Die Finanzbranche im Banne der Digitalisierung 

Branchenfremde Start-ups greifen zunehmend die Banken an und profitieren von der Digitalisierung und dem wachsenden Informationsstand der Kunden. An der Fintech 2015-Konferenz in Zürich trafen Banker auf ihre jungen Konkurrenten. 

Eine Bank ist eine Bank ist eine Bank. Das war einmal. Heute bieten Start-ups aus New York, Silicon Valley, und Tel Aviv Finanzdienstleistungen an, ohne eine Bank zu sein. Sie sind schneller, einfacher und «sexier». Geld per Handy überweisen, sich gegenseitig Kredite geben oder das Geld für eine Firma via Facebook-Freunde sammeln oder auch via «Follow»-Funktion die gleichen Anlagen wie ein erfolgreicher Investor tätigen, statt lange Beratungsgespräche zu führen. Dafür braucht es statt grosszügigen Geschäftssitzen an teuren Innenstadt-Lagen in Metropolen nur noch digitale Geräte wie Smartphones, Tablets und die nötige Software.

Banken unter Druck

Wen wunderts, prophezeit David Rowan, Chef des Technologie-Magazins Wired, an der Fintech 2015 in Zürich: «Die Kunden brauchen die Bank nicht mehr.». Recht geben ihm einige eindrückliche Zahlen: Weltweit steckten Anleger 2014 gut zwölf Milliarden Dollar in die aufstrebenden Fintech-Start-ups – ein Jahr zuvor waren es gerade mal deren vier Milliarden Dollar. Dies geht aus einer in diesem Frühjahr veröffentlichten Studie «The Future of Fintech and Banking» des Beratungsunternehmens Accenture hervor. Ein wesentlicher Teil der Gelder fliesst in Technologieunternehmen in den USA, dafür sind in Europa die Zuwachsraten höher. Besonders London gilt als Zentrum des Fintech. Dort beschäftigt die Branche mittlerweile bereits 44'000 Menschen, das sind mehr als im Silicon Valley.

Klar ist: Fintech ist keine Freizeitbeschäftigung von Technikfreaks. Genau wie iTunes die Musikbranche, Netflix das Kino- und TV-Geschäft und Amazon den Buchhandel revolutionierten, verändern Start-ups die traditionelle Bankenindustrie. An der Fachtagung in Zürich stellt Andreas Kern beispielsweise seine Plattform Wikifolio vor. Trader können darauf ihre Strategien publizieren. Anlegerfreundliche Interessenten haben die Möglichkeit, ihnen passende Strategien gleich zu kaufen und auf diese Weise vom Wissen erfahrender Trader zu profitieren und die gleichen Gewinne zu machen. Social Trading nennt Kern diese Anlageform. «Auf den Wikifolio-Detailseiten finden sich mehr als 180'000 Kommentare von Tradern», schwärmt er.

Totale Information

Als weiteres Beispiel präsentierte Mark Henkel in Zürich das Münchner Unternehmen paymill. Die Firma stellt KMU einen einfachen und raschen Bezahldienst zur Verfügung, den diese auf ihrer Webpage integrieren können. Das ist aber nicht alles: paymill vergibt selber auch kurzfristige Kredite an Händler. Immer mehr solcher Fintech-Firmen drängen auf den Markt. Credit-Suisse VR-Präsident Urs Rohner betonte denn auch die Bedeutung der Digitalisierung im Bankensektor. «Meine Kinder werden für gewöhnliche Geschäfte kaum mehr in eine Bank gehen», sagte er zur Zukunft im Vermögensverwaltungsgeschäft.

Die Digitalisierung spiele eine bedeutende Rolle, um Dienstleistungen innovativer zu gestalten. Im Vergleich zu andern Industrien habe die Bankenwelt die Entwicklung in diesem Bereich verschlafen, sagte er selbstkritisch. Und für Marco Abele, Leiter Digitale Private Banking bei der Credit Suisse, hat sich das Verhalten der Kunden mit der Entwicklung des Smartphone innert kurzer Zeit drastisch verändert. Die Kunden sind heute so gut informiert wie noch nie. Und dank modernster Technologien sorgt die Transparenz in kürzester Zeit für aussagekräftige Vergleiche.   

Für Rohner ist aber klar, dass sich die Digitalisierung im Bankgeschäft in einer Frühphase befindet. Seiner Meinung nach wird es sich erst noch herausstellen, welche Ansätze sich durchsetzen werden. «Wir sind davon überzeugt, dass unser integriertes Modell samt Private und Investment Banking zusammen mit digitalen Dienstleistungen erfolgreich sein wird», hält er fest. Und auch Marco Abele ist überzeugt, dass Digital Power im Zusammenspiel mit Human Touch im Bankgeschäft das Erfolgsrezept ist.

Konkurrenten werden zu Partnern

Um herauszufinden, wo genau die Kundenbedürfnisse sind und wie man sie erfüllen kann, geht die Credit Suisse gemäss Urs Rohner mehr als nur einen Weg. Einerseits schaut sie sich innovative Unternehmen an, die nichts mit Banking zu tun haben, auf der andern Seite spannende Fintech-Firmen, die Bankdienstleistungen in einer ganz neuen Form anbieten. Das kann auch dazu führen, dass ein unliebsamer Konkurrent plötzlich zu einem neuen Partner wird.

Wie ernst es der Grossbank mit Digital Banking ist, zeigt aktuell der Start mit einer neuen Plattform in Asien. Dort sind die Kunden im Bereich der Vermögensverwaltung im Schnitt bis zu 20 Jahre jünger als beispielsweise in der Schweiz und entsprechend technikaffiner. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche haben die Kunden Zugriff auf Kontodaten, Marktinformationen und Experten Insights. Mehr noch: Sie erhalten Trading- und Analytivs-Tools, mit denen sie rund um die Uhr die Performance ihres Portfolios im Auge behalten und über alle Anlageklassen hinweg handeln können. Kommt hinzu, dass die neue digitale Oberfläche der Plattform die Interaktion zwischen Kunden, Beratern der Bank und weiteren Mitarbeitenden nicht nur vereinfacht sondern auch so intuitiv macht, wie Kunden es bereits von digitalen Unternehmen wie Uber oder Netflix gewöhnt sind.

Neue App «Private Banking Schweiz»

Dieselbe digitale Banking Experience lancierte die Credit Suisse nun auch in die Schweiz mit der Einführung der neuen App für iPad, iPhone sowie Android Tablets und –Smartphones anfangs April. Diese wurde, wie bereits die Plattform in Asien, in intensiver Zusammenarbeit mit Kunden entwickelt. Sie bietet einen vollständigen Überblick über Konten, Depots, Portfolios sowie Zahlungen und Wertschriftentransaktionen, die man auf der Startseite frei nach seinen Präferenzen gestalten kann. Neben elektronischen Rechnungen und Dokumenten sowie einem hilfreichen Zahlungsassistenten bietet die App darüber hinaus – genau wie die Plattform in Asien – komplexe aber intuitive Tools zur Portfolioanalyse und dem Trading sämtlicher Finanzprodukte. Damit können die Kunden mit nur wenigen Clicks jederzeit und überall ihre Finanzen managen.

FinTech 2015 – Innovation in Finance

Am Finanz und Wirtschaft Forum «FinTech 2015 – Innovation in Finance» trafen sich am 8. April Entscheidungsträger und Visionäre aus der Finanz-, ICT-, Internet- und Start-up-Welt, um sich über das revolutionäre Potenzial und die disruptive Kraft der Digitalisierung im Finanzwesen zu informieren und auszutauschen. Die Credit Suisse unterstützte die Veranstaltung als exklusiver Premium Partner und stellte dort die neue App «Private Banking Schweiz» an einem Marktstand vor.