Die Kampagne für Frauenbildung: Wie ein innovativer Hilfsansatz die Wirkung steigern kann
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Die Kampagne für Frauenbildung: Wie ein innovativer Hilfsansatz die Wirkung steigern kann

Der UNESCO zufolge gehen 52,2 Millionen Mädchen im Grund- und Sekundarschulalter in Subsahara-Afrika nicht zur Schule – mit verheerenden Folgen für sie selbst, für ihre Familien und die Gesellschaft.

Die Ausbildung von Mädchen und jungen Frauen ist für den sozialen Wandel und die wirtschaftliche Entwicklung entscheidend. Sie verringert nicht nur das Risiko, im Teenageralter schwanger zu werden oder sich mit HIV/AIDS anzustecken, sondern gibt den Mädchen die Kraft, sich gegen geschlechtsspezifische Gewalt und Diskriminierung zur Wehr zu setzen. Eine gute Ausbildung legt zudem den Grundstein für ein höheres Einkommen und reduziert sogar die durch die Gemeinden der Mädchen verursachten Auswirkungen auf das Klima.

Schulbildung als Grundlage für späteren Erfolg und Führungsverantwortung

1991 besuchte die walisische Lehrerin Ann Cotton Simbabwe, um herauszufinden, weshalb so wenige Mädchen aus ländlichen Gebieten in die Schule gingen. Zwei Jahre später lernte sie Angeline Murimirwa kennen.

Angelines Eltern waren Kleinbauern und hatten es schwer, über die Runde zu kommen. Angeline erinnert sich, wie sie in einem zerrissenen Kleid zur Schule ging und ihre Mutter zur Arbeit auf den Feldern anderer Bauern begleitete, um Geld zu verdienen. In ihrem letzten Jahr an der Grundschule erzielte sie die bestmöglichen Noten, doch für sie und ihre Familie war klar, dass sie sich die Sekundarschule nicht würden leisten können.

Cotton stellte fest, dass Angeline und vielen anderen Mädchen aus armen Regionen der Zugang zu Bildung nicht in erster Linie aufgrund kultureller Normen verwehrt war, wie man damals allgemein annahm. Das Haupthindernis waren die mit einem Schulbesuch verbundenen Kosten.

Wenn kein Geld da ist, sind Mädchen die ersten, die aus der Schule genommen werden. Und eine frühe Heirat lässt meist nicht lange auf sich warten.

Cotton erkannte dies und gründete 1993 die Campaign for Female Education (CAMFED). Diese verhilft benachteiligten Mädchen zu Schulbildung, sodass sie später erfolgreich sein und Führungsverantwortung übernehmen können. Angeline war eine der ersten, die von dieser neuen Organisation profitierten. Sie erhielt ein Stipendium, mit dem sie die Schulgebühren, ihre Schuluniform, Schuhe sowie Lehrmaterialien bezahlen konnte.

Mittlerweile arbeitet Angeline als Executive Director für CAMFED in Afrika. 2017 stand sie auf der BBC-Liste der 100 einflussreichsten Frauen.

Wenn alle Mädchen und Frauen eine Sekundarbildung erhalten würden

230'000 freiwillige Helfer unterstützen CAMFED vor Ort

Gemeinsam mit verschiedenen Stakeholdern in Ghana, Malawi, Tansania, Sambia und Simbabwe hilft CAMFED dabei, die Hindernisse für Frauenbildung zu beseitigen, denen sich auch Angeline gegenübersah. Ziel ist es, die Qualität der schulischen Ausbildung zu verbessern. Über den Unterricht hinaus unterstützt die Organisation junge Frauen dabei, finanziell unabhängig zu werden, als Unternehmerinnen Fuss zu fassen, Führungsrollen zu übernehmen und ein würdevolles Leben in ihren Gemeinschaften zu führen.

CAMFED wird von über 230’000 freiwilligen Helfern vor Ort in den Gemeinden unentgeltlich unterstützt. Die Organisation arbeitet kosteneffizient und kann mit einem Betrag von 100 Dollar bis zu 2,4 Jahre zusätzliche Schulbildung finanzieren. 2014 bezeichnete der Entwicklungshilfe-Ausschuss der OECD CAMFED als «Vorzeigebeispiel für eine umfassende Umsetzung von Innovationen». Im selben Jahr wurde Ann Cotton für die Innovation, die Reichweite und den Erfolg der Programme von CAMFED mit dem WISE Prize for Education ausgezeichnet.

57 KPIs zur quantitativen und qualitativen Messung

Die Organisation CAMFED fühlt sich den Mädchen, Frauen und Gemeinden gegenüber verpflichtet, mit denen sie zusammenarbeitet. Sie engagiert sich langfristig in den Gemeinden und setzt sich zum Ziel, deren Kapazitäten für die Ausbildung der Mädchen auszubauen. Im Jahr 2017 stellten die ländlichen afrikanischen Partnergemeinden von CAMFED Mittel im Gegenwert von 9,4 Millionen Dollar zur Verfügung, um die Schulbildung von Mädchen zu unterstützen.

Die Gemeinden sind federführend, was die Planung und Umsetzung der Programme betrifft. Auf Grundschulebene entscheiden beispielsweise Schulausschüsse, wie die Mittel eingesetzt werden müssen, damit sie die hilfsbedürftigsten Jugendlichen auch tatsächlich erreichen. Auf Sekundarebene bestimmen die Gemeinden selbst, welche Mädchen für die Schulgebühren, Uniformen, Lehrmaterialien usw. finanzielle Hilfe von CAMFED bekommen. Diese ermöglicht einem erheblichen Teil der Mädchen, auch die Sekundarschule zu besuchen, und sorgt dafür, dass die Bildung von Frauen zunehmend als normal erachtet wird. CAMFED bildet zudem die Lehrer in den Gemeinden aus, damit sie den Kindern in sozialen und emotionalen Belangen zur Seite stehen können.

120'000 Absolventinnen im CAMFED-Netzwerk

Im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen hat CAMFED seinen Wirkungsbereich ausgeweitet und zielt nun ausser auf ein gewisses Bildungsniveau auch auf bestimmte Lernergebnisse und Beschäftigungsfähigkeit ab.

Gemeinsam mit den 120'000 Mitgliedern von CAMA, dem Absolventinnen-Netzwerk von CAMFED (bestehend aus jungen Frauen, die die Sekundarstufe abgeschlossen haben), unterstützt die Organisation Kinder in der Sekundarstufe mit Initiativen zur Verbesserung ihres Lernerfolgs und Wohlergehens. Dabei übernehmen die CAMA-Mitglieder wichtige Mentoren- und Vorbildfunktionen.

Als eines der wichtigsten Gründungsmitglieder von CAMA hat Angeline Murimirwa früh erkannt, dass diese Art der Unterstützung für Mädchen, die aus dem Bildungssystem herauszufallen drohen, äussert wertvoll ist. Fast zwei Jahrzehnte später nahm Murimirwa stellvertretend für etwa 100’000 CAMFED-Absolventinnen den Diamond Ball Honors Award an. «All diese jungen Frauen hätten, so wie ich, ohne die finanzielle Unterstützung durch CAMFED nie die Möglichkeit gehabt, zur Schule zu gehen. Wir sind alle Schwestern und zusammen bilden wir die nächste Generation aus.»

Die sechs Monate nach dem Abschluss der Sekundarstufe sind für Mädchen entscheidend. Auch hier spielt CAMA eine wichtige Rolle. Gefördert durch Partner wie z. B. das britische Ministerium für Internationale Entwicklung, leisten die Absolventinnen Peer-to-Peer-Support, führen Schulungen durch und bieten jungen Frauen in ländlichen Gemeinden mit kleinen Zuschüssen sogar finanzielle Starthilfe für ihre eigenen Unternehmen. Dank finanzieller Hilfe der Credit Suisse und der Mastercard Foundation sowie der Unterstützung durch Unternehmen wie Pearson und den Mikrokreditanbieter Kiva.org kann CAMFED zudem den tertiären Bildungsbereich fördern, Geschäftswachstum finanziell unterstützen und Führungsprogramme anbieten.

Von der Grundschule bis zur Universität und darüber hinaus

Seit den Anfängen in Simbabwe hat CAMFED direkt dazu beigetragen, dass mehr als 2,6 Millionen Kinder Zugang zu einer Grund- und Sekundarschulausbildung erhalten haben und mehr als 5 Millionen Kinder in fünf Ländern in einem besseren schulischen Umfeld lernen konnten. Für jedes Mädchen, dem CAMFED und seine Partner den Schulbesuch ermöglichen, fördert das CAMA-Netzwerk mindestens zwei weitere.

Die Arbeit der Wohltätigkeitsorganisation hat nicht nur eine grosse Reichweite, sondern überzeugt auch durch eine hohe Qualität. Eine gross angelegte Bewertung der Lese- und Rechenfähigkeiten, die vom britischen Ministerium für Internationale Entwicklung unter benachteiligten Mädchen in Tansania und Simbabwe durchgeführt wurde, ergab, dass der Lernerfolg der Mädchen, die von CAMFED unterstützt wurden, mehr als doppelt so hoch war wie der von Schülern vergleichbarer Schulen.

CAMFED bietet den Absolventinnen in seinem Netzwerk die Möglichkeit, Führungsrollen zu übernehmen, sowie Plattformen, über die sie gemeinnützig tätig und aktiv sein können. Dies ermöglicht ihnen, ihre eigenen Zukunftsaussichten zu verbessern und gleichzeitig ihren Gemeinden etwas zurückgeben und die nächste Generation aus der Armut zu befreien.

Zentrales Anliegen von CAMFED ist es, aufbauend auf der grossartigen Arbeit von CAMA junge Frauen zu fördern, sodass sie Führungsqualitäten entwickeln und sich durch gemeinnützige Aktivitäten für die Bildung von Mädchen einsetzen können. Geldgeber wie The Queen’s Commonwealth Trust sind dabei wichtige Partner.

Ziel ist zudem, auch ausserhalb des Klassenzimmers mehr zu bewirken – durch Massnahmen zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktivität und Nachhaltigkeit sowie den kontinuierlichen Ausbau der Kompetenzen, Beziehungen und Assets, die junge Menschen in ländlichen Regionen benötigen, um ihr eigenes Unternehmen gründen. Auf diese Weise können auchneue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Von der Grundschule bis zur Universität und darüber hinaus bringt die Bildung von Mädchen und jungen Frauen exponentielle Vorteile für die Gesundheit der Einzelnen, die Gemeinschaften und die Wirtschaft mit sich. Wie CAMFED und Frauen wie Angeline zeigen, ändert sich alles, wenn Mädchen Zugang zu Bildung erhalten.