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Wohnungen im Überfluss

Die Leerstände haben mit 1,47 Prozent den höchsten Wert seit 18 Jahren erreicht. Der starke Zuwachs ist grösstenteils auf den Mietwohnungsmarkt zurückzuführen. Dagegen bleiben die Leerstände bei Wohneigentum auf tiefem Niveau.

Die Leerwohnungsziffer erreichte am 1. Juni 2017 hohe 1,47 Prozent. Das entspricht 64'893 leer stehenden Wohnungen. Ein solch hoher Wert wurde seit 1999 (1,59 Prozent) nicht mehr gemessen. Zum achten Mal in Folge ist die Leerwohnungsziffer angestiegen. Das Wachstum hat sich im Vergleich zu den Vorjahren nochmals erhöht. Alleine im vergangenen Jahr stiegen die Leerstände um 8375 Wohneinheiten an. Innert vier Jahren haben die Leerstände damit um 61 Prozent zugelegt.

Leerwohnungsziffer nach Segment

In % des jeweiligen Bestands

Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse

Vor allem Mietwohnungen betroffen

Wie schon in den Vorjahren betrifft der starke Anstieg in erster Linie Mietwohnungen. Innert Jahresfrist stiegen hier die Leerstände von 1,99 auf 2,31 Prozent an. Das ist ein Plus von 7823 Einheiten, womit mittlerweile 55'397 Mietwohnungen leer stehen. Der Grund hierfür liegt im immer grösseren Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage. Die Nettozuwanderung sank zwischen 2013 und 2016 von über 80'000 auf noch knapp 60'000. Gleichzeitig ist die Neubautätigkeit von Mietwohnungen Jahr für Jahr weiter angestiegen. Trotz geringerer Nachfrage wird das Angebot weiterhin ausgeweitet. Zu gross war bisher der durch das Negativzinsumfeld ausgelöste Anlagenotstand. In diesem Umfeld sind Investoren bereit, höhere Risiken einzugehen, da die Ausschüttungsrenditen der Immobilienanlagen klar über jenen von alternativen Anlagen wie beispielsweise Staatsanleihen liegen.

Immer noch tiefe Leerstände bei Wohneigentum

Anders dagegen ist die Situation auf dem Wohneigentumsmarkt. Die Leerstände von Eigentumswohnungen stiegen nur geringfügig von 0,81 auf 0,84 Prozent an. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Einfamilienhäusern. Hier war lediglich ein Wachstum von 0,39 auf 0,41Prozent zu beobachten. Zwar ist auch dieser Markt, als Folge einer Kombination von hohen Preisen und gestiegenen Finanzierungshürden, mit einer sinkenden Nachfrage konfrontiert. Im Gegensatz zum Mietwohnungsmarkt, der im Fokus institutioneller Anleger liegt, hat hier das Angebot jedoch auf die tiefere Nachfrage reagiert und so einen spürbaren Anstieg der Leerstände und einen Einbruch der Preise nach der zweimaligen Verschärfung der Finanzierungsregeln verhindert.

Regionale Leerstandsziffern 2017

Leerwohungsziffer 2017, Pfeile: Veränderungen gegenüber dem Vorjahr

Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse, Geostat

Hohe Leerstände ausserhalb der Zentren und zentrumsnahen Gemeinden

Von den 110 Schweizer Wirtschaftsregionen verzeichneten 80 einen Anstieg der Leerstände. In 21 Regionen war eine Seitwärtsbewegung festzustellen. Überdurchschnittlich betroffen sind zentrumsferne Agglomerationsgemeinden, ländliche Gemeinden sowie generell Gemeinden mit einer sehr hohen Wohnbautätigkeit. Die höchsten Leerstände sind in den Regionen zwischen Biel und Lenzburg sowie im Unterwallis zu finden. So stehen beispielsweise in der Region Oberaargau mittlerweile 5,16 Prozent aller Wohnungen leer.

Wohnraum in den Zentren bleibt knapp

Anders ist die Situation dagegen nach wie vor in der Mehrheit der Zentren und zentrumsnahen Pendlergemeinden. Zwar war auch hier vielerorts ein Anstieg der Leerstände zu verzeichnen. Das Leerstandsniveau bleibt aber auf vergleichsweise tiefem Niveau. In vereinzelten Grossstädten wie Zürich oder Lausanne ist die Suche nach einer neuen Wohnung immer noch schwierig und zeitintensiv.

Leerstände werden 2018 weiter steigen

Ein Ende der steigenden Leerstände ist nicht in Sicht. Die Bautätigkeit dürfte unverändert hoch bleiben und die Leerstände werden mit grosser Wahrscheinlichkeit auch 2018 weiter steigen. Besonders ausserhalb der Zentren gewinnen damit die Mieter an Marktmacht, und der Druck auf die Mietpreise dürfte sich verstärken.