Was NGOs und Unternehmen voneinander lernen können
News & Stories

Was NGOs und Unternehmen voneinander lernen können

Room to Read – eine NGO, die sich das Ziel gesetzt hat, den Analphabetismus zu beseitigen – wurde von der ehemaligen Microsoft-Führungskraft John Wood gegründet. Die Credit Suisse arbeitet seit mehr als zehn Jahren mit Room to Read zusammen, da die Organisation den gleichen Unternehmergeist und den Wunsch, etwas zu bewegen, verkörpert.

John Wood war Microsofts Director of Business Development für den Grossraum China, als er eine Rucksacktour nach Nepal unternahm. Er ahnte nicht, dass diese Reise sowohl sein Leben als auch das vieler anderer Menschen verändern würde.

Im Himalaya traf er einen nepalesischen Schulleiter, der ihn einlud, seine Schule in einem nahe gelegenen Dorf zu besuchen. Dort sah er die harte Realität, mit der sich nicht nur dieses Dorf, sondern Millionen von Kindern in Nepal konfrontiert sehen – ein baufälliges Klassenzimmer und ein dramatischer Mangel an Büchern.

Die Reise öffnete John Wood die Augen über die Härte der Lotterie des Lebens.

«Wo man geboren wird, wer die Eltern sind, das ist der wichtigste Entscheidungsfaktor im Leben und völliger Zufall», sagte John Wood vor einem vollbesetzten Saal von Mitarbeitenden der Credit Suisse in Zürich bei einer Mittagsveranstaltung. Die Abschiedsworte des Schulleiters änderten das Leben von John Wood für immer: «Vielleicht kommen Sie ja eines Tages zurück und bringen uns Bücher.»

John Wood nahm sich diese Worte zu Herzen und begann seine philanthropische Reise. Ende 1999 hatte er seine Position als Führungskraft bei Microsoft gekündigt und begann mit dem formalen Aufbau der Organisation Room to Read. Ziel war es, die Probleme von 786 Millionen Menschen weltweit, die keine Grundkenntnisse im Lesen und Schreiben haben – zwei Drittel davon sind Mädchen – direkt anzugehen. Anders ausgedrückt, er wollte den Kindern helfen, die die Verlierer der Lotterie des Lebens sind.

Soziales Unternehmertum

Auf der Veranstaltung der Credit Suisse sprach John Wood über die Gemeinsamkeiten zwischen einem sozialen Unternehmer und einem normalen Unternehmer und betonte, wie sein Unternehmergeist zusammen mit seinem geschäftlichen Hintergrund im Zentrum der Entwicklung von Room to Read zu einer der weltweit wachstumsstärksten und erfolgreichsten NGOs stehen. Er erläuterte, dass ein Unternehmer, unabhängig davon, ob er sozial oder eher «traditionell» ist, jemand ist, der ein Bedürfnis sieht, ein «Vakuum», und hartnäckig darauf hinarbeitet, dieses zu füllen.

Seit den bescheidenen Anfängen von Room to Read im Jahr 2000, als die Organisation begann, gespendete Bücher in ländliche Dorfgemeinschaften in Nepal zu bringen, hat John Wood über USD 450 Millionen aufgebracht und Room to Read zu einer der wachstumsstärksten NGO aller Zeiten gemacht. Room to Read ist heute eine global tätige Organisation, die sich der Förderung und Ermöglichung von Bildung widmet durch «Programme mit Fokus auf Alphabetisierung und Gleichstellung der Geschlechter im Bildungswesen. Dies wird erreicht durch die Einrichtung von Schulbibliotheken, den Bau von Schulen, die Veröffentlichung von Kinderbüchern in der jeweiligen Landessprache, die Ausbildung von Lehrern im Bereich Lese- und Schreibpädagogik und die Unterstützung von Mädchen dabei, die Sekundarschule abzuschliessen und die Fähigkeiten zu erwerben, die für den Erfolg in der Schule und im späteren Leben erforderlich sind.»

Viele NGOs denken, dass eine kleine Organisation gut ist, aber in einem kleinen Massstab kann man nicht viel bewirken

John Wood

Win-win-Situation

Laut John Wood müssen NGOs die Best Practices von Unternehmen übernehmen; dabei sind Grösse und Professionalität sowohl für Wohltätigkeitsorganisationen als auch für Unternehmen von zentraler Bedeutung.

«Viele NGOs denken, dass eine kleine Organisation gut ist, aber in einem kleinen Massstab kann man nicht viel bewirken», sagt er und fügt hinzu, dass bei Room to Read «meine Mitbegründer und ich einen unternehmerischen Ansatz anwenden wollten. Wir haben ein strategisches Dashboard. Das ist nicht sexy, jedoch notwendig. Wir behandeln Room to Read wie ein Unternehmen.»

Unternehmergeist ist seiner Meinung nach ebenfalls äusserst wichtig für den Erfolg einer Organisation – egal ob eine gemeinnützige oder For-Profit-Organisation. «NGOs brauchen die Eigenschaften eines Unternehmers, jemanden, der an einem Ziel festhält, wie ein Hund an einem Spielzeug», sagt er grinsend. «Soziale Unternehmer legen bei ihrer Arbeit besondere Leidenschaft an den Tag. Das ist etwas, das Unternehmen von uns NGOs lernen können», ergänzt er.

Langjährige Partner

Der Unternehmergeist, der für den Erfolg von Room to Read verantwortlich ist, findet sich auch in der unternehmerischen DNA der Credit Suisse – beste Voraussetzungen also für eine optimale Zusammenarbeit.

Letztes Jahr jährte sich diese Partnerschaft zum zehnten Mal. Bisher haben dank der Credit Suisse rund 120'000 Kinder von der Unterstützung durch Room to Read profitiert.

Mitarbeiterengagement, Mikrofinanz und Bildung sind die drei Säulen der Corporate-Citizenship-Strategie der Credit Suisse. Room to Read ist ein wichtiger Partner der Credit Suisse im Bereich Bildung. Die Credit Suisse unterstützt die Organisation auf dreifache Weise: finanzielle Unterstützung, Sachspenden und globales (Mitarbeiter-)Engagement (durch Freiwilligenarbeit von Mitarbeitenden). Neben Zuschüssen für Programme von Room to Read hat die Credit Suisse kostenlos Büroräume für ein kleines Fundraising-Team für Room to Read in Hongkong, Tokio und Sydney bereitgestellt, inzwischen insgesamt über neun Arbeitsplätze. Hierdurch kann Room to Read mehr der gespendeten Mittel direkt in Programme anstatt in interne Infrastruktur investieren. Durch das Global Citizens Program haben ausgewählte Mitarbeitende die Möglichkeit, mit Room to Read bei verschiedenen Einsätzen in den Ländern, in denen die NGO tätig ist, in einer Vielzahl von Bereichen, wie Verwaltungssysteme, Projektmanagement, Finanzprognosen und Social Impact Investing zusammenzuarbeiten. Zudem engagieren sich viele Mitarbeitende und Führungskräfte der Credit Suisse in den Städten, in denen sie leben, als Freiwillige bei Room to Read und machen durch lokale Veranstaltungen auf das Thema globale Bildung aufmerksam.

Die Highlights des Gesprächs mit John Wood auf der Veranstaltung der Credit Suisse können Sie hier ansehen.
Video nur in Englisch verfügbar.