Die Jagd nach Rendite gewinnen

Die Jagd nach Rendite gewinnen

Wie sollen einkommensorientierte Anleger auf schwache Renditen reagieren? Achten Sie auf Dividendentitel oder ziehen Sie sich mit Anleihen aus der Risikokurve zurück.

Akzeptable Renditen zu erwirtschaften war in den vergangenen sechs Jahren schwierig, da die Zentralbanken intervenierten wie noch nie, um die Zinsen in Europa, Japan, Grossbritannien und den USA nahe null zu halten. Auch 2015 scheint sich die Situation nicht gross zu verändern, und darüber hinaus scheint die US-Notenbank eine Zinserhöhung zu planen. Was sollten einkommensorientierte Anleger tun? Achten Sie auf Dividendentitel oder ziehen Sie sich mit Anleihen aus der Risikokurve zurück. Staatsanleihen sind hierfür ungeeignet.

Hohe Risikotoleranz kann attraktive Renditen bringen

Die Division Private Banking & Wealth Management (PB&WM) der Credit Suisse empfiehlt zwei spezifische Herangehensweisen für Anleger auf der Suche nach Rendite. «Dividendentitel bieten die Möglichkeit einer langfristigen Outperformance und lieferten in der Vergangenheit selbst in Zinsanstiegszyklen positive Renditen», meint Fan Cheuk Wan, Chief Investment Officer des PB&WM in der Region Asien-Pazifik. «Anleger mit höherer Risikotoleranz können mit ausgewählten Unternehmens-Hybridtiteln und nachrangigen, von Banken emittierten Wertschriften attraktive Renditen erzielen.»

Dividendentitel: bewährt und zuverlässig

Warum Aktien mit hoher Dividende überzeugende Renditen liefern können, muss man niemandem erklären. Dennoch könnte dies eine Überraschung sein: Dividenden machen ganze zwei Drittel der Gesamtrendite des S&P 500 seit 1963 aus. Während Dividendentitel sich bei steigenden Zinsen nicht immer besser entwickeln als der Gesamtmarkt, bringen sie tendenziell aber auch keine Verluste. Die PB&WM-Analysten Kaufmann und Scott stellten fest, dass Dividendentitel in vier aufeinanderfolgenden Zinsanstiegszyklen – 1983,1987, 1999 und 2004 – positive Gesamtrenditen generierten. Sie wiesen in den ersten beiden Zyklen eine Outperformance und in den letzten beiden Zyklen eine Underperformance gegenüber allgemeinen globalen Aktienindizes aus. Darüber hinaus liegen die Dividendenzahlungen auf den MSCI World Index unter dem historischen Durchschnitt, aber in den Unternehmensbilanzen sind USD 2,1 Billionen liquide Mittel verfügbar, was ein erhebliches Steigerungspotenzial bedeutet.

Unternehmens-Hybridanleihen: Ausstieg aus der Risikokurve

Hybride Wertschriften bieten um 200 bis 300 Basispunkte höhere Renditen als erstrangige unbesicherte Anleihen. (Um den relativen Wert einer hybriden Unternehmensanleihe zu beurteilen, vergleicht man am besten die Rendite auf Kündigung (Yield to Call) mit der Rendite einer unbesicherten Anleihe, die etwa zur gleichen Zeit fällig wird und vom selben Unternehmen emittiert wurde.) Im Austausch für die höhere Auszahlung gehen Anleger jedoch höhere Risiken ein. Einerseits legen diese Wertschriften bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten in der Rückzahlungshierarchie weiter hinten. Darüber hinaus sind die Emittenten berechtigt, sie nach einem festgelegten Zeitraum zu kündigen, üblicherweise nach fünf Jahren. Erfolgt aber keine Kündigung, sind Anleger möglicherweise an geringere Zinsen gebunden als sie sonst für eine festverzinsliche Anlage mit langfristiger (oder gar unbefristeter!) Fälligkeit verlangen könnten. Die Credit Suisse empfiehlt, nur Anleihen von Unternehmen mit diversifizierten Kapitalflussprofilen und einer soliden Dividendenhistorie zu berücksichtigen.

Nachrangige Bankanleihen: Wetten auf Bankrisiken

Wie hybride Unternehmensanleihen bieten nachrangige Bankwertschriften höhere Renditen im Austausch gegen höhere Verlustrisiken bei Zahlungsunfähigkeit. Die Analysten weisen darauf hin, dass die Risiken für Bankenrettungen, die Anleger mit nachrangigen Wertschriften hohen Verlusten aussetzen würden, in den letzten Jahren dank erheblichem Fremdkapitalabbau und höheren Kapitalanforderungen zurückgegangen sind. «Aus unserer Sicht überwiegen bei Banken mit solidem Kreditprofil die Vorteile einer in der Kapitalstruktur nachrangigen Anleihe die höheren Risiken», schrieben die PB&WM-Analysten kürzlich in einem Kommentar. In Europa und auch in den USA bevorzugen die Analysten des PB&WM Tier-2-Anleihen mit fester Fälligkeit, die in der Rückzahlungshierarchie einen höheren Rang einnehmen als andere, von Banken emittierte nachrangige Anleihen. Die Analysten sehen ausserdem Chancen bei Vorzugsaktien von US-Banken.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in The Financialist.