Sorgenbarometer 2017: Das Vertrauen der Schweizer in ihre Institutionen
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Sorgenbarometer 2017: Das Vertrauen der Schweizer in ihre Institutionen

Die Schweizer Institutionen bleiben beliebt, aber büssen an Vertrauen ein – bis auf das Bundesgericht. Das Sorgenbarometer zeigt auch, dass Banken wieder mehr Vertrauen geniessen.

Die Schweizer glauben an ihre Institutionen wie kaum ein anderes Volk. 60 Prozent vertrauen dem Bundesrat, während das Vertrauen in die Landesregierungen in der OECD insgesamt durchschnittlich bei 42 Prozent liegt. Das Vertrauen ist hoch, aber es hat dieses Jahr einen Dämpfer erhalten: Von den 20 erstplatzierten Institutionen haben 18 an Vertrauen eingebüsst – nach jahrelanger allgemeiner Zunahme.

Vertrauen in Schweizer Institutionen 2017

Verlierer gibt es viele: Die Nationalbank und die Armee haben mit je minus 10 Prozentpunkten am stärksten an Vertrauen verloren, gefolgt von den Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen (minus 9 und minus 6 Prozentpunkte). Diese markanten Rückgänge könnten auf ein generell gestiegenes Misstrauen der Bevölkerung gegenüber den Institutionen hindeuten. Studienleiter Lukas Golder erläutert: «Über die Institutionen wurde in letzter Zeit weniger positiv berichtet, Stichworte sind: die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative, die Debatte um fremde Richter und generell die viel diskutierte Polarisierung der Politik.»

Man kann auch über die einzelnen Akteure spekulieren: Sind die Befragten der Meinung, die Nationalbank habe zu stark interveniert, um den Schweizer Franken zu schwächen? Oder sie habe im Gegenteil zu wenig interveniert? Leidet das Vertrauen in die Armee aufgrund der verlorenen Kampfflugzeug-Abstimmung (2014)?

Der Fake-News-Faktor?

Interessant ist, dass der ganze Medienblock (Fernsehen, Radio, Gratis- und Bezahlzeitungen) zwischen 5 und 6 Prozentpunkte an Vertrauen eingebüsst hat. Das könnte ein Resultat der Fake-News-Debatte sein: Unter anderem rund um die Präsidentschaft von Donald Trump wurde und wird der Wahrheitsgehalt der Medienberichterstattung heftig diskutiert. Ein weiterer Grund könnte die zunehmende Fragmentierung des Medienkonsums sein respektive der Einflussverlust der klassischen Leitmedien.

Angeführt wird die Vertrauensrangliste zum dritten Mal in Folge vom Bundesgericht (plus 1 Prozentpunkt gegenüber 2016). Dahinter gibt es aus Sicht des Finanzplatzes einen erfreulichen Aufsteiger: Die Banken machten einen Sprung vom 13. auf den 2. Rang, der Zuspruch stieg von 57 auf 61 Prozent an – keine andere Institution gewann mehr Vertrauen. Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, die Direktorin des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco), kommentiert dieses Resultat so: «Die Banken haben seit der Finanzkrise sehr viel unternommen. Sie haben aktiv an Regulierungen mitgearbeitet, die Steuerdiskussionen angetrieben und ihr Geschäft sicherer gemacht. Das ist eine gute Entwicklung und wird honoriert.»

Wir sind Schweizer

Zum guten Abschneiden der Banken passt, dass die Schweizerinnen und Schweizer grundsätzlich das Gefühl haben, Firmen würden einen besseren Job machen als früher: 57 Prozent der Befragten meinten 2003 noch, die Wirtschaft versage oft, jetzt sind es noch 23 Prozent. In der gleichen Zeitspanne verbesserte sich auch das Zeugnis der Politik: 53 Prozent meinten 2003, die Regierung und Verwaltung versage oft, heute sind es noch 24 Prozent.

Zugehörigkeit zu geografischer Einheit

Das Vertrauen in die Institutionen mag etwas unter Druck gekommen sein, doch das tut der nationalen Kohäsion keinen Abbruch. Im Gegenteil. Fragt man, welcher geografischen Einheit sich die Befragten am meisten zugehörig fühlen, nennen 34 Prozent die Schweiz. Dies sind so viele wie noch nie und gleichzeitig 9 Prozentpunkte mehr als im letzten Jahr. Sprachregion und Wohnkanton (beide 22 Prozent) sind über die Jahre mehr oder weniger konstant geblieben, aber die Wohngemeinde hat viel an Bedeutung verloren. Lange führte sie die Tabelle mit bis zu 44 Prozent (2011) an – heute fühlen sich noch 13 Prozent der kleinsten politischen Einheit der Schweiz am stärksten zugehörig.