Wahlen in Grossbritannien: Weitere politische Ungewissheit
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Wahlen in Grossbritannien: Weitere politische Ungewissheit

Die Pfund-Schwäche spiegelt das Scheitern der Konservativen Partei, ihr Brexit-Mandat zu stärken.

Bei den britischen Parlamentswahlen haben die Konservativen lediglich 316 Sitze gewonnen, nachdem sie vor der Wahl 330 Sitze aufwiesen. Die Labour Party konnte sich 265 Sitze (231 Sitze vor der Wahl) sichern. So konnte die Konservative Partei keine Parlamentsmehrheit erringen und hat die Erwartungen verfehlt. Sie erhält somit für die Brexit-Verhandlungen ein schwächeres Mandat als angenommen.

Dämpfer für das Pfund

Die erste Marktreaktion auf die Wahl in Grossbritannien ist negativ, wobei das GBP rund 2 Prozent nachgegeben hat. Aus Anlegersicht wurde das potenzielle Extremereignisrisiko eines Labour-Wahlsiegs vermieden, nun könnten jedoch Fragen über die Führung durch Theresa May und die Agenda der britischen Regierung in den Brexit-Verhandlungen aufkommen. Der Hauptgewinner war die Labour Party, während die SNP in Schottland etwas an Fahrt verlor. Im Handel am Freitag dürfte die Risikobereitschaft durchaus getestet werden.

Einige Aspekte gilt es zu beachten. Die Marktrisiken konzentrieren sich nun auf Grossbritannien. Das Pfund erlitt einen Dämpfer, doch sollte es in die Nähe von 1.20 Fr. fallen, wäre die Bewertung wieder attraktiv. Britische Staatsanleihen werden sich in dieser Zeit der Unsicherheit gut halten (allerdings würden sie unter einer Corbyn-Regierung unter Abgabedruck geraten). Wir erwarten keine Aktienkursgewinne als Folge des schwächeren Pfunds, da die politischen Aussichten deutlich ungewisser sind mit Blick auf Steuern, Brexit und Investitionen. Immobilienwerte dürften ebenso schwankungsanfällig sein.

Risikoappetit könnte abnehmen

Generell hat das Wahlresultat gezeigt, dass die Briten der Politik von Corbyns Labour-Partei am äusseren linken Flügel zugeneigt sind. Die Tatsache, dass er relativ erfolgreich abschnitt, bietet Anlass zu Spekulationen. Das Pendel könnte zurückschwingen und Themen wie höhere Unternehmenssteuern, die grosse Macht der Konzerne und die ungleiche Verteilung von Reichtum dürften an Popularität gewinnen. Das Wahlergebnis ist somit eher negativ für Unternehmensgewinne.

Aus einer makroökonomischen Sicht bedeutet das Resultat, dass die Bank of England eine eher lockerere Geldpolitik verfolgen wird. Es besteht das Risiko, dass die politische Unsicherheit das Geschäftsklima und das Konsumentenvertrauen dämpft.