Die Steuervorlage 17 wird den Standortwettbewerb intensivieren
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Die Steuervorlage 17 wird den Standortwettbewerb intensivieren

Der Standortqualitätsindikator 2017 der Credit Suisse zeigt Zug, Zürich und Aargau unverändert an der Spitze. Appenzell Ausserrhoden überholte die Kantone Thurgau und Obwalden. Der Wettstreit um Unternehmen dürfte bald in eine neue Runde gehen.

Der intensive Standortwettbewerb zwingt die Schweizer Kantone und Regionen, ihre Attraktivität zu optimieren. Der jährliche Standortqualitätsindikator (SQI) der Credit Suisse misst die Attraktivität der Schweizer Regionen und Kantone für Unternehmen. Er fokussiert auf sieben «harte» Standortfaktoren und ist damit einerseits ein Wegweiser für Unternehmen, die verschiedene Standorte evaluieren, andererseits kann er als Benchmarking-Instrument für die Optimierung der kantonalen oder regionalen Standortpolitik dienen.

Unverändertes Spitzenfeld, Bewegung in der Mitte

Der Kanton Zug steht seit Jahren mit einigem Abstand an der Spitze des Kantonsrankings, gefolgt von Zürich. Der Kanton Aargau verteidigt den dritten Rang vor Basel-Stadt. Diese Standorte weisen die günstigste Kombination von Attraktivitätsfaktoren auf. Ebenfalls klar überdurchschnittliche Resultate erreichen die Kantone Nidwalden, Schwyz und Luzern. Im breiten Mittelfeld positionieren sich diverse Agglomerationskantone sowie der Stadtkanton Genf. Unterhalb des Landesmittels kommen ländliche und gebirgige Kantone zu liegen. Im Vergleich zum Vorjahr konnte sich Appenzell Ausserrhoden verbessern und ist an Thurgau und Obwalden vorbei vom 10. auf den 8. Rang vorgerückt. Der Kanton Schwyz zieht knapp an Luzern vorbei. Der Kanton Waadt rückt dank der Senkung der Unternehmenssteuern näher an Solothurn heran. Die peripheren Kantone Jura und Wallis weisen die geringste Standortqualität auf. Deren natürliche Rahmenbedingungen – zum Beispiel die Topografie oder die längeren Fahrzeiten in die grösseren Wirtschaftszentren – erschweren die Standortpolitik und sind weitgehend unveränderbar. Gleichwohl lässt sich die Positionierung beeinflussen, wie etwa das Beispiel des Kantons Uri zeigt, der dank einer attraktiven Besteuerung einen besseren Rang erreicht als andere Bergkantone.

Kantonsranking

Kantonsranking

Quelle: Credit Suisse

Erhebliche Unterschiede innerhalb von Kantonen

Für grössere, heterogene Kantone wie Bern, Waadt, Tessin oder Graubünden greift die Kantonssicht zu kurz. Aus diesem Grund betrachten die Analysten der Credit Suisse die Standortqualität zusätzlich auf Ebene der 110 Wirtschaftsregionen (detaillierte Resultate in der Studie). Die Zentren Zürich, Zug, Baden, Luzern, Basel und Bern sowie die Agglomerationen zählen zu den attraktivsten Regionen für Unternehmen, was hauptsächlich ihrer verkehrstechnischen Erreichbarkeit zu verdanken ist. In der Romandie kann sich Nyon deutlich von seinen Nachbarregionen distanzieren, im Tessin tun dies die Regionen Mendrisio und Lugano. Die Regionen im Alpen- und Jurabogen sind aus Sicht der Unternehmen klar weniger attraktiv, was durch ihre Topografie und die teilweise beträchtlichen Fahrzeiten in die Ballungszentren bedingt ist.

Steuervorlage 17: intensiver Wettbewerb über ordentliche Steuersätze

Nach der deutlichen Ablehnung der Unternehmenssteuerreform (USR) III haben Bundesbehörden und Parlament rasch die Arbeit an einer neuen, konsensfähigen Vorlage aufgenommen. Die Abschaffung der kritisierten Sonderbesteuerung für Statusgesellschaften ist unbestritten. Im Vergleich zur USR-III-Vorlage möchte der Bundesrat die Möglichkeiten der Kantone, die Bemessungsgrundlage zu verringern, verkleinern: Die Möglichkeit, Erträge aus Immaterialgüterrechten in einer sogenannten Patentbox gesondert auszuweisen und niedriger zu besteuern als andere Erträge, dürfte eingeschränkt werden. Die Abzüge für Forschung und Entwicklung werden voraussichtlich auch enger gefasst. Zusammen soll die maximale Entlastung auf Kantonsebene 70 statt 80 Prozent betragen; die zinsbereinigte Gewinnsteuer wird wohl ganz fallen gelassen. Insgesamt wird der Spielraum für massgeschneiderte steuerpolitische Massnahmen also etwas kleiner.

Gleichzeitig soll aber der Kantonsanteil an der direkten Bundessteuer nur auf 20,5 statt auf 21,2 Prozent erhöht werden. Die Kantone hätten also etwas weniger Geld zur Verfügung, um die Senkung der ordentlichen Gewinnsteuersätze zu finanzieren. Es bleibt also abzusehen, ob die Kantone an den anlässlich der USR III angekündigten und zum Teil drastischen Reduktionen der Steuersätze festhalten werden. Kantone mit vielen Statusunternehmen und hohen ordentlichen Steuersätzen stehen jedoch unter Zugzwang: Der Wettbewerb um Unternehmen dürfte wieder an Intensität gewinnen.

Periphere Regionen profitieren von höher ausgebildeten Pendlern

Bei der Verfügbarkeit von hochqualifizierten Arbeitskräften zeigt sich ein Stadt-Land-Graben. In urbanen Regionen sowie den näheren Agglomerationsräumen verfügen über 40 und in der Stadt Zürich gar 52 Prozent über ein Diplom einer Fachhochschule, einer Universität oder einer höheren Fachschule. In ländlichen Regionen liegt der Anteil unter 20 Prozent. Neben den dort ansässigen Personen gehören aber auch Zupendler und Grenzgänger zum Arbeitskräftepool einer Region. Diese Arbeitskräfte verfügen häufig über eine höhere Ausbildung als die ansässigen Personen. So liegt die Tertiärquote der Zupendler in der Zentral- und Westschweiz, aber auch in den Kantonen Solothurn, Aargau und Schaffhausen, vielerorts mehr als 10 Prozent höher als jene der dort wohnhaften Personen.

Hochqualifizierte wohnen bevorzugt in den urbanen Wirtschaftszentren

Hochqualifizierte wohnen bevorzugt in den urbanen Wirtschaftszentren

Anteil der ansässigen Personen im Erwerbsalter mit einer Tertiärausbildung, 2011 – 2015 in Prozent

Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse, Geostat

Zupendler und Grenzgänger oft mit höherer Ausbildung als Ansässige

Zupendler und Grenzgänger oft mit höherer Ausbildung als Ansässige

Anteil der Zupendler und Grenzgänger im Erwerbsalter mit einer Tertiärausbildung, 2011 – 2015, nach Arbeitsregion in Prozent.

Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse, Geostat