Die globale Vermögenspyramide 2016
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Die globale Vermögenspyramide 2016

Nach dem jüngsten Global Wealth Report des Credit Suisse Research Institute befinden sich drei Viertel der erwachsenen Weltbevölkerung auf der untersten Stufe der Vermögenspyramide. Die 3,5 Milliarden Erwachsenen mit einem Vermögen von unter 10'000 Dollar verfügen über 2,4 Prozent des globalen Vermögens. Im Gegensatz dazu entsprechen die 33 Millionen Millionäre weniger als einem Prozent der erwachsenen Bevölkerung, besitzen jedoch 46 Prozent des privaten Haushaltsvermögens.

Vermögensunterschiede zwischen Individuen können viele Gründe haben. Die Tatsache etwa, das unterschiedliche Länder unterschiedliche Durchschnittsvermögen aufweisen, trägt wesentlich zur Ungleichheit in Bezug auf das globale Vermögen bei. Aber auch innerhalb der Länder sind beträchtliche Ungleichheiten zu verzeichnen. Menschen mit geringem Vermögen findet man unverhältnismässig oft in den jüngeren Altersgruppen, die noch wenig Gelegenheit zur Vermögensbildung hatten. Andere wiederum waren möglicherweise von Geschäftsverlusten oder persönlichen Schicksalsschlägen betroffen oder leben in Regionen, in denen die Möglichkeiten zum Vermögensaufbau eingeschränkt sind. Bisweilen haben auch Frauen oder Minderheiten geringere Chancen. Im Gegensatz dazu finden sich viele Menschen am anderen Ende des Spektrums, die mit einer Kombination aus Talent, harter Arbeit und Glück grosse Reichtümer angesammelt haben.

Die Vermögenspyramide erfasst diese Unterschiede. 

Die globale Vermögenspyramide

Die globale Vermögenspyramide

Quelle: James Davies, Rodrigo Lluberas and Anthony Shorrocks, Credit Suisse Global Wealth Databook 2016

Die Basis der Pyramide

Die Schichten der Vermögenspyramide unterscheiden sich recht deutlich. Die unterste Stufe weist die gleichmässigste Verteilung über Regionen und Länder auf, gleichzeitig aber auch das uneinheitlichste Spektrum an persönlichen Lebensumständen. In Industrieländern gehören etwa 20 Prozent der Erwachsenen dieser Kategorie an. Für die Mehrheit ist die Zugehörigkeit entweder vorübergehend – beispielsweise aufgrund von Geschäftsverlusten oder Arbeitslosigkeit – oder stellt eine Lebensphase im Zusammenhang mit der Jugend oder dem hohen Alter dar. In Indien und Afrika hingegen fallen mehr als 90 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in dieses Segment. Für viele Einwohner von Niedriglohnländern ist es eher die Norm als eine Ausnahme, ein Leben lang der Basisstufe anzugehören.

Vermögen im mittleren Bereich

Die mittlere Spanne des globalen Vermögens befindet sich zwischen USD 10’000 und 100’000. Sie umfasst rund 900 Millionen Erwachsene, die in vielen Ländern einen Grossteil der Mittelklasse darstellen. Das Durchschnittsvermögen dieser Gruppe kommt der Höhe des gesamten globalen Durchschnittsvermögens sehr nahe. Indien und Afrika sind in diesem Segment unterrepräsentiert, während Chinas Anteil übermässig hoch ist. China und Indien weisen einen interessanten Gegensatz auf. Gerade einmal 3,1 Prozent der Personen mit mittlerem Vermögen leben in Indien, und dieser Anteil hat sich im vergangenen Jahrzehnt kaum verändert. China stellt 33 Prozent der Personen mit einem Vermögen zwischen USD 10’000 und USD 100’000 – eine Verdoppelung gegenüber dem Jahr 2000 und mehr als das Zehnfache des indischen Wertes.

Die höchsten Vermögensstufen

Die beiden obersten Stufe der Vermögenspyramide – also Menschen mit einem Nettovermögen von über USD 100’000 – umfassten zur Jahrtausendwende 5,9 Prozent aller Erwachsenen. Dieser Anteil stieg bis zur Finanzkrise rasch an, bleibt jedoch seitdem recht stabil. Gegenwärtig umfassen diese Stufen 8,2 Prozent des globalen Totals. Die regionale Zusammensetzung unterscheidet sie sich deutlich von der nächsttieferen Stufe. Europa, Nordamerika und die Region Asien-Pazifik (ohne China und Indien) stellen zusammen 89 Prozent dieser Gruppe dar, wobei allein in Europa 144 Millionen Personen diesen beiden Stufen angehören (36 Prozent der Gesamtzahl). Demgegenüber stehen gerade einmal fünf Millionen Erwachsene (1,2 Prozent der globalen Gesamtzahl) aus Indien und Afrika.

Das Muster der Zugehörigkeit präsentiert sich anders, wenn man die oberste Stufe, alsodie US-Dollar-Millionäre an der Spitze der Pyramide, isoliert betrachtet. Die USA erzielen bei allen drei Kriterien hohe Werte und weisen mit 13,6 Millionen bzw. 41 Prozent der weltweiten Gesamtzahl bei weitem die grösste Zahl an Millionären auf. Über viele Jahre besetzte Japan den zweiten Platz in der Millionärsrangliste – im Jahr 2011 waren es 13 Prozent der globalen Gesamtzahl. Die Zahl der japanischen Millionäre ist allerdings parallel zum Anstieg in anderen Ländern gesunken. Japan musste daher seinen zweiten Platz 2014 an Grossbritannien abgeben, konnte sich jedoch dieses Jahr aufgrund eines günstigeren Wechselkurses wieder erholen. Nach einem Rückgang in diesem Jahr fällt Grossbritannien mit sieben Prozent der Millionäre weltweit auf den dritten Platz zurück.

Anzahl der Dollar-Millionäre nach Ländern

Anzahl der Dollar-Millionäre nach Ländern

(% der weltweiten Gesamtzahl)

Das Vermögensspektrum

Die Vermögenspyramide zeigt, wie die Umstände von Personen mit einem Nettovermögen von einer Million US-Dollar oder mehr mit jenen von Personen auf einer niedrigeren Stufe in der Vermögenshierarchie kontrastieren. Untersuchungen zu Vermögensbesitz konzentrieren sich meist ausschliesslich auf das obere Ende. Der Global Wealth Report zeichnet ein vollständigeres und ausgewogeneres Bild, da ihm die Überzeugung zugrunde liegt, dass die Basis und das mittlere Segment ebenfalls von Bedeutung sind. Grund dafür sind der schiere Umfang dieser Schichten und ihre politische Macht. Ihr gemeinsames Vermögen von 35 Biollionen Dollar bietet jedoch auch signifikante wirtschaftliche Chancen, die oftmals übersehen werden. Angebote, die den Bedürfnissen dieser Vermögensbesitzer Rechnung tragen, können in der Konsumgüter- und der Finanzindustrie neue Trends auslösen. China, Korea und Indonesien sind Länder, in denen Personen aus diesem Teil der Vermögenspyramide bereits einen raschen Aufstieg geschafft haben. Indien zeigt bislang keine solchen Fortschritte, hat jedoch das Potenzial, von seinem niedrigen Niveau aus künftig schnell zu wachsen.

Die mittlere und die niedrigste Stufe der Pyramide sind wichtig, das Topsegment wird aber voraussichtlich weiterhin der wichtigste Treiber für private Vermögensflüsse und Anlagetrends sein.