Urs Rohner zur digitalen Zukunft der Bank

Für den Verwaltungsratspräsidenten der Credit Suisse führt an der digitalen Bank kein Weg vorbei: «Digitalisierung weitet den Umfang, die Geschwindigkeit und die Gesamtpalette unserer Produkte und Dienstleistungen aus.»

Urs Schwarz: Sie haben die Entwicklung des Digital Private Banking (DPB) angeregt. Welche strategische Bedeutung hat das DPB für die Credit Suisse?

Urs Rohner: Innovative Technologien haben die Geschäftsmodelle in der Finanzindustrie innerhalb weniger Jahre nachhaltig verändert. Bereits seit 2011 beschäftige ich mich mit Digitalisierung und habe das Thema mit dem Verwaltungsrat auf strategischer Ebene eingebracht. Damals schon waren einige unserer Konkurrenten auf diesem Gebiet zunehmend aktiv. Umso wichtiger war es, dass wir uns mit digitaler Innovation strategisch auseinandersetzten und die notwendigen Ressourcen aufbauten. 2013 entstand aus dem internen Think Tank «FutureLab», den ich kurz nach meiner Wahl in Auftrag gegeben hatte, das DPB als selbständige Abteilung von Private Banking & Wealth Management. Heute zählt es mehrere hundert Mitarbeitende weltweit und hat beeindruckende Initiativen entwickelt sowie unsere digitale Expertise konsolidiert. Die Kompetenz, die im DPB aufgebaut und entwickelt wurde, erweitert unsere strategischen Möglichkeiten und trägt massgeblich dazu bei, dass wir insbesondere in Wachstumsregionen unsere Marktpräsenz ausbauen können. Auch aus Branding-­Perspektive ist es wichtig, dass Innovation weiter eines unserer Markenzeichen bleibt.

Welche Auswirkungen hat das DPB auf das Geschäftsmodell der Bank?

Digitalisierung weitet den Umfang, die Geschwindigkeit und die Gesamtpalette unserer Produkte und Dienstleistungen aus. Mithilfe der Lösungen des DPB können wir unser Geschäft kosteneffektiver gestalten und unseren Kunden Möglichkeiten für mobiles und benutzerfreundliches Banking bereitstellen wie nie zuvor. So können wir etwa komplexe Datenmengen verarbeiten, um Investitionsentscheide zu unterstützen. Gleichzeitig sind wir in der Lage, unseren Kunden direkten Zugang zu umfassender Portfolioanalyse und Risikotests, personalisierten Investitionsvorschlägen, intelligenter Trendauswertung oder privaten Investment Clubs anzubieten. Natürlich sind technologiegebundene Lösungen mit Aufwendungen verbunden, welche kurzfristig Einfluss auf die Kostenstruktur haben. Mittel- bis langfristig sehen wir jedoch Kostenvorteile. Digitalisierung kann zum Beispiel die Erfüllung mancher regulatorischer Auflagen effizienter machen. Im Grunde ist das DPB sowohl Voraussetzung als auch Mittel dazu, langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Immer mehr branchenfremde Akteure drängen in den Finanzsektor. Welche Qualitäten sind gefragt, um in diesem neuen Wettbewerb erfolgreich zu bestehen?

Stabilität, Sicherheit und Beratungskompetenz bleiben die Bausteine einer langfristigen Bank-Kunden-Beziehung. Für Jungunternehmen stellen sie eine Herausforderung dar. Unsere Kunden haben jedoch auch neue Erwartungen, insbesondere im Hinblick auf Flexibilität, Innovation und Verfügbarkeit von Dienstleistungen – diese wiederum gehören zu den Stärken junger Unternehmen. FinTech­-Startups wollen jedoch nicht zwingend zu direkten Konkurrenten etablierter Institute werden, sondern erschaffen häufig ganz neue Segmente, die wenig strategische Relevanz für die etablierten Banken haben: Ich denke etwa an Kleinstkredite oder bargeldlose Zahlungsinstrumente. Gleichzeitig gibt es Technologieunternehmen wie Google und Facebook, die mittlerweile über eine Banklizenz verfügen. Obwohl sie derzeit vor allem auf Zahlungsverkehr zielen, darf man sie langfristig nicht unterschätzen.

Wie wird sich die Finanzbranche durch zunehmende Digitalisierung weiter verändern?

Ich gehe davon aus, dass der globale FinTech­-Markt künftig klarer ausgestaltet sein wird. Zwar wurden 2014 weltweit über drei Milliarden US­-Dollar in FinTech-­Innovation investiert, nur wenige der heute erkennbaren Trends werden jedoch konkretere Formen annehmen. Transparenz und Kundenorientierung, die durch die Digitalisierung enorm wichtig wurden, werden fortdauern. Darüber hinaus dürfte uns die Finanzindustrie mithilfe ihrer neu erworbenen Innovationskompetenz mit vielen kreativen Lösungen überraschen. Die Erfolgsgeschichten werden nicht an der Peripherie der Industrie geschrieben, sondern von etablierten Instituten, die einen intensiven Austausch mit Innovatoren sowie mit etablierten Technologieunternehmen betreiben werden.

Wie nutzen Sie die Möglichkeiten des digitalen Banking?

Online-­Zahlungen oder Trading sind für mich selbstverständlich geworden. Darüber hinaus verfolge ich täglich Marktentwicklungen, meistens von unterwegs auf meinem iPad. Als Kunde der Credit Suisse stehen mir sehr gute digitale Lösungen zur Verfügung – sei es beim Portfolio Management oder bei Anlageentscheidungen. Auch bin ich regelmässig dabei, wenn neue Funktionalitäten des DPB getestet werden, was immer besonders spannend ist und Lust auf mehr weckt.