Technologie. Mehr Segen als Fluch.
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Technologie. Mehr Segen als Fluch.

Spätestens seit dem Siegeszug des Internets und des Smartphones ist Technologie im Leben der Menschen allgegenwärtig. Das Credit Suisse Sorgenbarometer 2018 zeigt auf, wie Schweizer und Amerikaner ihre Auswirkungen beurteilen.

Im Rahmen des jüngsten Credit Suisse Sorgenbarometers fragte das Meinungsforschungsinstitut gfs.bern 2‘551 Schweizerinnen und Schweizer, wie sie die Auswirkungen der Technologie beurteilen. Es setzte die Resultate zudem in Relation zu Daten aus den USA, erhoben von The Harris Poll.

Praktisch gleichauf liegen Schweizer und Amerikaner bei ihrer Einschätzung des Einflusses von Technologie auf das Zusammenleben. Hier wie da finden rund 70 Prozent, dass Technologie die zwischenmenschliche Kommunikation abwerte, und etwa 50 Prozent, dass sie das soziale Leben verbessere. Was zunächst wie ein Widerspruch erscheint, könnte dahingehend aufgelöst werden, dass zwischenmenschliche Kontakte bei gewissen Tätigkeiten (Einkaufen, Behördengänge) zwar tatsächlich abnehmen, dass der daraus resultierende Zeitgewinn aber dem sozialen Leben zugutekommt.

In Bezug auf das schöpferische Potenzial trauen die Amerikaner der Technologie mehr zu als die Schweizer. 68 Prozent bejahen, dass Technologie die Kreativität fördere, während in der Schweiz 58 Prozent zustimmen.

Die höchsten Zustimmungswerte finden sich bei der Frage, ob Technologie die Gesellschaft bequem mache. In den USA sind 73 Prozent der Befragten dieser Ansicht, in der Schweiz gar 87 Prozent. Online- und Mobiledienstleistungen, durch die der Gang in die Buchhandlung, an den Billettschalter oder immer öfter sogar zum Arzt überflüssig wird, werden zwar geschätzt, da sie zweifelsohne sehr praktisch sind und Zeit sparen. Autos, die selbst fahren, sind bequem, da man sich nur zurückzulehnen braucht. Auch der Kühlschrank, der selbständig einkauft, wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Gleichzeitig sind die Menschen jedoch der Meinung, dass Technologie einer zunehmenden Faulheit der Gesellschaft Vorschub leiste. Kann man sein Leben per Knopfdruck vom Sofa aus organisieren, so sieht man womöglich nur noch wenig Grund, sich in die Niederungen anstrengenderer Verrichtungen zu begeben.

Insgesamt hohe Zustimmungswerte

Bei allen Unterschieden überwiege das Gemeinsame, erklärt der Politologe Thomas Kurer. «Sowohl in den USA als auch in der Schweiz werden die Auswirkungen der Technologie mehrheitlich positiv beurteilt. 79 resp. 71 Prozent sind der Ansicht, Technologie verbessere ihre Lebensqualität. Derart hohe Zustimmungswerte konnten angesichts der immer wiederkehrenden, medial verbreiteten These, dass Technologie ein Jobkiller sei, nicht unbedingt erwartet werden.»

Obwohl die Mehrheit bezüglich Jobsicherheit optimistisch ist, zeigen die Daten aus der Schweiz aber auch, dass eine Polarisierung stattgefunden hat. Einem grossen Anteil von Gewinnern steht eine Minderheit von rund 20 Prozent Verlierer gegenüber, die durchaus berechtigte Ängste haben.

«Mit zunehmender Polarisierung wird auch der Ruf nach Solidarität lauter», so Kurer. «Die Sozialwerke sehen sich einem erhöhten Reformdruck ausgesetzt, um dem Auseinanderdriften der Gesellschaft kompensierend entgegenzuwirken.»