Unsicherheit hemmt Investitionstätigkeit von KMU

KMU beurteilen den Standort Schweiz weiterhin als attraktiv. In Bezug auf die regulatorischen Rahmenbedingungen und das wirtschaftliche Umfeld – auch bezüglich Frankenstärke – blicken sie jedoch pessimistisch in die Zukunft.

Über 99 Prozent der Schweizer Unternehmen sind KMU. Zusammen stellen sie knapp zwei Drittel aller Arbeitsplätze hierzulande. Im Rahmen der Studienreihe «Erfolgsfaktoren für Schweizer KMU» analysieren die Ökonomen der Credit Suisse jährlich basierend auf einer gross angelegten Umfrage den Standort Schweiz und die Rahmenbedingungen aus Sicht der KMU. Schwerpunktthema der diesjährigen Studie bildet die Investitionstätigkeit der Schweizer KMU.

Standort Schweiz für KMU weiterhin attraktiv – Frankenstärke und Regulierung belasten

Die befragten KMU beurteilen auch in diesem Jahr die Rahmenbedingungen hierzulande insgesamt als erfolgsfördernd. Einen besonders positiven Einfluss auf den Geschäftserfolg messen sie dabei den Rahmenbedingungen Infrastruktur und Mitarbeiter/Qualifikation bei. Die Gesamtbewertung des Standorts Schweiz hat sich gemäss den befragten KMU gegenüber dem Vorjahr jedoch leicht verschlechtert. Die Aufwertung des Frankens seit der Aufhebung der EUR/CHF-Wechselkursuntergrenze belastet: So schätzen die KMU den Einfluss des wirtschaftlichen Umfelds und der internationalen Verflechtung der Schweiz auf ihren Erfolg dieses Jahr überwiegend als negativ ein. Die regulatorischen Rahmenbedingungen werden von den KMU einmal mehr als erfolgshemmend beurteilt. Vor allem beim Wirtschaftsumfeld und der Regulierung rechnen viele Unternehmen künftig mit einer weiteren Verschlechterung. Angesichts dieser Einschätzungen sollte die regulatorische Entlastung der Unternehmen von der Politik verstärkt thematisiert werden, um die Erfolgschancen der Schweizer KMU auch in einem raueren Wirtschaftsumfeld sicherzustellen.

KMU investierten in den letzten Jahren 10 Prozent ihres Umsatzes – am meisten in Immobilien

90 Prozent der befragten KMU haben zwischen 2009 und 2014 Investitionen getätigt, wobei sie im Durchschnitt 10 Prozent ihres Umsatzes aufwendeten. Am höchsten lag der Anteil der Investitionen am Umsatz bei den Dienstleistern (16 Prozent) und in der Spitzenindustrie (10 Prozent), am tiefsten im Handel (5 Prozent). Mit einem Anteil von 47 Prozent an den gesamten Investitionen stellten Immobilien den wichtigsten Investitionsbereich dar, gefolgt von Ausrüstungen (42 Prozent). Die Umfrage zeigt weiter, dass Immobilieninvestitionen in den letzten sechs Jahren in allen Branchen an Bedeutung gewonnen haben. Überdurchschnittlich stark in Immobilien investierten insbesondere Unternehmen aus der Tourismus- und Unterhaltungsbranche sowie aus dem Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen, während die Spitzenindustrie einen überdurchschnittlichen Anteil für Forschung und Entwicklung aufwendete. Nur gerade 6 Prozent aller befragten KMU investierten zwischen 2009 und 2014 im Ausland.

Auslandinvestitionen und Diversifikation mildern Frankenschock etwas

Die Umfrage zeigt, dass die Frankenaufwertung im Januar dieses Jahres gemäss Einschätzung der KMU schwieriger zu verkraften sein dürfte als jene in den Jahren 2010 und 2011. 40 Prozent aller befragten KMU erwarten als Folge der diesjährigen Frankenaufwertung Umsatz- und Margeneinbussen, 30 Prozent einen Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit. Unter Druck stehen insbesondere KMU aus der Industrie und dem Handel. Obwohl 72 Prozent der befragten Unternehmen trotz der Frankenstärke an ihren Investitionsplänen festhalten, beabsichtigen 20 Prozent – in der Spitzenindustrie sogar 44 Prozent – eine Reduktion der Investitionstätigkeit. Gemäss Umfrage sind die KMU, welche ihre Investitionen aufgrund des erstarkten Frankens reduzieren, stärker exportorientiert als diejenigen, die ihre Investitionen unverändert lassen oder erhöhen. Zudem erwarten jene KMU, die Investitionskürzungen planen, häufiger einen negativen Effekt der Frankenaufwertung auf Umsatz, Marge und Wettbewerbsfähigkeit als die anderen Firmen. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen auch, dass Diversifikation in Form von strategischen Beteiligungen oder Kooperationen den negativen Effekt der Frankenaufwertung auf die Investitionstätigkeit der KMU etwas mildert. Zudem sind Margen und Wettbewerbsfähigkeit von Schweizer KMU, die zwischen 2009 und 2014 Auslandinvestitionen tätigten, weniger häufig von der aktuellen Frankenstärke betroffen als bei jenen, die nur im Inland investierten.

Tiefe Zinsen beflügeln vor allem die Baubranche

Bei der Investitionsfinanzierung setzen die Schweizer KMU gemäss Umfrage vorwiegend auf liquide Mittel und traditionelle Bankkredite. Für junge Unternehmen spielen auch Nichtbankdarlehen eine wichtige Rolle. Das bereits seit mehreren Jahren anhaltende Tiefzinsumfeld beflügelte die Investitionen der KMU insgesamt nur mässig: Knapp ein Drittel der befragten KMU gibt an, dass sich die tiefen Zinsen zwischen 2009 und 2014 positiv auf ihre Investitionsvolumina auswirkten; bei über 60 Prozent hatten sie keinen Einfluss. Dies dürfte unter anderem daran liegen, dass Unsicherheiten über die künftige Wirtschaftsentwicklung bei Investitionsentscheiden oft eine grössere Rolle spielen als die Finanzierungsbedingungen. Eine Ausnahme bildet hier das Baugewerbe: Die tiefen Zinsen führten in dieser Branche nicht nur zu niedrigeren Finanzierungskosten für die KMU, sondern auch zu einem Anstieg der Nachfrage nach Immobilien und somit nach Bauleistungen aufgrund von günstigen Hypotheken.

Regulierung, Unsicherheit und Fachkräftemangel als grösste Investitionshindernisse

Für 73 Prozent der befragten KMU stellte der Ersatz veralteter Infrastruktur im Zeitraum zwischen 2009 und 2014 einen wichtigen Investitionsgrund dar – kein anderes Motiv wurde häufiger als bedeutend bezeichnet. 65 Prozent der KMU nannten die Effizienzsteigerung als wichtigen Investitionsgrund, während diese bei den befragten Firmen aus der Industrie sogar den höchsten Stellenwert einnahm. Gemäss der Umfrage dürften für die Schweizer KMU 2015 und 2016 Massnahmen zur Effizienzsteigerung sowie zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit als Investitionsgründe an Bedeutung gewinnen. Im Einklang mit den Ergebnissen zu den Erfolgsfaktoren stellt die Regulierung ein wichtiges Investitionshindernis für die befragten KMU dar: Rund ein Drittel gibt an, dass Gesetze und Vorschriften in den Jahren 2009–2014 wichtige Investitionsprojekte stark behindert haben. Für über ein Viertel der befragten KMU waren die wirtschaftliche und politische Unsicherheit sowie der Fachkräftemangel grosse Investitionshemmnisse. Insgesamt konnten 58 Prozent der KMU wesentliche Investitionsprojekte zwischen 2009 und 2014 nicht wie gewünscht ausführen, weil sie entweder durch ungenügende Nachfrage, wirtschaftliche und politische Unsicherheit, Regulierung, Fachkräftemangel oder – wenn auch deutlich seltener – durch fehlende Finanzierung behindert wurden.

Erfolg dank Mitarbeitern, Innovation und Stabilität

Insgesamt äusserten sich in der Umfrage 23 Prozent der KMU sowohl mit ihrer Investitionstätigkeit als auch den in den Jahren 2009–2014 erzielten Umsätzen und Margen zufrieden. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass gerade diese KMU stärker in Mitarbeiterausbildung sowie Forschung und Entwicklung investierten als Unternehmen, die entweder mit ihrer Investitionstätigkeit, ihren Umsätzen oder ihren Margen unzufrieden waren. Ausserdem wurde ihre Investitionstätigkeit weniger häufig durch politische und wirtschaftliche Unsicherheiten behindert. Der Erfolg der Schweizer KMU fusst somit auf drei Grundpfeilern: qualifizierten Arbeitskräften, Innovation und Stabilität. Gemäss der Umfrage sind sich die Unternehmen der entscheidenden Bedeutung des Humankapitals durchaus bewusst. Vier Fünftel der befragten KMU investierten in den vergangenen sechs Jahren in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter. Während die Unternehmen die beiden Faktoren Mitarbeiter und Innovation selbst beeinflussen können, ist gemäss Einschätzung der Ökonomen der Credit Suisse beim Thema Stabilität vor allem die Politik gefordert, mehr Planungssicherheit für die Schweizer KMU zu schaffen.