Was bedeuten die neuen «Too-big-to-fail»-Regeln für Schweizer Banken?
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Was bedeuten die neuen «Too-big-to-fail»-Regeln für Schweizer Banken?

Die Schweizer Regierung hat die «Too-big-to-fail»(TBTF)-Regeln angepasst, einschliesslich eines neuen Leverage-Standards. Wie wirken sich diese Änderungen auf die Banken aus?

Ende Oktober kündigte die Regierung strengere Kapitalvorschriften für die beiden «global systemrelevanten Schweizer Banken» (G-SIBs) – Credit Suisse und UBS – an. Von ihnen wird erwartet, dass sie bis Ende 2019 eine Leverage Ratio von 5 Prozent (Tier 1, T1) erreichen.

Von diesen 5 Prozent müssen 3,5 Prozent Common Equity Tier 1 (CET1, hartes Kernkapital) und 1,5 Prozent zusätzliches High-Trigger-Kernkapital (Additional Tier 1, AT1) sein.

Die Kapitalanforderungen für die übrigen systemrelevanten Schweizer Banken, die als TBTF gelten – Zürcher Kantonalbank, PostFinance und Raiffeisen –, werden ebenfalls steigen.

Abgesehen von der grundlegenden Anforderung werden die meisten Einzelheiten für diese drei Banken erst in den nächsten zwei Jahren finalisiert werden.

Kapitalanforderungen für Schweizer G-SIBs

Kapitalanforderungen für Schweizer G-SIBs

Quelle: FINMA, Credit Suisse

Neue Leverage Ratio und risikobasierte Kapitalanforderungen

  • Leverage Ratio: Mindestens 5 Prozent für die beiden Schweizer G-SIBs – 3,5 Prozent können mit hartem Kernkapital (CET1) und 1,5 Prozent können mit AT1-Instrumenten mit hohem Trigger erfüllt werden. Unter dem alten Regime lag die Ratio bei 3,1Prozent, siehe Abbildung 1. Die grundlegende Anforderung für die anderen systemrelevanten Banken ist 4,5 Prozent plus eine progressive Komponente.
  • Risikobasiertes Kapital: Das gesamte Going-Concern-Kapital ist auf 14,3 Prozent festgelegt, wovon 10 Prozent mit CET1-Kapital und 4,3 Prozent mit AT1-Instrumenten mit hohem Trigger erfüllt werden müssen (im Vergleich zu 10 Prozent CET1 und 3 Prozent AT1 unter den alten Bestimmungen).

Darüber hinaus wurde für die beiden Schweizer G-SIBs eine Anforderung für das Gone-Concern-Kapital von 14,3 Prozent eingeführt, was zu einem gesamten risikobasierten Kapital oder der sogenannten «gesamten Verlustabsorptionsfähigkeit» (Total Loss-Absorbing Capacity, TLAC) von 28,6 Prozent von risikogewichteten Aktiven oder 10 Prozent in Bezug auf den Leverage Exposure führt, siehe Abbildung 1. Ein Rabatt von bis zu 2 Prozent (5,7 Prozent) des Leverage Exposure (risikogewichtete Aktiven) ist jedoch möglich, in Abhängigkeit von besserer Abwicklungsfähigkeit und Grösse.

Schweizer Leverage-Regeln: strenger als europäische Regeln, übereinstimmend mit US-Regeln

Der aktuelle, vom Basler Ausschuss festgelegte Leverage-Standard erfordert mindestens eine T1-Leverage Ratio von 3 Prozent. Da viele Banken bereits Niveaus von erheblich über 3 Prozentmelden, liegt das informelle europäische, vom Markt angewendete Ziel, unserer Ansicht nach, eher bei ca. 4 Prozent.

In den USA sind die erforderlichen Leverage Ratios höher als in Europa. US-Grossbanken müssen eine Leverage Ratio von 5 Prozent (Bank-Niveau) bis 6 Prozent (Niveau von Holdinggesellschaften) einhalten. Diese Zahlen scheinen mit den Schweizer Regeln vergleichbar.

US- und Schweizer Banken unterscheiden sich jedoch eindeutig in Bezug auf Bilanzstruktur, wobei die Verbriefung von Hypotheken und das Netting von Derivativen in den USA, anders als in der Schweiz, Standard-Merkmale darstellen.

US-G-SIBs müssen zwischen 16,5 Prozent (Bank of New York) bis zu maximal 22,5 Prozentvon risikogewichteten Aktiven (Citigroup) halten, während Morgan Stanley, Goldman Sachs und Bank of America 22 Prozentan TLAC-Kapital aufweisen müssen – das liegt um einiges unter den Schweizer Standards von 28,6 Prozent.

Wir sind der Meinung, dass die Schweizer TLAC-Regeln strenger als die Bestimmungen in anderen Rechtsordnungen sind. Die britische Bankenaufsicht beispielsweise schreibt eine TLAC-Leverage-Anforderung von 6,5 Prozentund eine TLAC-Gone-Concern-Kapitalanforderung von 18 Prozentvor. Damit bleibt die britische Aufsichtsbehörde erheblich unter den Schweizer Regeln von 10 bzw. 28,6 Prozent.

Kreditbedenken (Pendente Holdinggesellschaft-Emission und Regulatory Par Calls)

Infolge der neu angekündigten TBTF-Regeln ergeben sich unter Umständen zwei schwerwiegende Bedenken:

1. Das potenzielle Angebot von TLAC-konformen vorrangigen unbesicherten Schuldtiteln (aus der Holdinggesellschaft) könnte Druck auf bestehende vorrangige, unbesicherte Anleihen-Spreads ausüben; dies wird aber abgeschwächt durch den 4-jährigen Übergangszeitraum und breiten Marktzugang der beiden G-SIBs.

2. Die Änderung bei den Vorschriften könnte den Weg für Regulatory Par Calls von ausstehenden T1- und T2-Instrumenten, die nicht im Einklang mit den neuen Bestimmungen sind, bereiten. Angesichts des derzeit historisch niedrigen Zinsumfelds und dem Wunsch nach Einhaltung der neuen Vorschriften könnten die Banken versucht sein, die Regulatory Calls auszuführen. Laut dem Faktenblatt der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) vom 21. Oktober hat die Regierung jedoch auch umfassende «Grandfathering»-Bestimmungen für unter dem alten Regime ausgegebene Instrumente angekündigt. In dem Faktenblatt gibt die FINMA an, dass Wertschriften «bis zum Verfall oder zur Rückzahlung weiterhin angerechnet werden».