Willkommen in der Zukunft: in Roboter anlegen
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Willkommen in der Zukunft: in Roboter anlegen

Roboter werden zur Normalität. Immer günstiger und einfacher zu programmieren, sind sie aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Ganz gleich in welchem Bereich, Roboter sind bereits da. Ob Landwirtschaft, Tourismus, E-Commerce oder Medizin - sogar bei der Hausarbeit unterstützen sie uns. Angesichts der beschleunigten Weiterentwicklung der Robotertechnik scheint dies ein sehr verlockendes Feld für Anleger zu sein. Letzten Monat veröffentlichte das Team Global Equity Research der Credit Suisse einen Bericht zur Bewertung des Branchenpotenzials.

In der Landwirtschaft (z. B. Milchanlagen) oder in der Automobilbranche (z. B. Automontage) sind grosse Roboteranlagen  gang und gäbe. Doch mit zunehmender Verkleinerung und Präzision ihrer Komponenten dürfte sich alsbald auch die Grösse der Roboter selbst verringern. Einige von ihnen wie Smartphones oder Sensoren in Autos sind bereits zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden; andere wie Roboter mit taktiler Sensorik sind noch in der Entwicklung. An welchen Projekten darüber hinaus in den Labors gearbeitet wird, lässt sich nur erahnen.

Einstellungswandel

Dank des technologischen Fortschritts werden Roboter für Tätigkeiten eingesetzt, die bislang von Menschen ausgeführt wurden. Heutzutage verschieben Roboter nicht nur schwere Paletten, sondern sortieren Tomaten, scannen Kreditkarten und servieren Latte macchiato. Unbemannte Luftfahrzeuge (UAVs) oder auch Drohnen werden anstelle von Postboten für die Zustellung von Express-Lieferungen eingesetzt. Für Autofahrten könnte schon bald kein Führerschein mehr notwendig sein. Unternehmen wie Volvo, GM, Audi, Nissan und BMW arbeiten mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) an der Entwicklung vollständig autonomer Fahrzeuge und es wird damit gerechnet, dass sie innerhalb der nächsten fünf Jahre in Produktion gehen. Unterdessen plant Google für 2018 die Einführung eines halbautonomen Toyota Prius.

Nicht nur Roboter haben sich verändert. Auch unsere Betrachtungsweise ist eine andere. Einige Dinge, die vor einem Jahrzehnt unvorstellbar waren, sind heute selbstverständlich. Und dieser Trend wird sich mit Sicherheit fortsetzen. «Es handelt sich um einen sensiblen Bereich», sagt Peter Hensman, Global Strategist bei Newton. «Wie würden Patienten reagieren, wenn Sie einen Roboter als Krankenpfleger präsentiert bekämen? Vermutlich sehr skeptisch“, so Hensman. „DochMeinungen können sich ändern. Auch Spracherkennungssystemen gegenüber waren wir einst sehr skeptisch. Heute werden derartige Anwendungen von den meisten Menschen ohne gross darüber nachzudenken regelmässig verwendet. Bei neuen Technologiekonzepten ist vieles Einstellungssache. Und viel hängt auch davon ab, wie wohl man sich damit fühlt.» Die Statistiken belegen, dass sich unsere Einstellung bereits angepasst hat.  Das zeigt ein Beispiel aus der Medizin: Die Anzahl der chirurgischen Eingriffe, die zur Erhöhung der Präzision mithilfe von Robotern durchgeführt werden, ist zwischen dem ersten Quartal 2015 und dem ersten Quartal 2016 um 16 Prozent gestiegen.

Globale Aussichten für Robotermarkt

Globale Aussichten für Robotermarkt

Quelle: Credit Suisse

Warum Roboter?

Roboter eignen sich nicht nur für Tätigkeiten, bei denen Kraft oder Präzision gefragt sind. Angesichts schrumpfender Ackerflächen, einer wachsenden Weltbevölkerung und der damit einhergehenden Notwendigkeit, die Nahrungsmittelversorgung zu erhöhen, stellt die Landwirtschaft einen weiteren Bereich dar, der von einem Einsatz von Robotern wie fahrerlosen Traktoren, Drohnen oder Schwarmrobotern für die Erntesaison profitieren dürfte. Sie könnten Kosten senken und sich auch für Indoor-Landwirtschaft eignen. Laut einem Bericht zu «Agricultural Robots» von Tractica wird sich die Anzahl der jährlich verkauften Roboter dieser Art von 33'000 im Jahr 2015 auf 992'000 im Jahr 2024 erhöhen.

Private Haushaltsroboter helfen uns beim Putzen und Waschen. Im Starwood Hotel in Palo Alto, Kalifornien, werden die Handtücher von Robotern gewechselt, und Staubsaugerroboter werden in Europa und den USA bereits für die breite Masse verkauft. Daneben gibt es beispielsweise den vom Massachusetts Institute of Technology entworfenen «Familienroboter» Jibo, der zwischen verschiedenen Familienmitgliedern unterscheiden kann und Kindern Geschichten vorliest.

Im öffentlichen Bewusstsein werden Roboter immer noch mit Geschöpfen wie R2-D2 assoziiert, dabei sollte nicht vergessen werden, dass es viele verschiedene Arten von Robotern gibt. Sieht man einmal von der Hardware ab, benötigt jeder Roboter ein Betriebssystem, das ihm die Durchführung von Tätigkeiten ermöglicht. «Fahrerlose Autos benötigen eine Kontrollsoftware», sagt beispielsweise Uwe Neumann, Equity Research Analyst bei der Credit Suisse. «Die Tatsache, dass ein Auto von Mercedes produziert wird, heisst nicht, dass Mercedes auch die Software dafür herstellt. Sie wird von Unternehmen hergestellt, die sich darauf spezialisiert haben.»

Goldmine für Investoren?

Obwohl es wohl noch etwas dauern wird, bis das gesamte Anlagepotenzial des Robotersektors erreicht ist, sieht seine weitere Entwicklung vielversprechend aus. «Wir beobachten einen positiven Trend in diesem Markt. Bislang geht die Entwicklung eher schrittweise vonstatten, sie wird jedoch schneller», so Neumann.

Tractica schätzt, dass sich die Art, wie wir über Roboter denken, in den nächsten fünf Jahren verändern wird. Der Umsatz mit Nicht-Industrierobotern dürfte innerhalb dieses Zeitraums um das Zehnfache steigen, und mit dem Aufkommen von KI, der Auswertung von Big Data und dem Internet der Dinge werden wir beginnen, Roboter nicht nur als Hardware, sondern auch als Software zu begreifen. Für Anleger ist dies ein wichtiger Hinweis.

Regierungen wollen investieren

Das Potenzial der Robotik wurde bereits von einigen Regierungen erkannt. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe schlug vor, sie in den Wachstumsplan des Landes einzubeziehen. Ziel des 2014 eingeführten Plans ist es unter anderem, bis 2020 den Einsatz von Robotern in der Landwirtschaft um das 20-Fache und im herstellenden Gewerbe um das Zweifache zu erhöhen. Da Japans Bevölkerung schrumpft, sollen Roboter dazu beitragen, die Produktivität zu steigern. Zwar befürchtet die Bevölkerung, dass dadurch Arbeitsplätze verloren gehen könnten, andererseits könnten Roboter die gefährlichen und unattraktiven Arbeiten übernehmen, die Menschen nicht ausüben sollten oder nicht ausüben wollen.

Wo investieren?

«Auf der ganzen Welt entstehen neue Wettbewerber und Märkte, die eine wichtige Rolle bei der laufenden Entwicklung der Robotertechnikbranche einnehmen werden», so Aditya Kaul, Research Director bei Tractica. «Technologien wie KI, Machine Vision, Stimm- und Spracherkennung, taktile Sensoren und Gestensteuerung werden dafür sorgen, dass in Zukunft deutlich mehr Anwendungsmöglichkeiten für Robotertechnik entstehen, insbesondere mit Blick auf die technologische Eigenständigkeit.»

Mit der technologischen Weiterentwicklung eröffnet die Robotertechnik ein neues Anlageuniversum mit zahlreichen Möglichkeiten. Man kann sowohl in Hardware als auch in Software investieren, beides sich stark entwickelnde Bereiche. «Angesichts der Vielzahl an potenziellen Möglichkeiten macht es am meisten Sinn, sein Geld in verschiedenen Anwendungsbereichen der Roboterbranche anzulegen“, so Neumann weiter. Sowohl grosse Marktakteure als auch Start-ups, die mit hohen Renditen locken, wie auch eine Gruppe von zukunftsorientierten Anlegern in Robotertechnik nehmen zu.

Die Zukunft ist jetzt. Es scheint, dass Roboter uns auf lange Zeit begleiten werden und dabei immer fortschrittlicher werden. Die Roboterentwicklung enthält definitiv einige Denkanstösse für jeden Anleger.