Die sozioökonomischen Auswirkungen von Übergewicht

Ein Drittel der Menschen ist übergewichtig. Das kommt Wirtschaft und Gesellschaft teuer zu stehen. Soll der Staat eingreifen? Nein! Die Freiheit des Einzelnen ist höher zu gewichten.

Die Gesundheitsorganisationen schlagen Alarm: 2,1 Milliarden Menschen, rund 30 Prozent der Weltbevölkerung, sind heute übergewichtig. Was in der Vergangenheit vor allem eine traurige Errungenschaft der Industrieländer war, verbreitet sich nun in Entwicklungs- und Schwellenländern im Gleichschritt mit steigenden Einkommen und verbesserten Lebensverhältnissen. Setzt sich dieser Trend fort, wird im Jahr 2030 rund die Hälfte der Erwachsenenbevölkerung weltweit an Fettleibigkeit leiden.

Verschiedene Länder erwägen staatliche Massnahmen zur Reduzierung von Übergewicht

Die Kosten dieser Entwicklung sind für Wirtschaft und Gesellschaft hoch. Übergewicht und damit verbundene Gesundheitsprobleme wie Diabetes oder steigendes Herz- und Schlaganfallrisiko erhöhen Gesundheitskosten, beeinträchtigen die Arbeitsproduktivität und schaden letztlich der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Der Ruf nach staatlichen Eingriffen scheint daher nur folgerichtig. Wenn Appelle an die Vernunft der Bürger und Aufklärungskampagnen nicht helfen, die Imbissbude oder ungesunde Fertiggerichte links liegen zu lassen, dann greift man zur «Dickmacher-Steuer». Dänemark ging 2011 als erstes Land überhaupt diesen Weg und verteuerte Lebensmittel wie Butter, Fleisch, Pizza oder Schokolade gezielt, um seine Bürger zu gesünderem Essen zu erziehen. Diese Fett- und Zuckersteuer überlebte nur ein Jahr und zeitigte kaum Erfolg bei der Verhaltenssteuerung. Zudem kam es zu einem massiven Kaufkraftabfluss ins Ausland. Das hindert andere Länder nicht daran, diese Massnahme zu debattieren.

Eigenverantwortung übernehmen

Ist aber eine solche Regulierung individueller Lebensangelegenheiten im Dienste der Prävention überhaupt sinnvoll und zielführend? Welchen Wert haben individuelle Freiheit und Eigenverantwortung in einer Welt von Werbe- und Verkaufsverboten? Die umfassende Fürsorge, die heute gerne als Aufgabe der Wohlfahrtssysteme angesehen wird, ist gut gemeint, treibt aber die Gesellschaft in einen ungesunden Teufelskreis. Wenn der Staat seinen Bürgern vorschreibt, was sie essen und trinken sollen, dann werden diese Bürger nicht mehr als verantwortliche Individuen betrachtet, welche die Konsequenzen ihres Verhaltens tragen. Je weniger Eigenverantwortung verlangt wird, desto mehr teure Präventionsmassnahmen werden notwendig. Denn die Anreize, sich verantwortungsvoll zu verhalten, schwinden zusehends. War es aber doch nicht eine wesentliche Errungenschaft der Aufklärung, dass der Mensch den Ausgang aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit gefunden hatte – aus dem Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen?

Wer ungesund isst, bezahlt

Nun könnte man argumentieren, dass eine ungesunde Ernährung Kosten im Gesundheitssystem verursacht, die der Gesellschaft auferlegt werden. Dass anderen Schaden zugefügt wird, rechtfertige mit anderen Worten die Einschränkung der individuellen Freiheit. Aus ökonomischer Sicht bietet sich aber auch ein anderer Ansatz an, um diese sozialen Kosten zu vermeiden oder doch zumindest zu verringern: das Verursacherprinzip. Durch eine konsequente Beteiligung der Verursacher sozialer Kosten an der Finanzierung der Schadensbehebung schafft man eine stärkere Motivation, verantwortungsloses Verhalten zu vermeiden, und damit einen Anreiz zur Prävention, der stärker wirkt als jede Aufklärungskampagne. Darüber hinaus wird auch die Finanzierungsgrundlage für die Schadensbehebung ausgeweitet. Das System der Franchisen und die private Kostenbeteiligung in der Krankenversicherung bauen auf diesem Prinzip auf. Der Spielraum, um die sogenannte Moral-Hazard-Problematik wirklich zu reduzieren, wird dabei nicht ausgeschöpft, dafür müssten Verursacher noch stärker in die Tasche greifen. Oder vielleicht lassen sie sich auch gleich noch das Velofahren verbieten. Das ist nämlich statistisch belegt auch sehr gefährlich.