Trends und Medien
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Trends und Medien

Die digitale, mobile und soziale Interaktion prägt den Zeitgeist der Jugendlichen. Müsste man ein Symbol für diese Jugend wählen, wäre es wohl das Smartphone.

Die Jugend hat sich schon immer über in und out definiert – über Dabeisein und Nicht-Dabeisein. Und das Internet hat diese Dichotomie noch verstärkt: Like oder Daumen hoch, wenn’s gefällt. Kein Like oder Daumen runter, wenn’s nicht gefällt. Das Jugendbarometer untersucht diese Trends. In ist, was mit dem Smartphone zu tun hat. Dieses selbst belegt Platz 1 in Singapur und den USA und Platz 2 in der Schweiz. Auch WhatsApp, Facebook und YouTube werden oft genannt – alles Plattformen, die als Smartphone-Apps genutzt werden können oder müssen.

Der Videodienst YouTube hat – ausser in den USA – das Fernsehen verdrängt, analoge Likes vergeben die Jugendlichen nur vier Mal: «Ins Kino gehen» (Brasilien), «Ferien im Ausland» (Schweiz), «Freunde treffen» (Brasilien und Schweiz). Ein Blick zurück zeigt, wie schnelllebig diese Trends sind. 2010 sah die in-Rangliste in der Schweiz noch ganz anders aus: 1. SMS, 2. italienisches Essen, 3. E-Mail, 4. Ferien im Ausland, 5. sich selber sein.

Out sind heute Handy ohne Internet und das Festnetz – beides leuchtet ein. Out sind aber auch Drogen, Rauchen und leistungssteigernde Substanzen. Das dürfte die Eltern freuen. Oft sind aber auch, vor allem in Singapur und der Schweiz, verschiedene soziale Gemeinschaften wie Jugendorganisationen oder politische Parteien unbeliebt.

Der Bedeutungsverlust der klassischen Religion äussert sich direkt bei der Frage: «Welcher Glaubensgemeinschaft gehören Sie an?» Zwischen 22 Prozent und 34 Prozent der Jugendlichen in den vier untersuchten Ländern bezeichnen sich heute als Agnostiker/Atheisten/konfessionslos. Noch vor zwei Jahren waren es erst zwischen 5 Prozent und 13 Prozent.

Differenzierter, als man gemeinhin annehmen könnte, ist das Medienverhalten der Jugendlichen, hier am Beispiel der Schweiz. Die Gratiszeitungen sind immer noch für 62 Prozent der 16- bis 25-Jährigen das wichtigste Medium für den Newskonsum, 2010 wählten aber noch 75 Prozent diese Antwort. Die Konkurrenz durch Internet-Zeitungsseiten und News-Apps nimmt stark zu. Im Fall von «20 Minuten» und «Blick am Abend» dürfte es einfach ein Kanalwechsel sein: Statt der gedruckten Zeitung liest man den Titel nun digital. 

International Comparison: Most important source of information

Fernsehen verlor wenig überraschend über die letzten sechs Jahre an Popularität. Interessant ist, dass nun auch das Radio erstmals an Beliebtheit einbüsst: Jahrelang gab rund die Hälfte der Befragten in der Schweiz an, Radio zu hören, jetzt sind es noch 42 Prozent. Eine Erklärung könnte das Aufkommen von Streamingdiensten sein, durch die jeder seine eigene Musik zusammenstellen kann. In den anderen Ländern ist dieser Trend nicht zu beobachten, wobei das Radio dort nie dieselbe Bedeutung wie in der Schweiz erreichte. Facebook wird dafür immer mehr zu einem Newskanal; 2010 nutzten erst 35 Prozent der Jugendlichen die Plattform als solchen, heute sind es 47 Prozent.

Leicht zugängliche Medienprodukte wie Gratiszeitungen sind beliebt bei den Befragten. Das bedeutet aber nicht, dass sie kein Qualitätsbewusstsein haben. Gefragt, welchen Medien sie vertrauen, nennen sie zuerst SRF, «NZZ» und «Tages-Anzeiger». Rein digitale Kanäle stehen am Ende der Rangliste: YouTube, Facebook und Twitter. 

Jugendbarometer 2016: Trends und Medien

Quelle: YouTube (Credit Suisse Schweiz)