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Globaler Vermögensaufbau in diesem Jahrhundert ist breit abgestützt

Nach der Finanzkrise förderte der globale Vermögensaufbau zunächst die Ungleichheit. Diese Phase scheint vorüber zu sein.

Die frühen Jahre dieses Jahrhunderts verzeichneten den am breitesten abgestützten Vermögensaufbau in der jüngeren Geschichte. Bemerkenswert war in diesem Zeitraum die ausgedehnte geografische Ausbreitung, wobei die Schwellenländer – insbesondere China und Indien – nicht nur am Wachstum beteiligt waren, sondern dieses massgeblich antrieben. Noch wichtiger ist aber, dass der Vermögensaufbau sämtliche Gesellschaftsschichten umfasste.

Das goldene Zeitalter des Vermögensaufbaus

Diese Blütezeit kam mit der globalen Finanzkrise zum Stillstand. Zwar setzte sich der Vermögensaufbau kurz darauf weiter fort, jedoch in einem niedrigeren und ungleichmässigeren Tempo. Einer der Gründe dafür war eine weit verbreitete Abwertung gegenüber dem US-Dollar. Wenn man die Tageskurse durch geglättete Wechselkurse ersetzt und somit kurzfristige Währungsschwankungen eliminiert, gelangt man zu dem Ergebnis, dass das weltweite Vermögen mit Ausnahme von 2008 in jedem Jahr dieses Jahrhunderts zugenommen hat.

Wesentliche Veränderungen beim Vermögensaufbau

Allerdings veränderte sich die Entwicklung der Vermögensbildung nach der Finanzkrise erheblich. Die Quelle des Vermögenswachstums verlagerte sich stark auf die USA. Darüber hinaus erholten sich finanzielle Vermögenswerte – gestützt durch die niedrigen Zinsen, die zu einer Vermögenspreisinflation führten – zunächst schneller als nicht finanzielle Vermögenswerte.

Die Besitzer der grössten Vermögen profitierten am stärksten vom steigenden Finanzvermögen nach 2008, was zu einer zunehmenden Vermögensungleichheit auf der ganzen Welt führte. Überall ausser in China stieg das Median-Vermögen nicht weiter an. Es sank sogar vielerorts.

Vermögensanteil der wohlhabendsten 1 % erreichte 2015 den Höchststand

Wohlhabendere Personen besitzen einen unverhältnismässig hohen Anteil ihres Vermögens in finanzieller Form, insbesondere in Form von Unternehmenspapieren. Dadurch ist anzunehmen, dass die wohlhabendsten 1 % besonders anfällig für die Entwicklung der Aktienkurse sowie der relativen Bedeutung finanzieller Vermögenswerte im Allgemeinen sind.

Die nachstehende Infografik bestätigt diesen Zusammenhang. Sie zeigt, dass der Anteil der wohlhabendsten 1 % eine ähnliche Entwicklung aufweist wie der Anteil der finanziellen Vermögenswerte: Die Anteile gingen vor der Finanzkrise zurück und nach 2008 setzte eine Umkehr dieses Trends ein. Der Anteil der finanziellen Vermögenswerte erreichte 2015 seinen Höhepunkt und hat sich in den vergangenen drei Jahren wieder abgeschwächt – ebenso wie der Anteil der wohlhabendsten 1 % der Bevölkerung, der seit einem Höchststand im Jahr 2015 nach unten tendiert und nun wieder auf den Stand zurückgekehrt ist, der zu Beginn des 21. Jahrhunderts verzeichnet wurde.

Median-Vermögen als Hinweis auf ungleiche Verteilung

Im Ranking nach Median-Vermögen pro Erwachsenem schneiden Länder oder Regionen mit geringerer Vermögensungleichheit besser ab. Median-Vermögensangaben spiegeln die Verhältnisse eines durchschnittlichen Erwachsenen wider. Somit sind Trends des Median-Vermögens in Ländern oder Regionen ein gutes Indiz dafür, wie es dem durchschnittlichen Menschen im Laufe der Zeit ergangen ist.

Obwohl sich die Länder mit dem höchsten Median-Vermögen in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum befinden, führt Nordamerika das regionale Ranking mit grossem Abstand an. Das Median-Vermögen in Nordamerika ist derzeit mehr als dreimal so hoch wie in Europa und China sowie fünfzigmal so hoch wie in Indien.

Median in China überstieg kurzzeitig den in Europa

Bemerkenswert ist, dass das Median-Vermögen in China den Median Europas im Jahr 2016 kurzzeitig überschritt und auch heute weiterhin nah am europäischen Niveau liegt (USD 18’150). Dies ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass Europa eine relativ heterogene Region ist, in der sich mehrere Länder mit relativ niedrigem Vermögen befinden.

Vor der Finanzkrise ähnelten sich die regionalen Trends und das Median-Vermögen tendierte überall stark nach oben. Dann kam der Aufwärtstrend in allen Regionen zum Stillstand oder kehrte sich um – mit Ausnahme von China. Der Rückgang der Median-Vermögen war allerdings weniger stark ausgeprägt als ihre Zunahme und die Median-Niveaus erholten sich in einigen Regionen.

Den meisten Indikatoren zufolge ist die Vermögensungleichheit noch nicht deutlich gesunken, hat sich aber stabilisiert. Damit sehen die Zukunftsaussichten für ein alle Gesellschaftsschichten übergreifender Vermögensaufbau vielversprechender aus als in den letzten Jahren.

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