Valentine Michaud: «Es reizte mich, ein goldenes Instrument zu spielen»
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Valentine Michaud: «Es reizte mich, ein goldenes Instrument zu spielen»

Der Prix Credit Suisse Jeunes Solistes 2017 geht an Valentine Michaud. Dieses Jahr möchte die sympathische Saxophonistin nicht nur ihr Studium an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK abschliessen, sondern mit Auftritten am Lucerne Festival und beim Swiss Chamber Music Festival Adelboden auch ihre Karriere als Berufsmusikerin lancieren. Dank ihrem technischen Können, vor allem aber dank ihrer Persönlichkeit und ihrem gewinnenden Wesen wird die Wahl-Lausannerin diese Chance packen.

Auf musikalische Vorbilder angesprochen, nennt Valentine Michaud spontan die Pianistin Martha Argerich und die Violinistin Anne-Sophie Mutter. «Das sind aussergewöhnliche Persönlichkeiten. Ich bewundere sie gleichermassen als Künstlerinnen, als Frauen und als Mütter», führt sie als Begründung aus und betont gleichzeitig, wie wichtig für sie ein intaktes persönliches Umfeld gewesen ist – und immer bleiben wird.

«Der Klang des Saxophons faszinierte mich vom ersten Moment an, und als Kind gefiel mir natürlich die Idee, auf einem goldenen Instrument zu spielen», blickt sie zurück. Seit dem siebten Altersjahr nimmt sie Saxophonunterricht, mit neun Jahren kam auch noch das Klavier hinzu. «Zudem spiele ich seit drei Jahren Cello, dies zwar nur als Privatvergnügen, aber es ist sehr lehrreich, mich nochmals in die Rolle einer Anfängerin versetzt zu sehen.»

Masterstudium bei Lars Mlekusch

Die Tochter eines kulturell interessierten Grafikerehepaars kam am 22. November 1993 in Paris zur Welt und wuchs in Nantes auf. Im September 2010 übersiedelte sie kurz vor ihrem 17. Geburtstag nach Lausanne, um an der Haute Ecole de Musique HEMU bei Pierre-Stéphane Meugé Saxophon und Pädagogik zu studieren. Seit Sommer 2015 rundet sie nun ihre Solistenausbildung bei Lars Mlekusch an der ZHdK ab. «Ich blieb aber in Lausanne wohnhaft, zumal ich dort selber schon Unterricht erteile.» Und wenn es nach ihr geht, soll dies auch künftig so bleiben: «J'aime beaucoup la Suisse!»

Ganz so einfach ist es allerdings nicht, sich als Saxophonistin den Lebensunterhalt zu verdienen. «Als Soloinstrument wird das Saxophon in der klassischen Musik leider nach wie vor verkannt», meint Valentine Michaud mit einem gewissen Bedauern. Für das Finale des Prix Credit Suisse Jeunes Solistes im Dezember in Luzern wählte sie ein Programm mit Werken von Stockhausen, Denisov, Borne, Tanada und Albright. Namen, die einem breiten Publikum nicht allzu geläufig sind. Und gerne geht sie noch einen Schritt weiter in Richtung Moderne: «Ich liebe es, Musik von zeitgenössischen Komponisten zu spielen und mich mit ihnen über Interpretationen auszutauschen», sagt die 23-Jährige, die allerdings einräumt auch Barockmusik von Marin Marais, François Couperin oder Johann Sebastian Bach zu schätzen, da diese sich bestens eigne, für das Saxophon transkribiert zu werden.

Valentine Michaud

Valentine Michaud

Luzern, 10.12.2016
Copyright: Priska Ketterer / CREDIT SUISSE / LUCERNE FESTIVAL

Glitch – ein interdisziplinäres Spektakel

Darüber hinaus liebt Valentine Michaud Improvisationen und interdisziplinäre Projekte. «Vielleicht gelingt es auf diese Weise, ein neues, junges Publikum an die klassische Musik heranzuführen», gibt sich die Saxophonistin optimistisch und spielt dabei nicht zuletzt auf das Projekt «Glitch» an, das letzten Sommer in Zürich zweimal aufgeführt wurde. Glitch basiert auf einem mythologischen Gedicht, das epische Themen wie den «Lebenszyklus» oder den «Platz des Menschen im Universum» aufgreift und von zwei Saxophonisten, zwei Tänzern, einem Spezialisten für elektronische Musik und einem Maler spektakulär umgesetzt wird. «Das war für uns sechs Studenten ein schöner Erfolg», führt Valetine Michaud aus. «Nun hoffen wir, dass wir damit auf professioneller Basis auf Tournee gehen können.»

Das Jahr 2016 war für Valentine Michaud aber vor allem ein Jahr der Musikwettbewerbe, an denen sie die Basis für ihre musikalische Karriere legen konnte. Da man in der klassischen Musik weniger auf die Nationalität achtet als etwa im Sport, war es für die Französin kein Problem, beim Prix Credit Suisse Jeunes Solistes zur Förderung musikalischer Hochbegabungen in der Schweiz teilzunehmen. Das Preisgeld von 25'000 Franken bedeutet für ihre musikalische Karriere eine willkommene Starthilfe. «Noch wichtiger als der materielle Preis ist aber die unvergleichliche Chance, sich mit einem Auftritt am Lucerne Festival als künstlerische Persönlichkeit zu präsentieren», betont Jurypräsident Michael Eidenbenz, Präsident der Konferenz Musikhochschulen Schweiz. Und Michael Haefliger, als Intendant von Lucerne Festival ebenfalls Jurymitglied, doppelt nach: «Valentine Michaud hat mit einer beeindruckenden Interpretation ihres Programms überzeugt und erfüllt die besten Voraussetzungen für eine internationale Solistenkarriere. Ich freue mich auf ihr Debut-Konzert am 17. August im Rahmen unseres Sommer-Festivals.»

Als Solistin gewann Valentine Michaud im vergangenen Jahr auch noch den Instrumentalmusik-Wettbewerb des Migros-Kulturprozents sowie einen internationalen Wettbewerb in Riga. Da es für Saxophonsolisten jedoch nur wenige Auftrittsmöglichkeiten gibt, waren die Erfolge an Kammermusikwettbewerben ebenso wichtig. Mit der litauischen Pianistin Akvile Sileikaite war sie als Akmi Duo unter anderem an der Orpheus – Swiss Chamber Music Competition erfolgreich, was ihr ebenfalls einen Auftritt ermöglicht, im September beim Swiss Chamber Music Festival Adelboden.

Saxophonfestival in Zürich

Wer nicht solange warten möchte und sich vor allem ein Bild über die musikalische Vielseitigkeit der sympathischen Saxophonistin machen möchte, kann dies bereits am 10. Februar in der Zürcher Tonhalle tun, wo sie mit ihrem Saxophonquartett das «Saxophone Quartet» von Philip Glass spielt, oder vom 3. bis 5. März am Zurich International Saxfest 2017, an dem Valentine Michaud gleich in verschiedenen Konzerten auftritt.