Gezeitenwechsel: Warum Blue Economy so wichtig ist
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Gezeitenwechsel: Warum Blue Economy so wichtig ist

Die Weltmeere gehen jeden etwas an. Jeden zweiten Atemzug verdanken wir den riesigen Wasserflächen – Ursprung des Lebens auf unserem Planeten und Lieferant von über 50% des weltweiten Sauerstoffs. Die Grundlage der Ernährung von drei Milliarden Menschen besteht aus Meereserzeugnissen. Gemessen am BIP bilden die Weltmeere die siebtgrösste Volkswirtschaft der Welt. Und doch befindet sich dieses lebenswichtige System, das grosse  wirtschaftliche Chancen birgt, in grosser Gefahr.

«In den letzten Jahren konnten wir beobachten, dass Impact Investing – also die wirkungsorientierte Anlage des Kundenvermögens mit gleichzeitiger Erzielung finanzieller Renditen – für unsere Kunden ein wesentliches Anliegen geworden ist. Der Meeresschutz liegt ihnen besonders am Herzen», erklärt Claudio de Sanctis, Leiter Private Banking Europe bei der Credit Suisse.

Gemeinsam mit der portugiesischen Oceano Azul Foundation rief die Credit Suisse jüngst ihren ersten «Impact Roundtable» ins Leben. Die Konferenz verfolgte die Ziele, eine Debatte über den Zustand der Ozeane anzuregen, eine Gemeinschaft von Anlegern zu gründen, die gemeinsam Einfluss ausüben möchten, und das Bewusstsein für Anlagemöglichkeiten in die Blue Economy, der neuesten Kategorie des Impact Investing, zu schärfen. «Die Möglichkeiten, in den Meeresschutz und die Blue Economy zu investieren, werden weiter zunehmen – gemeinsam mit der steigenden Nachfrage nach Investitionen in die Gesundheit der Weltmeere», erklärt Marisa Drew, CEO Impact Advisory and Finance bei der Credit Suisse. «Die Credit Suisse nimmt seit über 15 Jahren eine führende Position im Bereich Impact Investing ein. Mit der Veranstaltung einer Konferenz dieser Art, der Kapitalgeber und Projektinitiatoren zusammenbringt, helfen wir, die Anlagemöglichkeiten in Meeresthemen weiterzuentwickeln.»

Warum Blue Economy so wichtig ist. Highlights des ersten Impact Roundtable der Credit Suisse

Plastikkrise der Weltmeere: ein Problem, aus dem wir ein Geschäft machen können

Zwei der grössten ökologischen Herausforderungen bilden die Überfischung und die Plastikverschmutzung. «Unseren Schätzungen zufolge sind die Weltmeere mit sage und schreibe 150 Millionen Tonnen Kunststoff kontaminiert. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird diese Menge bis 2025 auf 250 Millionen Tonnen anwachsen. Das bedeutet, dass sich bis 2042 pro Kilogramm Fisch ein Kilogramm Kunststoff im Ozean befinden wird», so Prof. Martin Stuchtey, Gründer und Managing Partner von SYSTEMIQ, einer zweckorientierten Beratungs- und Wertpapierfirma. Der Überschuss an Kunststoff ist auch aus wirtschaftlicher Sicht äusserst unproduktiv: «Um die gleiche Menge an Fischen zu fangen, benötigen wir heute viermal so viel Aufwand, viermal so viele Schiffsflotten und viermal so viel Zeit.» Er legte den Anlegern nahe, die Ozeane als hochattraktives, schnell wachsendes und nachhaltiges Geschäft sowie als Marktchance zu betrachten.

Quelle: EarthSky Communications Inc., Portugal e o Mar, FAO, National Geographic, The Guardian, NZZ

Im Gespräch über mögliche Lösungen zur Überwindung der Plastikkrise machte Fabian Huwyler, Leiter Green Solutions, Impact Advisory and Finance bei der Credit Suisse, Folgendes deutlich: «Es braucht eine ganzheitliche Betrachtung, um die Ursachen zu verstehen und neue Lösungen zu erarbeiten. Hierbei handelt es sich nicht um ein einmaliges lokales Problem, sondern um ein systemisches.» Weiter sagte er: «Damit die Blue Economy sich weiter entwickelt, könnten wir den Einsatz wiederverwertbarer Materialien vorantreiben und ihre Nutzung ausweiten. Wir sollten auch Geschäftsmodelle der Kreislaufwirtschaft unterstützen und damit die Produktverpackungen reduzieren. Oder wir könnten technische Verfahren zur Verfolgung und Sortierung nutzen, um die Recycling-Quote zu erhöhen.»

Quelle: WWF, Portugal e o Mar

Innovative Geschäftsideen in Anlagemöglichkeiten umwandeln

Zahlreiche erfolgreiche Unternehmer mit innovativen Geschäftsmodellen, die auf eine nachhaltige Bewirtschaftung der Weltmeere aufbauen, bildeten den Mittelpunkt des Roundtable. Die Modemarke «Ecoalf» etwa verwertet alte Fischernetze, Plastikflaschen oder gebrauchte Reifen, die sich am Meeresgrund befanden, um aus ihnen Kleidung, Schuhe und Accessoires herzustellen. Die Stiftung «I am Water» arbeitet mit Küstengemeinschaften auf der ganzen Welt zusammen, um Kindern zu erklären, was unter der Meeresoberfläche passiert. Hanli Prinsloo ist Gründerin der Stiftung, Freitaucherin und Young Global Leader des WEF. Sie ist überzeugt: Kindern die Schönheit des Meeres nahezubringen, trägt wesentlich dazu bei, bei meeresnahen Gemeinschaften Leidenschaft und Verständnis für die Bedeutung eines gesunden Ozeans zu wecken.

Der Konsens der Teilnehmer war eindeutig: Lösungen zur Erhaltung der Weltmeere liegen zwar bereits vor. Diese sind jedoch angesichts des Ausmasses noch nicht umfassend genug. Die Blue Economy befindet sich noch in der Entwicklung und birgt  daher wachsende Chancen für Anleger, die etwas bewirken wollen.