Vertrauen: Auf die Politik ist Verlass
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Vertrauen: Auf die Politik ist Verlass

Regierung und Parlament geniessen einmaliges Vertrauen, Banken und Kirchen haben ihren Ruf verbessert. Gewerkschaften und Arbeitgeberorganisationen hingegen verlieren.

Keiner Institution in der Schweiz wird mehr vertraut als dem Bundesgericht in Lausanne. Das Bundesgericht führt zum siebten Mal in den letzten zehn Jahren die Vertrauensrangliste an. 68 Prozent (+6 Prozentpunkte [pp] seit 2014) der Schweizerinnen und Schweizer sprechen dem obersten Gericht in Lausanne ihr Vertrauen aus. Der letztjährige Spitzenreiter, die Schweizerische Nationalbank, wurde zurückgestuft, möglicherweise wegen der Aufhebung des Frankenmindestkurses, und rutschte mit 52 Prozent (-12pp) auf Rang 8 ab. Die Polizei, welche 2012 letztmals die Rangliste anführte, belegt mit 57 Prozent (-3pp) wie im Vorjahr den dritten Platz. Auf sie ist – wie auch auf das Bundesgericht – Verlass, finden die Befragten.

Vertrauen in Akteure 2015

Die grosse Siegerin ist die Landesregierung, die seit dem Tiefpunkt von 2003 (37 Prozent) die Vertrauensbasis im Volk kontinuierlich steigern konnte. Mit 63 Prozent (+6pp) belegt der Bundesrat damit erstmals überhaupt den zweiten Platz. Von einem derart hohen Vertrauen können andere Regierungen nur träumen (in ähnlichen Umfragen in Deutschland und Österreich vertrauen weniger als 50 Prozent der jeweiligen Regierung). Auch das eidgenössische Parlament konnte das Vertrauen der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger auf hohem Niveau halten, der Nationalrat mit 57 Prozent (+1pp) auf Rang 3 und der Ständerat mit unverändert 55 Prozent auf Platz 7. Die politischen Parteien verzeichneten einen Vertrauenszuwachs auf 46 Prozent (+4pp) und kommen damit der Verwaltung (49 Prozent, -1pp) recht nahe.

Banken: grösster Vertrauensgewinn

Den grössten Vertrauensgewinn von +11pp (innert Jahresfrist) verzeichneten die Banken mit nunmehr 57 Prozent, was zusammen mit der Polizei und dem Nationalrat den dritten Platz bedeutet. Im Gegensatz zur Dotcom-Krise, die 2001 zum Tiefstwert von 33 Prozent geführt hatte, überstanden die Banken die Finanzkrise in den Augen der Schweizer Bevölkerung ausgesprochen gut. Die Kirchen gewannen in diesen Jahren der Verunsicherung an Zuspruch und vermochten das Vertrauen der Bevölkerung seit 2008 (36 Prozent) kontinuierlich zu steigern, in diesem Jahr sogar um 10pp auf 56 Prozent. Auch der Armee vertraut mit 51 Prozent (+1pp) noch eine Bevölkerungsmehrheit.

Die erstmals zur Auswahl stehenden Nichtregierungsorganisationen vemochten diese Grenze nicht zu übertreffen (47 Prozent). Dies gilt auch für die EU mit einer angesichts der Griechenland- und Flüchtlingskrise eher überraschenden Steigerung um 5pp auf den bisher höchsten Wert von 42 Prozent (das langjährige Mittel liegt bei 29 Prozent). 

Den Vergleich innerhalb der Medien gewinnt das Radio mit 52 Prozent (-2pp), dies aber nur, weil das Fernsehen einen noch grösseren Vertrauensverlust bis hin zum bisherigen Tiefstwert von 50 Prozent (-9pp) erlebte. Die bezahlten Zeitungen gewannen nicht nur an Vertrauen (51 Prozent, +3pp), sondern konnten auch die Gratiszeitungen (46 Prozent, -3pp) überholen. Ebenfalls an Glaubwürdigkeit gewonnen hat das Internet (48 Prozent, +3pp).

Die massiven Rückschläge der Arbeitnehmerorganisationen in der Vertrauensrangliste um -9pp auf 47 Prozent und der Arbeitgeberorganisationen um sogar -15pp auf 38 Prozent sind gravierend und schwierig zu deuten. Eine Erklärung könnte der an die Wirtschaftsvertreter gerichtete Vorwurf sein, in schwierigen Zeiten das Gemeinwohl zu wenig zu verfolgen. Trotzdem vertreten wie schon im Vorjahr 65 Prozent der Befragten die Ansicht, die Wirtschaft versage in entscheidenden Dingen nie (14 Prozent) oder nur selten (51 Prozent). Zuvor hatte die Wirtschaft letztmals im Jahr 2000 eine vergleichbar gute Bewertung erhalten.

Schweiz steht für Neutralität

Bei den Stärken der Schweiz liegen politische Merkmale vorne, vor allem die Neutralität mit 48 Prozent (+15pp), die Bildung mit 32 Prozent (-6pp), der Frieden mit 30 Prozent (+2pp) sowie das Zusammenleben der Kulturen mit 29 Prozent (-2pp). Erst dann folgt als stärkster wirtschaftlicher Aspekt die Schweizer Qualität mit 28 Prozent (+4pp). Zwischen 2006 und 2011 hatte dieser Begriff stets den ersten oder zweiten Platz mit Spitzenwerten bis zu 50 Prozent belegt. Immerhin konnte der letztjährige Wert wieder leicht gesteigert werden, was auch für die meisten Branchen gilt: die Pharmaindustrie um +6pp auf 25 Prozent, der Finanzplatz um +9pp auf 22 Prozent, die Uhrenindustrie um +1pp auf 18 Prozent und die Landwirtschaft um +3pp auf 15 Prozent.

Einzig das Gesundheitswesen (24 Prozent, -2pp) und der Tourismus werden etwas schlechter eingestuft (17 Prozent, -2pp) als 2014. Wie ambivalent die Einstellung gegenüber der Wirtschaft momentan allerdings ist, unterstreicht die Tatsache, dass nur 16 Prozent (-1pp) der Befragten von einer generell starken Wirtschaft als einer der Hauptstärken des Landes sprechen.

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