Sorgenbarometer 2016: Die Schweiz ist zuversichtlich
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Sorgenbarometer 2016: Die Schweiz ist zuversichtlich 

Die Hauptsorgen erscheinen weniger bedrohlich, das Vertrauen in die Akteure hat zugenommen, die Wirtschaftssituation wird positiv beurteilt. Das Sorgenbarometer der Credit Suisse zeigt: In der Schweiz wächst der Optimismus. 

Arbeitslosigkeit, Ausländer, Altersvorsorge – die drei Topsorgen der Schweizerinnen und Schweizer sind die gleichen geblieben wie in den letzten Jahren. Und doch hat sich in der Tendenz etwas verändert. Die drei A-Sorgen scheinen einiges von ihrer Bedrohlichkeit verloren zu haben. 2003 nannten 63 Prozent der Befragten die Arbeitslosigkeit als ein Hauptproblem, letztes Jahr 56 Prozent; jetzt sind es noch 45 Prozent. Ähnliches gilt für die Altersvorsorge: Sie bereitete im Vergleichsjahr 2003 59 Prozent der Bevölkerung Sorgen, letztes Jahr waren es 38 Prozent; heute noch 28 Prozent.

Die Top-Sorgen der Schweizer 2016

Bei den Ausländern wiederum war seit 2003 ein beinahe kontinuierlicher Anstieg von 18 Prozent auf 43 Prozent im letzten Jahr festzustellen, jetzt erfolgte ein deutlicher Rückgang um 7 Prozentpunkte (pp); parallel dazu ist auch bei den Flüchtlingen respektive Asylbewerbern ein Rückgang um 9 pp auf 26 Prozent bei der Nennung als eine der Hauptsorgen festzustellen. Diese Entwicklung hätte man nicht unbedingt erwartet. Man kann dies einerseits als Lob für die Politik und die involvierten Institutionen interpretieren, anderseits zurückführen auf den Rückgang an Asylgesuchen gegenüber 2015 – allerdings nicht im Vergleich zu früheren Jahren. Der Rückgang der Hauptsorgen schafft Platz für andere Sorgen. Allerdings ist kein Problem sprungartig nach oben geschnellt.

Arbeitslosigkeit, Ausländer, Altersvorsorge – die Top-Sorgen bleiben. 

Am ehesten hätte man dies wegen der zahlreichen Anschläge im (nahen) Ausland bei den Terrorismussorgen vermutet. Mit 14 Prozent (+4 pp) ist der Wert von 2001 (27 Prozent) aber noch weit entfernt. Etwas stärker zugenommen haben die Probleme rund um den Verkehr (15 Prozent, + 7 pp). Vielleicht hat die feierliche Eröffnung des Gotthard- Basistunnels auch andere Verkehrsfragen stärker ins allgemeine Bewusstsein gebracht. Ebenfalls wieder vermehrt in den Fokus gerückt sind die Löhne (14 Prozent, +4pp); der nur geringe Anstieg der Sorgen um die neue Armut (16 Prozent, +1 pp) mag mit der als gut empfundenen wirtschaftlichen Situation zusammenhängen. Ebenfalls angestiegen sind die Sorgen um das Zusammenleben in der Schweiz (11 Prozent, +4 pp).

Bildung und Solidarität fördern

Wie soll die Politik auf den breiten Sorgenkanon reagieren? Wo soll sie die Schwerpunkte setzen? Die bekannten Hauptsorgen erscheinen auch dann an der Spitze, wenn es darum geht, das dringendste Problem
zu nennen, das an erster Stelle gelöst werden sollte. Je 8 Prozent der Stimmbürger nennen die AHV, Ausländerfragen und Arbeitslosigkeit, je 6 Prozent die Asyl- und Flüchtlingsproblematik sowie die Jugendarbeitslosigkeit als Problem Nummer eins.

Besonders wichtig ist die Bildung.

Fragt man jedoch die Bevölkerung, welchen Stellenwert sie bestimmten aktuellen politischen Zielen beimisst, so bekommen auch andere Themen eine hohe Bedeutung. Dies gilt insbesondere für die Förderung der Bildung (93 Prozent sehr oder eher wichtig) sowie die Senkung der Treibhausgasemissionen (86 Prozent sehr oder eher wichtig).

Politik und Wirtschaft versagen selten

Das Vertrauen der Schweizerinnen und Schweizer in ihre Institutionen ist gross. Der Grund könnte die hohe politische und wirtschaftliche Stabilität des Landes sein. Andere Argumente sind: wenig Korruption, eine funktionierende Verwaltung und der Vergleich mit dem Ausland, wo es oft weniger gut läuft als hier.

Die Schweiz und die EU – Gestaltung des künftigen Verhältnisses

Je 60 Prozent der Stimmberechtigten bescheinigen sowohl der Politik als auch der Wirtschaft, in entscheidenden Dingen bloss selten zu versagen. Beide Werte waren noch nie so hoch. 2003 erklärten fast ebenso viele Leute, die Politik (53 Prozent) beziehungsweise die Wirtschaft (57 Prozent) würden oft versagen. Vom Vertrauenszuwachs profitierten vor allem Akteure, denen die Schweizer früher eher skeptisch gegenüberstanden, wie politische Parteien (55 Prozent, +9 pp), denen im Schnitt der letzten 20 Jahre lediglich 29 Prozent der Bevölkerung ein grosses Vertrauen ausgesprochen haben. Dies hat zu einem allgemeinen Zusammenschluss auf sehr hohem Niveau geführt. Binnen Jahresfrist ist der Unterschied zwischen dem ersten und letzten Platz in der Vertrauensrangliste von 30 auf 12 Prozentpunkte zurückgegangen.

Zur Spitzengruppe der Institutionen, denen heute mehr als 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung vertrauen, gehören wie seit Jahren Bundesgericht und Polizei sowie Bundesrat und Ständerat. Dazugekommen sind die Schweizerische Nationalbank (SNB) und Nichtregierungsorganisationen (NGO), wobei Letztere vor zwei Jahren lediglich von 47 Prozent der Befragten das Vertrauen ausgesprochen bekamen. Über einen beachtlichen Vertrauenszuwachs dürfen sich auch die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen (61 Prozent, +14 pp, respektive 53 Prozent, +15 pp) freuen: In den letzten Jahren variierte ihre Beurteilung stark, nun geht der Trend wieder nach oben. Zu den Gewinnern zählt auch die Europäische Union (54 Prozent, + 12 pp).

Den Frankenschock verdaut?

Ihre eigene wirtschaftliche Situation haben die Schweizerinnen und Schweizer noch nie so positiv wie dieses Jahr beurteilt: Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung stufen sie aktuell als gut oder sogar sehr gut ein, und der Zukunftsoptimismus ist gross: 92 Prozent (+ 6 pp) gehen davon aus, dass es ihnen im nächsten Jahr wirtschaftlich gleich gut oder sogar noch besser gehen wird. 

Noch nie war man wirtschaftlich so optimistisch.

Ähnlich wird die allgemeine wirtschaftliche Lage beurteilt. Der Frankenschock scheint überwunden, 81 Prozent (+10 pp) der Befragten glauben, die Konjunktur sei in den vergangenen zwölf Monaten gleichgeblieben oder habe sich verbessert. 63 Prozent (+ 11 pp) gehen davon aus, dass die wirtschaftliche Situation im kommenden Jahr etwa konstant bleibt. 22 Prozent (+2 pp) rechnen mit einer konjunkturellen Verbesserung: Die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer sieht der Zukunft also positiv entgegen.