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Kundenwunsch im Vordergrund

Als Leiter der Depotbank von Credit Suisse (Luxembourg) S.A. hat Holger Barth zwar keinen direkten Kundenkontakt. Trotzdem prägen Kundenwünsche seinen Tagesablauf.

Wenn ich morgens zwischen 6.30 und 7.00 Uhr mein Haus in Deutschland nahe der Grenze zu Luxemburg verlassen habe, sitze ich zuerst einmal eine Stunde im Auto. Diese Zeit kann ich aber gut nutzen, um erste Telefonate mit meinen Mitarbeitern zu tätigen. Ich pendle seit 23 Jahren und gehöre zu den 160'000 Grenzgängern, die täglich aus Deutschland, Frankreich und Belgien nach Luxemburg strömen. Für die Credit Suisse bin ich seit Februar 2014 tätig und leite die Depotbank der Credit Suisse (Luxembourg) S.A., welche unter anderem für die Luxemburg domizilierten Credit-Suisse-Fonds zuständig ist. Die Kernaufgabe dabei besteht in der Verwahrung und Verwaltung der Vermögenswerte, in welche die Fonds investiert haben, sowie in der Depotbank-Kontrolle.

Im Grundsatz wickeln wir jede Order eines Portfolio-Managers ab, welcher für den Fond z.B. Wertpapiere via Broker handelt. Wir stellen sicher, dass diese Transaktionen buchhalterisch erfasst und ordnungsgemäss abgewickelt werden. Zusätzlich verwalten wir die Cash-Konten für diese Fonds. Ich bin zudem dafür verantwortlich, dass die verwahrfähigen Finanzinstrumente – wenn auch zumeist nur elektronisch – sicher in den Depots der Sub-Verwahrstellen (Sub-Custodians) liegen. Weil die Bank im Verlustfall haftbar gemacht wird, ist es auch ein sehr regulatorisch bedingtes Verwaltungsgeschäft. Dieses Bündel an Abwicklungsprozessen führen wir nicht komplett selbst durch, sondern delegieren an verschiedene Service-Provider, deren Prozessqualität wir wiederum überprüfen und managen müssen. Zu unterschiedlich sind die Abwicklungsregeln in den jeweiligen Märkten. Die externen Service-Provider – insbesondere im Bereich der Sub-Custodians – wählt das Global Network Management in Zürich nach strengen Kriterien aus und überwacht sie permanent. Wir müssen gewährleisten, dass jede der 140'000 Order pro Jahr zeitnah, sachgerecht und vollständig ausgeführt wird.

Die Credit Suisse (Luxembourg) S.A. mit ihrer Depotbankfunktion agiert jedoch auch als Dienstleister für externe Kunden: Im so genannten Drittfondsgeschäft bieten wir zusammen mit Credit Suisse Investor Services beispielsweise Vermögensverwaltern oder Family Offices unsere vollumfängliche technische und administrative Fonds-Infrastruktur in Luxemburg an. Das kann die gesamte Wertschöpfungskette beinhalten – von der Auflage über die Verwaltungsgesellschaft, die Fonds-Administration, den Transfer Agent (Register und Transferstelle für das Fonds-Anteilscheinsgesellschaft) bis hin zur Depotbankfunktion. Der Anteil des Drittfondsgeschäftes steigt nebst dem Eigenfondsgeschäft stetig: Heute umfasst dieses fast die Hälfte des Gesamtvermögens von zirka 60 Milliarden Schweizer Franken, das wir in den Fonds verwalten.

Neben den operativen Tagesgeschäft («Run the Bank») beschäftige ich mich stark auch mit regulatorischen Projekten («Change the Bank»). So bin ich zum Beispiel Mitglied eines internen Aufsichtskomitees für ein Projekt, das die Umsetzung neuer Anforderungen an die Depotbankfunktion zum Gegenstand hat. Die Arbeit in solchen Gremien ist dabei das einzig Planbare in meinem Berufsalltag. Wenn wir neue Fonds an Bord nehmen, werden diese in einem standardisierten Prozess geprüft. Wenn ein Kunde via Kundenberater eine neue Investmentidee formuliert, wird diese dem Fund Offering Board (FOB) der Credit Suisse Investor Services vorgelegt, in welchem verschiedene Entscheidungsträger aus den verschiedenen Funktionen entlang der Wertschöpfungskette vertreten sind. Erhält die Fondsidee vom FOB grünes Licht , geht es nach weiteren vertieften Abklärungen und Verhandlungen zum Fund Approval Committee (FAC), das die Machbarkeit dieses Fondprojektes genehmigt und die operative Umsetzung freigibt. Die Kunden kommen zum Teil mit sehr komplizierten Geschäftsideen, die nicht unbedingt Standard sind. Dann sind wir herausgefordert, den Wunsch zu kanalisieren und eine kreative Lösung zu finden. Ein Kundenwunsch kann also einen geplanten Tagesablauf komplett auf den Kopf stellen, denn er hat immer Priorität. Ich selber habe zwar keinen direkten Kontakt zu unseren Kunden, stehe jedoch via unsere zwei Teams von Account Managern sowie über die Portfoliomanager und Kundenberater immer in Verbindung.

Nach ungezählten Meetings, etlichen unvorhersehbaren Ad-hoc-Übungen und einem Sandwich am Mittag steige ich am Abend wieder ins Auto und erledige auf dem Heimweg ein paar letzte Telefonate. Das Pendeln ist mittlerweile zum Normalzustand – geworden, aber mein Lebensmittelpunkt befindet sich dort, wo meine Frau und meine zwei Kinder sind. Als Ausgleich zum Job laufe ich, fahre Fahrrad und geniesse dabei die schöne, hügelige Landschaft in meiner Umgebung.