Die «Hidden Champions» der Schweiz: klein, aber Weltklasse

Jedes zehnte Industrie-KMU und jedes zwanzigste Dienstleistungs-KMU geben an, ein globaler Marktführer zu sein. Der höchste Anteil davon findet sich in der Präzisionsinstrumentenindustrie. Im Dienstleistungssektor stechen Handel und IT hervor.

Angesichts der im internationalen Vergleich hohen Lohn- und Produktionskosten in der Schweiz ist es für hiesige Produzenten und Dienstleister generell schwierig, auf preislicher Ebene mit der ausländischen Konkurrenz mitzuhalten. Mit der Frankenaufwertung hat sich diese Problematik abermals verschärft. Einen Ausweg aus dem Preiswettbewerb bietet die Fokussierung auf Qualitätsprodukte. Unter «Qualität» kann dabei Verschiedenes verstanden werden: Innovation, Spezialisierung, Flexibilität, Präzision usw. Die sogenannten «Hidden Champions» sind erfolgreiche Verfolger dieser Qualitätsstrategie. Unter diesem Begriff versteht man Firmen, welche für bestimmte Produkte und Dienstleistungen Weltmarktführer sind, der breiten Öffentlichkeit aber im Gegensatz zu manchen Grossunternehmen wenig bekannt sind.

11 Prozent der industriellen KMU sind globale Marktführer

Hinweise darauf, wie viele Hidden Champions in der Schweiz existieren und in welchen Bereichen sie tätig sind, liefern die Ergebnisse unserer aktuellsten KMU-Umfrage. 11 Prozent der befragten industriellen KMU gaben an, globaler Marktführer für mindestens ein Kernprodukt zu sein (vgl. Abb. 1). Den mit Abstand höchsten Anteil an Hidden Champions verzeichnet dabei die Präzisionsinstrumentenindustrie. Hier geben rund 60 Prozent der Unternehmen an, in ihrem Bereich Weltmarktführer zu sein. Es folgen die Uhren-, die Maschinen- und die Elektroindustrie mit Anteilen zwischen 20 Prozent und 30 Prozent. Hidden Champions sind also in jenen Industriebranchen am stärksten vertreten, welche sich durch eine vergleichsweise hohe Technologie- und Forschungsintensität sowie eine starke Exportorientierung auszeichnen. In traditionellen, vorwiegend binnenorientierten Industriebranchen wie dem Druckgewerbe, der Holz- oder der Lebensmittelindustrie findet man hingegen unter den befragten KMU kaum globale Marktführer.

Grösser und stärker international orientiert

Die Hidden Champions aus der Industrie sind vor allem mittelgrosse Unternehmen: Mit rund 60 Mitarbeitenden und einem Umsatz von CHF 19 Mio. sind die globalen Marktführer im Durchschnitt fast doppelt so gross wie die übrigen befragten Industrie-KMU (32 Mitarbeitende, CHF 10 Mio. Umsatz). Wenig überraschend sind sie auch viel stärker international orientiert. Drei Fünftel von ihnen erwirtschaften mehr als 60 Prozent ihres Umsatzes im Export. Von den übrigen Industrie-KMU sind nur 14 Prozent so stark exportorientiert.

5 Prozent der Dienstleistungs-KMU sind Hidden Champions

Trotz insgesamt stärkerer Binnenorientierung findet sich auch unter den Dienstleistungs-KMU eine bemerkenswerte Anzahl Hidden Champions. 5 Prozent der befragten Dienstleister (inkl. Handel und Verkauf) geben an, globaler Marktführer für mindestens ein Kernprodukt zu sein. Von den stark exportorientierten Dienstleistungs-KMU mit einem Exportanteil am Umsatz von mindestens 50 Prozent bezeichnen sich sogar 19 Prozent als globale Marktführer. Das Attribut «Hidden Champion» ist jedoch nicht zwangsweise an die Exporttätigkeit gebunden: Auch 3 Prozent der nicht exportierenden Dienstleistungs-KMU sind globale Marktleader. Die Hidden Champions des Dienstleistungssektors sind tendenziell ebenfalls eher grössere KMU. Der durchschnittliche Umsatz der Hidden Champions ist mit rund CHF 13 Mio. etwas höher als der Durchschnitt über alle befragten Dienstleistungs-KMU (rund CHF 11 Mio.).

Hidden Champions im Handel und in der IT am stärksten vertreten

Ähnlich wie bei den Industrie-KMU gibt es auch unter den befragten Dienstleistern Branchenunterschiede (vgl. Abb. 2). Am stärksten vertreten sind Hidden Champions im Handel und Verkauf (Anteil 8 Prozent) sowie im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (IT, 6 Prozent). Bei den international führenden Händlern und Verkäufern fällt auf, dass überdurchschnittlich viele im Ausland produzieren. Dies legt die Vermutung nahe, dass einige dieser Hidden Champions nicht reine Dienstleister sind, sondern Produzenten, welche die Distribution ihrer Produkte in Eigenregie durchführen und deshalb eine marktführende Position innehaben.

Die Vorteile der Schweiz als IT-Standort

Ein genauerer Blick auf die IT-Branche zeigt, dass der vergleichsweise hohe Anteil Hidden Champions wenig überraschend ist. Die beiden Hochschulen ETH und EPFL sowie die IT-Cluster in Zürich und Bern mit Grossunternehmen wie IBM und Google bilden gute Rahmenbedingungen für die Entwicklung von international erfolgreichen IT-KMU. Die Schweiz als Standort für IT-KMU kann aber auch mit der vergleichsweise hohen rechtlichen und politischen Stabilität und den starken Datenschutzvorschriften punkten. Insbesondere Rechenzentren nutzen zunehmend diese Standortvorteile, um internationale Kunden von der Schweiz aus zu bedienen. Gute Rahmenbedingungen, ein gutes Bildungswesen sowie internationale Ausrichtung sind offenbar wichtige Grundlagen dafür, dass Schweizer KMU in derart vielen Bereichen Weltmarktführer sind.