Gesamtrendite-Schätzung zeigt Überrenditen für Aktien
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Gesamtrendite-Schätzung zeigt Überrenditen für Aktien

Anleger mit einem Zeithorizont von fünf oder mehr Jahren sollten Aktien und alternative Anlagen gegenüber Anleihen oder Bargeld vorziehen, wie eine Studie der CS über den Zeitraum 2015–2020 zeigt.

Eine umfassende Analyse der Gesamtrendite-Schätzungen, Volatilitäten und Korrelationen von 75 Anlageklassen in den kommenden fünf Jahren finden Sie in den Kapitalmarkt-Annahmen (Capital Market Assumptions, CMA) der Credit Suisse. Die Analysten des Departements Investment Strategy der Credit Suisse haben drei Szenarien untersucht: ein Hauptszenario sowie ein schwaches und ein starkes Risikoszenario. Diese Zahlengruppen bilden die Grundlage jeder detaillierten, vor der Credit Suisse durchgeführten Portfolioprüfung. Die jüngste Aktualisierung der Kapitalmarkt-Annahmen der Bank wurde im Oktober 2015 veröffentlicht. «Unsere modernen Techniken zur Schätzung von Renditen, Volatilitäten und Korrelationen zeigen, dass die meisten Industrienationen sich ihrem Potenzial zwar annähern, die zyklische Erholung jedoch länger als üblich dauert. Die Inflation dürfte laut der Prognose in den meisten Industrienationen niedrig bleiben, da die Realzinsen in den kommenden fünf Jahren mehrheitlich bei null oder gar im negativen Bereich verharren», erläutert Nannette Hechler-Fayd'herbe, Leiterin Investment Strategy bei der Credit Suisse.

USA mit stärkstem Wachstumspotenzial

Die Prognosen der Kapitalmarkt-Annahmen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) reflektieren die Entwicklung der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter und die Beteiligungsquoten am Arbeitsmarkt sowie das Produktivkapital und die Produktivitätssteigerung. «Wir gehen davon aus, dass die bessere Integration von Frauen und älteren Arbeitnehmern in den Arbeitsmarkt die Erwerbsbeteiligung stützen wird. Dennoch begrenzt die alternde Bevölkerung das Expansionspotenzial des Beschäftigungswachstums», merkt Sara Carnazzi Weber von Fundamental Macro Research an. Daher ist das wirtschaftliche Wachstumspotenzial, hauptsächlich aufgrund der entsprechenden Bevölkerungsstruktur, in den USA am höchsten und in Japan am geringsten – die Eurozone rangiert hinter Grossbritannien und der Schweiz bei den Regionen mit geringerem Wachstumspotenzial. Die allgemeine Erholung der Weltwirtschaft wird angesichts der höheren Nachfrage wahrscheinlich eine Steigerung der Investitionstätigkeit nach sich ziehen, was wiederum dazu führen dürfte, dass das Produktivkapital das nach der Finanzkrise 2008 verzeichnete Niveau übersteigt. Der Ausblick für die potenzielle Produktivitätssteigerung fällt wegen der langsamen Akzeptanz und Verbreitungsgeschwindigkeit bestehender und neuer Technologien eher verhalten aus. Innovationsvorteile kommen üblicherweise erst mit zeitlicher Verzögerung voll zum Tragen. Die Verzögerung zwischen Investitionen in Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) und Produktivitätssteigerungen wird beispielsweise auf 5 bis 15 Jahre geschätzt. Bedingt durch die Finanzkrise hat sich das Anlageumfeld erheblich verschlechtert, was geringere Investitionssteigerungen sowie eine steigende Anzahl an Unternehmen mit schlechter Performance zur Folge hatte. Aus unserer Sicht behindert dies derzeit die Einführung neuer Technologien.

Wichtige makroökonomische Prognosen für den Zeitraum 2015–2020 

Reales BIP, 5 Y Durchschnitt Hauptszenario Stark Schwach Wachstumspotenzial BIP
Schweiz 1.7% 2.3% 1.0% 1.8%
Eurozone 1.3% 1.9% 0.5% 1.2%
USA 2.2% 2.8% 1.3% 2.1%
GB 1.8% 2.6% 0.8% 1.5%
Japan 0.9% 1.8% -0.1% 0.7%

Quelle: Credit Suisse

Niedrigzinsumfeld hat Bestand

Das prognostizierte BIP-Wachstum in den USA erlaubt der Federal Reserve voraussichtlich, ihre Zinsen zu Beginn des Fünfjahreszeitraums anzuheben, und die Bank of England dürfte kurz darauf nachfolgen. Die Credit Suisse geht davon aus, dass die Europäische Zentralbank und die Schweizerische Nationalbank frühestens Ende 2018 mit der Anhebung ihrer Zinsen beginnen werden. «Daher geht unser Hauptszenario von sehr geringen oder sogar negativen Barrenditen aus. Im Preissteigerungs- oder «starken» Szenario steigen die kurzfristigen Zinssätze früher als im Hauptszenario, da es von positiverer Wachstumsdynamik und einem früheren Anstieg der Inflation ausgeht. Das Preisverfalls- oder «schwache» Szenario basiert auf der Annahme, dass die Zentralbanken ihre Zinssätze während eines Grossteils des fünfjährigen Zeithorizonts niedrig halten», so Björn Eberhard, Leiter Global Macro Research.

Staatsanleihen und Bargeld sind weiterhin unattraktiv

Das anhaltend niedrige Zinsumfeld belastet die Kernrenditen von Staatsanleihen weiterhin; sie dürften im Verlauf der kommenden fünf Jahre niedrige oder gar negative Gesamtrenditen generieren. «Die beste Wertentwicklung wird für Non-Core-Anleihen wie geringer bewertete Titel (Unternehmensanleihen) und Wandelanleihen erwartet», sagt Sylvie Golay Markovich, Leiterin Fixed Income Analysis. Wie die Abbildung unten darüber hinaus zeigt, generieren Barrenditen keine attraktiven Gesamtrenditen. Welche Anlageklassen werden also voraussichtlich in den kommenden fünf Jahren positive Überschussrenditen bieten?

Prognostizierte Gesamtrenditen für verschiedene Vermögenswerte (5-Jahres-Durchschnitt)

Prognostizierte Gesamtrenditen für verschiedene Vermögenswerte (5-Jahres-Durchschnitt)

Quelle: Datastream, Credit Suisse

Aktienanlagen mit grösstem Renditepotenzial

Aktienrenditen entwickeln sich gegenüber Baranlagen und Anleihen positiv; ihre Überschussrenditen rangieren am oberen Ende historischer Beobachtungen. «Diese Sicht entspricht unseren Prognosen für das BIP-Wachstum sowie dem anhaltenden Null- bzw. Negativzinsumfeld und bewegt sich im oberen Bereich der historischen Fünfjahresrenditen», sagt Gerald Moser, Leiter Equity Analysis. «Die Aktienrenditen in Schwellenländern werden sich angesichts höherer Abschläge voraussichtlich nicht besser entwickeln als Aktienrenditen in Industrieländern», fügt er hinzu. Die europäischen Schwellenländeraktien weisen das höchste Potenzial für Outperformance auf. Die Schweiz und Japan dürften hinter den Aktienmärkten anderer Industrieländer zurückbleiben, während die Aktienmärkte in Australien und Kanada sowie in den Industrieländern Asiens (ohne Japan) für die kommenden fünf Jahre das grösste Wachstumspotenzial aufweisen. Bei US-Aktien wird für Master Limited Partnerships (MLP) Outperformance prognostiziert.

Einige alternative Anlagen (AI) ebenfalls mit herausragender Entwicklung

«Innerhalb der alternativen Anlagen dürften sich Private Equity, Hedge-Fonds und asiatische Immobilien besser entwickeln als Rohstoffe, Gold und globale Immobilien», meint Tobias Merath, Leiter Cross Asset & AI Analysis. «Alternative Anlagen bieten noch immer ein attraktives Risiko/Rendite-Verhältnis», fügt er hinzu. Hierbei ist wichtig, zu beachten, dass besonders Private Equity in den kommenden fünf Jahren zwar die höchsten Renditen generieren dürfte, Investitionen in diese Anlageklasse aber die Kapazitäten der meisten Anleger übersteigen. Der Mindestbetrag, der üblicherweise investiert werden muss, liegt bei über 250'000 US-Dollar. Die Prognose für Private-Equity-Renditen liegt bei über 10 Prozent über die kommenden fünf Jahre. Renditen von Hedge-Fonds werden in diesem Zeitraum niedriger, etwa im mittleren einstelligen Bereich, gesehen. Immobilien dürften sich angesichts des prognostizierten Wirtschaftswachstums und Niedrigzinsumfelds besser entwickeln als Kern-Staatsanleihen. Für Rohstoffe wird eine schlechtere Entwicklung als bei den meisten anderen alternativen Anlageformen angenommen, insbesondere aufgrund der anhaltend überschüssigen Lagerbestände. Die hohe Sensibilität von Gold gegenüber den Realzinsen und der Inflation dürfte dazu führen, dass es sich im Verlauf des analysierten Fünfjahreszeitraums schlechter entwickelt als die anderen Rohstoffe. 

Erwartete annualisierte Eigenkapitalrenditen, nach Region

Erwartete annualisierte Eigenkapitalrenditen, nach Region

Quelle: Credit Suisse

US-Dollar wird schwächer

«Bei den Währungen besteht generell weniger Kurssteigerungspotenzial für den US-Dollar, da der Euro und die beiden Rohstoffwährungen – der australische und der kanadische Dollar – in den kommenden fünf Jahren vermutlich leichte Kursgewinne gegenüber dem US-Dollar verzeichnen werden», sagt Luca Bindelli, Leiter Foreign Exchange Analysis. Der Schweizer Franken wird jedoch vermutlich im Zeitverlauf schwächer notieren, da er derzeit gegenüber dem US-Dollar stark überbewertet ist.