Wagniskapital: Frauen holen auf
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Wagniskapital: Frauen holen auf

Ob es einem Start-up gelingt, an Wagniskapital zu kommen, entscheidet über Sein oder Nichtsein. Frauen können sich einen immer grösseren Teil des Kuchens abschneiden.

Kaum eine Regierung, die sich nicht die Förderung von Unternehmertum auf die Fahne geschrieben hätte. Kein Wunder, immerhin geht es dabei um die Frage, wie innovativ die eigene Volkswirtschaft ist und ob sie ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten oder verbessern kann. Wie lebendig die Gründerszene ist und wie der Zugang zu Wagniskapital (Venture Capital, VC) gefördert werden kann, ist denn auch Gegenstand zahlreicher Podiumsdiskussionen und Gesprächsrunden.

Doch wie steht es um die weibliche Start-up-Szene? Bekommen Firmengründerinnen einen fairen Anteil am Wagniskapitalkuchen? Denn Venture Capital entscheidet darüber, ob das Unternehmen die finanziellen Möglichkeit erhält, die Marktchancen zu nutzen und seinem Potenzial entsprechend zu wachsen.

Der jüngste Gender-3000-Report der Credit Suisse mit dem Titel «The Reward for Change» hat diesen Aspekt näher beleuchtet und zieht insgesamt eine positive Bilanz. Die Daten belegen zwar, dass die Männerdominanz in der Venture-Capital-Branche höher ist als in der Finanzbranche insgesamt. Aber: Die Frauen holen auf.

Immer mehr Unternehmerinnen drängen auf den Markt, um sich einen Teil vom Kuchen abzuschneiden. Die Zahl der von Frauen gegründeten Unternehmen hat in den letzten zehn Jahren um 15 Prozent pro Jahr zugenommen. Im Vergleich dazu ist die Zahl der Jungunternehmer um nur 3 Prozent p.a. gewachsen. Die Anzahl frauengeführter Start-ups, die Venture Capital erhalten haben, ist in zehn Jahren mit jährlich 10 Prozent ebenfalls deutlich stärker gewachsen. Bei den Männern betrug der Zuwachs nur zwei Prozent jährlich.

Venture Capital ist männlich

Doch die Venture-Capital-Szene ist männlich: Unter den 100 grössten VC-Firmen sind nur 7 Prozent der Partner weiblich und nur 38 Prozent haben mindestens eine Frau als Partnerin. 

Female diversity among investment partners in the top 100 US VC firms

Female diversity among investment partners in the top 100 US VC firms

Quelle: CrunchBase

Allerdings kann von einer künftig stärkeren Beteiligung der Frauen ausgegangen werden, da zunehmend VC-Firmen von Frauen mitgegründet werden. Diese ziehen mehr weibliche Führungskräfte an, wie die Daten zeigen. So beträgt der Anteil an weiblichen Partnern in diesen Unternehmen 43 Prozent verglichen mit den branchenüblichen 7 Prozent. Letztlich braucht es mehr Frauen in Positionen, wo über Investitionen in Start-ups entschieden wird. Nur so werden Frauen sich einen fairen Anteil am gesamten Risikokapitalkuchen abschneiden können.

Frauen finanzieren Frauen

Seit längerem ist bekannt, dass VC-Unternehmen mit Frauen an der Spitze vier Mal so häufig in frauengeführte Start-ups investieren als solche, deren Führungsgremium ausschliesslich Männer umfasst. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Gemäss der Autoren der Credit-Suisse-Studie mag das Prinzip «gleich und gleich gesellt sich gern» spielen. Der Mensch umgibt sich tendenziell mit Bekanntem sowohl bezüglich Geschlecht wie auch Herkunft, Charaktermerkmalen, etc. So kommen auch die gleichen Netzwerke zum Tragen, ein wichtiger Faktor im Venture-Capital-Geschäft, wo vieles auch über informelle Kanäle läuft. Ausserdem scheinen sich VC-Partnerinnen weniger von der Art, wie die Geschäftsidee präsentiert wird, beeindrucken oder allenfalls abschrecken zu lassen als ihre männlichen Kollegen.

Besseres Verständnis der Marktchancen

Erhalten Firmengründerinnen ihr Kapital von Frauen, sind sie auch gleich erfolgreich wie ihre Kollegen. Nicht so jedoch, wenn sie das Geld von Männern erhalten: Dann kommen die von Frauen gegründeten Unternehmen im Durchschnitt weniger weit als die von Männern gegründeten: Nur 17 Prozent der „weiblichen“ Unternehmen können an die Börse gebracht oder verkauft werden, bei den Männern beträgt die Quote immerhin 27 Prozent.

Gender gap

Gender gap

Percentage of successful outcomes

Quelle: Sahil Raina, University of Michigan, Ross School of Business, 2016

Eine mögliche Erklärung dafür mag sein, dass Investorinnen die von Frauen aufgespürten Marktchancen besser verstehen und präziser bewerten können als ihre männlichen Kollegen, insbesondere dann, wenn das Geschäftsmodell eine weibliche Kundschaft im Visier hat.

Fazit: Der Trend zeigt eindeutig nach oben. Die Zahl von Firmengründerinnen wächst rascher als die von Gründern. Die Frauen erhalten einen immer grösseren Anteil an Wagniskapital von zunehmend von Frauen verwalteten Geldern.