Welche Autos fahren wir im Jahr 2040? Zehn Prognosen
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Welche Autos fahren wir im Jahr 2040? Zehn Prognosen

Die Massenproduktion von Elektroautos dürfte für Umwälzungen der Automobilbranche, der Lieferketten und der Energiewirtschaft sorgen, wie sie zuletzt 1913 zu beobachten waren, als die Menschen erstmals die Pferdezügel aus der Hand legten und sich hinter das Steuer des Modell T von Ford setzten.

Als Pionier Henry Ford die Fliessbandproduktion für Automobile einführte, steigerte er die Eeffizienz um das Achtfache: Alle 15 Minuten rollte ein Ford T aus seiner Fabrik.

Allerdings erkannte der Vater der Massenproduktion auch schnell, dass die Lieferkette anfällig für Engpässe war. Es fehlte an schnelltrocknenden Lacken, wodurch das Tempo der Automobilproduktion gefährdet war. Auf diesem Mangel basiert das legendäre Zitat Henry Fords: «Sie können einen Ford in jeder Farbe haben, Hauptsache er ist schwarz.»

Springen wir ins Jahr 2018: Welche Herausforderungen in der Lieferkette müssen die globalen Autohersteller und Verbraucher heute bewältigen, um sich der Elektrorevolution anzuschliessen?

Triebkräfte des Wandels

Laut Analysteneinschätzung wird die staatliche Gesetzgebung auf kurze Sicht den Umstieg auf Elektroautos am stärksten vorantreiben. Zur Förderung umweltfreundlicher Verkehrsmittel beschliessen Regierungen Massnahmen wie Zielvorgaben, Strafzahlungen, Subventionen und Infrastrukturinvestitionen.

Langfristig werden der technologische Fortschritt und Möglichkeiten zur Produktionssteigerung viele der Einschränkungen in der Lieferkette beseitigen. Zudem werden dadurch die Kosten für Batterien so weit sinken, dass die Gesamtkosten für den Besitz eines Elektroautos in Europa ab 2022 geringer sein werden als die Kosten für ein Benzin- oder Dieselauto.

Gewinner und Verlierer

Autohersteller, die sich auf den Elektrifizierungstrend einstellen, internationale Hersteller von Batterien, Batteriematerialien und Halbleitern sowie Metall- und Bergbauunternehmen dürften von dem Elektrifizierungstrend profitieren. Durch die zunehmende Verbreitung von Elektroautos und die steigende Kraftstoffeffizienz der Benzinmotoren wird die Benzinnachfrage erheblich sinken. Darüber hinaus könnten selbstfahrende Autos unser Verhältnis zum Autobesitz grundlegend ändern, sodass auch der Gebrauchtwagenmarkt belastet werden könnte.

Schlüsseltechnologie Batterien

Auf den Verkehr entfallen heute 14 Prozent der globalen CO2-Emissionen, womit sich sein Anteil in den vergangenen 40 Jahren verdoppelt hat. Um die Klimaerwärmung einzudämmen, müssen die Emissionen bis 2050 um die Hälfte gesenkt werden und dürfen 2100 nur noch unterhalb von 20 Prozent ihres derzeitigen Niveaus liegen. Batteriebetriebene Autos sind eine tragfähige kohlenstoffarme Alternative zum Verbrennungsmotor und zeichnen sich im Vergleich zu anderen Optionen wie Brennstoffzellen und Erdgasfahrzeuge durch einen niedrigeren CO2-Ausstoss, eine bessere Effizienz und geringere Kosten aus.

Regionale Unterschiede

Aufgrund der niedrigeren Benzinpreise in den USA und der weniger strengen Emissionsvorschriften für Autohersteller geht man davon aus, dass sich die Umstellung auf Elektrofahrzeuge in den USA langsamer vollziehen wird als in Europa. Angeführt wird diese Transformation aber offensichtlich von Asien. Beispielsweise bemüht sich die Regierung Chinas angesichts der wachsenden Luftverschmutzung, der Verschlechterung der Verkehrslage und der Verknappung der Erdölressourcen stark um den Einsatz von Elektroautos. Die beste durchschnittliche CO2-Bilanz im Verkehr weist derzeit wohl Japan auf. Dies ist vermutlich auf den aussergewöhnlich hohen Einsatz von Klein- und Hybridfahrzeugen im Land zurückzuführen. Auch die indische Regierung hat Massnahmen ergriffen: Sie bietet einen deutlichen Preisnachlass von rund 30 Prozent auf vollständig batteriebetriebene Fahrzeuge. Und die koreanische Regierung hat im Dezember 2015 einen umfassenden Plan vorgelegt, um die Nutzung alternativer Fahrzeuge voranzutreiben und mit der Verlagerung in der weltweiten Automobilindustrie hin zu umweltfreundlicherer Mobilität mitzuhalten.

Wer sitzt am Steuer?

Neben der elektronischen Revolution hat auch die Automatisierung erheblichen Einfluss auf die Automobilindustrie. Fahrerlose Autos könnten eine ganz neue Ära des Carsharing einläuten. Analysten schätzen, dass bis 2030 alle produzierten Autos mit einer gewissen Form der Automatisierung ausgestattet sein werden. Dabei dürften technologiebasierte Taxivermittler wie Uber zu den Erstanwendern gehören, denn sie können ihren Service weiter automatisieren und Kosteneffizienzen erzielen. So hat Uber bereits 24'000 Volvos XC90 für 2019 bis 2021 in Auftrag gegeben, die das Unternehmen als Designgrundlage für seine Flotte selbstfahrender Autos verwendet, während Google seit Mitte Oktober 2017 autonome Minivans ohne Sicherheitsfahrer auf öffentlichen Strassen in Arizona fahren lässt, die eine Fläche von circa 650 Quadratkilometern abdecken. Selbstfahrende Autos könnten die Wirtschaftlichkeit von Carsharing und Taxidiensten so stark steigern, dass es immer weniger lohnenswert sein wird, selbst ein Auto zu besitzen.

Die zehn Hauptprognosen zum Wandel im Automobilsektor bis 2040:

  • Eines von vier Autos wird batteriebetrieben sein: 1/3 der Produktion und 1/4 der Autos auf den Strassen werden 2040 elektrisch angetrieben sein. In Europa wird sich die Umstellung rascher vollziehen als in den USA.
  • Elektroautos werden die günstigste Option darstellen: Ab 2040 können durch den Kauf und die Nutzung vollständig batteriebetriebener Fahrzeuge jährlich knapp USD 100 gegenüber Benzinfahrzeugen eingespart werden.
  • Elektroautos sorgen für Rückgang des CO2-Ausstosses: Neue Autos werden im Durchschnitt 60 g CO2 pro Kilometer ausstossen – 1/3 des heutigen Wertes. Dadurch dürften die jährlichen CO2-Emissionen um > 1 Gt sinken, d. h., die Klimaerwärmung durch Fahrzeugemissionen sollte stark zurückgehen.
  • Sie werden Ihr Auto ähnlich nutzen wir Ihr Handy: Das Aufladen wird zu 90 Prozent am Arbeitsplatz oder nachts Zuhause erfolgen. Dafür werden 1000 TWh Elektrizität benötigt, das entspricht 2,5 Prozent der weltweiten Nachfrage.
  • Wer es sich leisten kann, muss nicht mehr selbst hinters Steuer: Rund 14 Prozent der produzierten Autos werden selbstfahrend sein. Lehnen Sie sich also zurück und geniessen Sie die Fahrt! Allerdings müssen Sie dafür zusätzlich rund USD 1000 je elektronischer Komponente im Auto zahlen plus die Versicherungskosten für den Besitz und die Nutzung eines selbstfahrenden Autos.
  • Super-Akkus: Batterien sind das Kernstück des Elektroautos. Somit werden wir eine Batterieleistung von insgesamt 3,7 TWh pro Jahr benötigen, wozu wiederum circa 100 Gigafabriken in Tesla-Grösse (mit dem derzeitigen Gigafabrik-Bau entsteht bereits das grösste Gebäude der Welt) und rund 3 Mio. Tonnen Lithiumcarbonat notwendig sind.
  • Deutsche Ingenieurskunst wird von nachhaltiger Chemie abgelöst: Die Leistung der Autos wird von den Batterieeigenschaften abhängen. Daher müssen künftig umsichtige Entscheidungen in der Chemie getroffen werden, um Engpässe in der Lieferkette bei Metallen wie Kobalt zu vermeiden.
  • Strom wird das neue Benzin: Durch die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen wird der Benzinverbrauch bis 2040 um 30 Prozent auf rund 1 Bio. Liter pro Jahr sinken.
  • Das Warten auf Brennstoffzellautos lohnt sich nicht: Mit Wasserstoff angetriebene Autos stossen zwar nur Wasserdampf aus, doch Wasserstoff wird aus Erdgas erzeugt, wodurch die CO2-Emissionen letztlich denen von Benzinfahrzeugen ähneln.
  • ...und das Warten auf fliegende Autos schon gar nicht: Wissenschaftler sind eifrig bemüht, Antimaterie einzufangen, um herauszufinden, ob sie «nach oben fällt», sodass wir fliegende Autos herstellen können. Am CERN ist es den Forschern gelungen, 309 Antiwasserstoff-Atome 1000 Sekunden lang festzuhalten. Leider würde nur ein Kilo dieses Materials eine Energiemenge enthalten, die 2,65 Mia. Litern Benzin entspricht, und es ist äusserst instabil. Der Traum vom fliegenden Auto wird also nicht so bald Realität.