Schweiz: Wo arbeitet man am längsten für die Steuern?

Wie lange arbeiten die Schweizer für den Staat? Die Antwort fällt sehr unterschiedlich aus. So erreicht ein kinderloses Ehepaar im Kanton Zug den Tax Independence Day doppelt so rasch als im Kanton Neuenburg.

Erwerbstätige Personen in der Schweiz arbeiten nicht nur in die eigenen Taschen. Ein gewisser Betrag des Jahreslohns fliesst über Steuern und Sozialabgaben an den Staat. Je nach Wohnort sowie Familien- und Einkommenssituation unterscheidet sich der zu bezahlende Steuerbetrag stark. Diese Unterschiede werden durch unseren TAX-I (TAX Independence Day) auf eingängige Weise dargestellt. Der TAX-I bezeichnet den Tag, an dem ein Steuerzahler das Geld zum Bezahlen seiner Steuern verdient hat. Dabei gilt die Annahme, dass jeder Steuerzahler vom 1. Januar an erwerbstätig ist und in der Folge sein Erwerbseinkommen zuerst ausschliesslich zum Bezahlen seiner Steuern verwendet.

Zug als langjähriger Spitzenreiter

Der Kanton Zug ist wie auch schon in den Jahren 2013 und 2011 der steuerlich attraktivste Kanton der Schweiz. Sowohl das Doppelverdiener-Ehepaar als auch die Familie und der Studienabgänger erreichen den TAX-I im Kanton Zug früher als in allen anderen Kantonen. Der Kanton Schwyz kann sich unabhängig vom jeweiligen Haushaltstyp auf Platz zwei positionieren.

Westschweiz mit hoher Steuerbelastung

Die höchste Steuerbelastung weist der Kanton Neuenburg auf. Hier muss der gleiche Haushaltstyp mehr als doppelt so lang arbeiten wie im Kanton Zug, um seine Steuern entrichten zu können. Die Abbildung «Steuerbelastung der Schweizer Gemeinden» zeigt die effektive Steuerbelastung für ein Doppelverdiener-Ehepaar pro Gemeinde auf. Die jährliche Steuerbelastung reicht dabei von CHF 18'000 in Wollerau SZ bis knapp über CHF 40'000 in Les Verrières NE. Westschweizer Kantone weisen eine deutlich höhere Steuerbelastung auf als grosse Teile der Zentral- und Ostschweiz. Das Wallis liegt im Mittelfeld. Die Unterschiede sind für das hier abgebildete Doppelverdiener-Ehepaar besonders markant, und die Variation ist grösser als für die Familie und den Studienabgänger.

Markante Unterschiede bei Abzügen und Progression

Im Schnitt erreicht die Familie den TAX-I am 5. März, der Studienabgänger am 14. März und das Doppelverdiener-Ehepaar am 18. März. Eine Betrachtung der einzelnen Modellhaushalte zeigt deutliche Unterschiede im Ranking der Kantone auf. Abhängig von den jeweiligen Abzügen und der Progression des kantonalen Steuersystems sind manche Kantone deutlich attraktiver für Haushalte mit niedrigem Einkommen und Kindern als für Haushalte mit einem hohen Bruttoeinkommen. Verdeutlicht wird dies am Beispiel des Kantons Wallis (vgl. Abb. «TAX-I der Modellhaushalte und Kantone»). Die hohen Kinderabzüge und die stark progressiv verlaufenden Steuersätze lassen die Kurven stark auseinanderklaffen. Ebenfalls familienfreundlich sind die Kantone Genf, Tessin, Graubünden, St. Gallen und Zürich. Die Kantone Luzern und Obwalden zeichnen sich dadurch aus, dass das Doppelverdiener-Ehepaar und der Studienabgänger den TAX-I fast zeitgleich erreichen. Dies ist das Resultat eines wenig progressiven Steuersystems und somit wenig steuerlicher Nachteile für Ehepartner im Vergleich zu unverheirateten Paaren.

Bern verliert vier Plätze

Das Ranking der Kantone hat sich im Vergleich zum Jahr 2013 wenig verändert. Die einzige grössere Veränderung fand im Kanton Bern statt. Hier erreichte das Doppelverdiener-Ehepaar den TAX-I im Jahr 2014 sechs Tage später als noch ein Jahr zuvor. Grund dafür ist die Aufhebung der Gesamtpauschale bei den Berufskostenabzügen. Bern verliert im Ranking dadurch vier Plätze. Weitere Steuererhöhungen betreffen die Kantone Appenzell Ausserrhoden und Glarus, die den TAX-I jeweils einen Tag später erreichten als im Jahr 2013. 

Wettbewerb büsst an Dynamik ein

Die Resultate verdeutlichen den Trend der letzten Jahre. Der Steuerwettbewerb bei den natürlichen Personen hat stark an Dynamik eingebüsst. Die weniger komfortable finanzielle Situation der Kantone sowie kostspielige Reformprojekte wie die Spitalfinanzierung und die Unternehmenssteuerreform III lassen wenig Spielraum für Steuersenkungen bei Privatpersonen offen.