Tokyo 2020 und die Zukunft
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Tokyo 2020 und die Zukunft

Die Credit Suisse rechnet damit, dass sich der Bauboom in Japan nach den Olympischen Spielen in Tokio 2020 fortsetzen wird. Aber auch unter den Unternehmen, die jetzt grosse Hoffnungen hegen, wird es Gewinner und Verlierer geben.

Unternehmen mit Bezug zum Bausektor rüsten sich derzeit für einige arbeitsintensive Jahre, denn Tokio bereitet sich auf seine Gastgeberrolle bei den Olympischen Spielen 2020 vor. Die Credit Suisse geht davon aus, dass sich der Bauboom auch über das Jahr 2020 hinweg fortsetzen wird, da Infrastrukturprojekte und ein Anstieg der Immobilienpreise für eine Wiederbelebung der privatwirtschaftlichen Aktivitäten gesorgt haben. Zwar streichen Bauunternehmen und Zementhersteller bereits jetzt Rekordgewinne ein, doch das Gewinnwachstum wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich verlangsamen, Kapitalallokationsstrategien werden für die Bewertungen in Zukunft eine immer entscheidendere Rolle spielen. Wie bei den Olympischen Spielen wird es auch bei den Aktien von Unternehmen, die sich derzeit grosse Hoffnungen machen, Gewinner und Verlierer geben.

Infrastrukturprojekte in Japan auf dem Weg zu neuen Rekordhöhen

Analysten im Team von Global Markets der Credit Suisse prognostizieren einen Anstieg der jährlichen Bauinvestitionen von 50 Billionen Yen im Jahr 2015 auf 55 Billionen bis zum Jahr 2025. Den Erwartungen der Bank zufolge werden in den kommenden drei Jahren 270 Milliarden Yen für das olympische Dorf und andere Sportstätten ausgegeben. Der Bau des Nationalstadions für Olympia hat im Dezember 2016 begonnen.

Auch zahlreiche staatliche Infrastrukturprojekte werden zu höheren Investitionen führen. Derzeit finanziert die Regierung laufende Arbeiten zur Verstärkung erdbebengefährdeter Bauten und japanische Politiker haben Anfang des Jahres ein Zusatzbudget für weitere Wiederaufbauten in Erdbebengebieten genehmigt. Mit öffentlichen Geldern wird auch der Bau von zwei wichtigen Autobahnen, der Stadtautobahn von Tokio und der Tokio-Gaikan-Autobahn, finanziert. Nach den Prognosen des Ministeriums für Land, Infrastruktur, Verkehr und Tourismus werden die Ausgaben für die Instandhaltung der Infrastruktur von 3,6 Billionen Yen im Jahr 2013 bis zum Jahr 2033, wenn die Hälfte der Brücken, Tunnel, Hochwassersperren und Küstenschutzbauten mindestens 50 Jahre alt sein werden, auf 5,5 Billionen steigen.

Die Chuo-Shinkansen-Linie, eine Hochgeschwindigkeitsstrecke für den Magnetschwebebahnverkehr zwischen Nagoya und Osaka, die 2045 eröffnet werden soll, entsteht in Kooperation zwischen dem Staat und einer Reihe privater Eisenbahnunternehmen. Die Eröffnung des ersten Streckenabschnitts zwischen Tokio und Osaka ist nicht vor 2027 vorgesehen. Bis dahin will die Bahngesellschaft East Japan Railway das Gebiet um den Bahnhof Shingawa in Tokio neu gestalten und den Bau von sieben Türmen mit Büros, Gewerbeflächen und Wohnungen finanzieren.

Die Credit Suisse ist der Auffassung, dass die privaten Investitionen in den nächsten Jahren um zwei Prozent zunehmen werden – nur halb so schnell wie die öffentlichen Investitionen. Aber auch dies ist schon eine Verbesserung: Die privaten Baubeginne im Gewerbebereich sanken im Geschäftsjahr bis Ende März 2015 sowie im Geschäftsjahr 2016, der gleitende Durchschnitt deutet jedoch darauf hin, dass sie sich derzeit wieder positiv entwickeln. Die Preise für Neubauten steigen indessen seit dem Jahr 2011.

Was bedeutet all dies für die Anleger?

Nach einem Rückgang in den vergangenen drei Monaten sind die Aussichten für Bauaktien in den kommenden sechs Monaten wieder vielversprechender als die für Aktien von Zement- oder Stahlherstellern. Bauunternehmen streichen Rekordgewinne ein und können daher jetzt ihre Bilanzen weiter stärken. Obwohl die Bank von soliden Gewinnen in der Branche in den nächsten drei Jahren ausgeht, wird sich das Gewinnwachstum Mitte 2017 voraussichtlich verlangsamen. Dann werden wahrscheinlich Aktienrückkäufe die relative Aktienperformance bestimmen. Das Bauunternehmen Taisei kündigte an, im Maieinen Rückkauf von Aktien im Wert von bis zu JPY 20 Milliarden Yen tätigen zu wollen. Die Credit Suisse geht davon aus, dass die drei anderen grössten Bauunternehmen sich genötigt sehen werden, dem Beispiel zu folgen oder aber ihre Aktien leiden zu sehen.

Die Credit Suisse ist der Meinung, dass sich die Aufmerksamkeit der Anleger wieder den Zementherstellern zuwenden wird, wenn das Gewinnwachstum der Bauunternehmen allmählich an Dynamik verliert. Die Nachfrage nach Zement dürfte Anfang 2017 steigen, da die Bautätigkeit im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen einsetzen wird und die Autobahnprojekte vorangebracht werden. Höhere Umsätze haben in der Zementbranche in der Vergangenheit zu höheren Aktienkursen geführt – sowohl absolut als auch im Verhältnis zu den Bauunternehmen. Bei einem Unternehmen scheint es besonders wahrscheinlich, dass es Geld an Aktionäre zurückzahlen wird: Sumitomo Osaka Cement kaufte Anfang 2016 eigene Aktien im Wert von 4,5 Milliarden Yen zurück, und die Credit Suisse glaubt, dass es in Zukunft noch mehr werden könnten.

Am schwächsten sind die Anlageperspektiven für die Stahlindustrie. Stahlproduzenten, die mit Hochöfen arbeiten und die in Japan den Grossteil des Stahlumsatzes und der Marktkapitalisierung ausmachen, hängen stark von Exporten in andere asiatische Länder ab, die schwer unter der schwachen Nachfrage aus China leiden. Und selbst bei den in jüngster Zeit steigenden Stahlpreisen in Asien hat ein starker Yen verhindert, dass Stahlproduzenten mit Hochöfen den Wettbewerb auf regionaler Ebene aufnehmen konnten. Stahlproduzenten, die mit Lichtbogenöfen arbeiten, versorgen dagegen den Binnenmarkt und dürften im Laufe der kommenden zehn Jahre vom Anstieg der Investitionen im Bauwesen profitieren. Wie in der Bau- und der Stahlindustrie sieht die Credit Suisse Potenzial für höhere Aktionärsrenditen bei denjenigen Unternehmen, die am effizientesten Geld an Aktionäre zurückfliessen lassen. Seit 2015 haben bereits mehrere Stahlunternehmen höhere Dividendenausschüttungsquoten und Aktienrückkäufe angekündigt.