Arbeitsgruppen mit der Umsetzung der TCFD-Empfehlungen zu beginnen. Um uns über die Erfahrungen, die wir dabei machen, auszutauschen, sind wir dem Forum on Implementation of TCFD Recommendations beigetreten, das vom Institute of International Finance (IIF) lanciert wurde.