Sparverhalten in Schwellenländern
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Sparverhalten in Schwellenländern

Der Emerging Consumer Survey des Credit Suisse Research Institute untersucht erstmals das Sparverhalten in den acht Schwerpunktländern Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Russland, Südafrika und Türkei. Dabei sticht die Sparquote Chinas im Vergleich zu anderen Schwellenländern hervor, während sich in Indien eine deutliche Verlagerung weg von Gold und Immobilien vollzieht.

Die Schwellenländer weisen nach wie vor das höchste Tempo in Bezug auf den Vermögenszuwachs auf. Von 2000 bis 2017 erhöhte sich ihr Anteil am globalen Vermögen von 11 % auf 19 %, wobei China der wichtigste Treiber dieses Wachstums war. Die Prognose für den jährlichen Vermögensanstieg bis zum Jahr 2022 lautet 6,5 % in den Schwellenländen gegenüber 3,3 % in den Industrieländern. Allein China dürfte in den kommenden fünf Jahren insgesamt USD 10 Bio. zum globalen Vermögen beitragen.

Dieser rasche Aufbau von Vermögen beeinflusst natürlich nicht nur die Art und Weise, wie Vermögen gehalten werden, sondern hat zudem weitreichende Auswirkungen auf die Sparprodukte. Der für die Schwellenländer prognostizierte Vermögenszuwachs könnte umfassende Veränderungen für Finanzinstitute und -märkte zur Folge haben.

Prozentualer Anteil von Ersparnissen an Gesamtausgaben

Prozentualer Anteil von Ersparnissen an Gesamtausgaben

Quelle: Credit Suisse Emerging Consumer Survey 2018

China: Land der Sparer

Die Sparquote in China sticht im Vergleich zu den übrigen Schwellenländern hervor (32 % des Einkommens gegenüber dem Schwellenländerdurchschnitt von 14 %). Dies ist ein einheitlicher Trend über alle Altersgruppen hinweg, wobei die jüngste Gruppe (18–29 Jahre) bis zu 35 % ihres monatlichen Gesamteinkommens zurücklegt. Möglicherweise spiegelt dieser vorsichtige Ansatz die Sorgen der Verbraucher in Bezug auf das unzureichende soziale Auffangnetz.

Monatliche Ausgaben nach Kategorie in China

Monatliche Ausgaben nach Kategorie in China

Quelle: Credit Suisse Emerging Consumer Survey 2018

Sparmethoden

In den meisten Ländern sind Bankkonten die bevorzugte Art, Vermögen zurückzulegen. Die Methoden des Sparens sind unterschiedlich ausgereift: So wurden in China, Indien und Südafrika häufiger Produkte genutzt, die über einfache Bankeinlagen hinausgingen, wie z. B. Lebensversicherungen und Anlagefonds.

Ersparnisse nach Methode in China, Indien und Südafrika (proz. Anteil der Umfrageteilnehmer je Sparmethode)

Ersparnisse nach Methode in China, Indien und Südafrika (proz. Anteil der Umfrageteilnehmer je Sparmethode)

Quelle: Credit Suisse Emerging Consumer Survey 2018

Dennoch liegt der Anteil finanzieller Vermögenswerte am Gesamtvermögen in den Schwellenländern immer noch weit unter dem globalen Durchschnittsniveau. Dies ist insbesondere in Indien der Fall, wo lediglich 14 % des Vermögens in Finanzanlagen gehalten wird – verglichen mit dem globalen Durchschnitt von über 50 %.

Allerdings zeigt die Umfrage einen deutlichen Wandel im Sparverhalten der indischen Konsumenten. Der Anteil an Haushalten, die Gold und Immobilien als Spargrundlage wählen, ist auf 31 % gesunken, der niedrigste Wert seit der ersten Durchführung der Umfrage im Jahr 2010. Im Gegensatz dazu ist der Anteil an Haushalten, die in Aktien und Anlagefonds investieren, auf 19 % gestiegen und stellt damit den höchsten Wert seit Beginn der Umfrage dar. Die Ergebnisse unserer Umfrage könnten durchaus einen Wendepunkt im Verhalten der indischen Verbraucher signalisieren, der wiederum eine erhebliche Umschichtung von Vermögenswerten zur Folge haben könnte.

In Kombination mit dem prognostizierten umfassenden Vermögenszuwachs in Ländern wie China und Indien würde diese Neuzuweisung von Vermögen in Finanzanlagen einen beträchtlichen Zufluss von Neugeldern in diese Anlageklasse bedeuten.