Schweiz leistet Beitrag zum EU-Wachstum

Nach den USA und vor China ist die Schweiz zweitgrösster Abnehmer von Gütern und Dienstleistungen aus der EU. Da Wachstum dort höchste politische Priorität hat, ist der Schweizer Beitrag zur Wachstumsagenda nicht zu unterschätzen.

Die Europäische Union ist von sechs auf 28 Mitgliedstaaten gewachsen und mit einer Einwohnerzahl von über 500 Millionen zum grössten Binnenmarkt der Welt avanciert. Es ist offensichtlich, dass die Schweiz aufgrund ihrer Lage im Herzen Europas in der EU ihren wichtigsten Handelspartner findet. Doch die meisten Menschen sind sich der engen wirtschaftlichen und finanziellen Verflechtungen zwischen der EU und ihren wichtigsten externen Handelspartnern nicht bewusst, wobei die USA an der Spitze liegen, gefolgt von der Schweiz und China. «Sie tragen durch Handels-, Finanz- und andere Beziehungen zur Wirtschaftsaktivität und zum Wohlstand der EU bei», schreibt der Swiss Finance Council (SFC) in einem im Februar 2015 veröffentlichten Diskussionspapier (siehe Box für weitere Informationen zum SFC). Die Beiträge der externen Handelspartner der EU zum Wirtschaftswachstum sowie zur Schaffung von Arbeitsplätzen in der EU sind erheblich und sollten weder übersehen noch unterschätzt werden.

Grosse Handelsströme

Es überrascht nicht, dass der Handel innerhalb der EU rund 60 Prozent der Gesamtwaren- sowie 55 Prozent der Dienstleistungsexporte ausmacht. Doch auch der aussereuropäische Handel der EU entwickelt sich dynamisch. Grösster externer Handelspartner der EU sind die USA. Überraschender ist der zweite Rang der Schweiz, ist doch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA 25 Mal so hoch (siehe Abbildung). Die Schweiz unterhält sehr enge Beziehungen zur EU, wobei die von dort importierten Waren drei Viertel der Schweizer Warenimporte ausmachen und sich im Jahr 2013 auf über EUR 170 Mia. beliefen. Von der Schweiz aus der EU importierte Dienstleistungen erreichten im gleichen Jahr insgesamt EUR 83 Mia. Der hohe Anteil von EU-Dienstleistungsexporten in die Schweiz ist erwähnenswert, da die Transportkosten für Dienstleistungen gering sind und geographische Nähe daher weniger wichtig sein dürfte. Besonders intensiv ist der grenzüberschreitende Handel in den Bereichen Finanzdienstleistungen, professionelle Dienstleistungen, Transport und Tourismus. Im Jahr 2013 ergab die Handelsbilanz beider Volkswirtschaften ein Schweizer Defizit in Rekordhöhe.

Schweiz fungiert als Stabilisator in schwierigen Zeiten

Die Intensität der Beziehung zwischen der EU und der Schweiz zeigt sich auch in ihrem Wachstum und ihrer Handelsdynamik. Erfährt eine Volkswirtschaft eine Konjunkturabkühlung, stellen Exporte in eine andere, dynamischere Volkswirtschaft eine wichtige Unterstützung dar. Ein Anstieg des schweizerischen BIP um einen Prozentpunkt treibt zum Beispiel die EU-Exporte in die Schweiz um annähernd 3,5 Prozentpunkte nach oben. Die schweizerischen Exporte reagieren weniger stark auf die EU-Wachstumsraten: Ein Anstieg des BIP der EU um einen Prozentpunkt führt in der Schweiz zu einem Exportanstieg um 3 Prozentpunkte. Vor Abschluss der ersten bilateralen Abkommen zwischen den beiden Volkswirtschaften war dieser Steigerungseffekt etwas geringer, nämlich zwei Prozentpunkte. «Dies zeigt, wie beide Seiten vom Wachstum der jeweils anderen Volkswirtschaft profitieren und dieses verstärken können. Es deutet darauf hin, dass eine Kündigung der bilateralen Vertrage erhebliche Risiken für Schweizer und EU-Exporteure birgt», so die Warnung des SFC. Besonders augenfällig waren die Einnahmen aus dem Extra-EU-Handel nach der jüngsten Finanzkrise, insbesondere in der Folge der Eurokrise ab dem Jahr 2010 (siehe Abbildung). Die EU hat seitdem vom recht hohen Nachfragewachstum ihrer Extra-EU-Handelspartner profitiert, wobei vor allem die USA, die Schweiz, Norwegen und Kanada ins Gewicht fallen.

Schweizer Unternehmen schaffen mehr als 1 Million Jobs in der EU

Die Fähigkeit eines Landes, ausländische Direktinvestitionen (ADI) anzuziehen, ist ein wichtiger Indikator und ein bestimmender Faktor für seine Wettbewerbsfähigkeit. Auch eine gemeinsame Sprache oder andere Formen politischer, kultureller und rechtlicher Affinitäten sind bei der Förderung von ADI von Bedeutung. Der globale Bestand an ADI belief sich Ende 2013 auf rund EUR 19,3 Bio., wobei die EU bei den ADI-Zielen an erster Stelle lag. Dank ihrer Aufgeschlossenheit in Bezug auf Handel und Investitionen ist die Schweiz nach den USA der zweitgrösste ausländische Direktinvestor in der EU, wohin 43 Prozent der gesamten schweizerischen ADI bzw. EUR 567 Mia. fliessen. Die starke Präsenz schweizerischer Unternehmen in der gesamten EU verschafft fast 1,15 Millionen Menschen Beschäftigung. EU-Unternehmen tätigten im Jahr 2013 ihrerseits ADI in Höhe von EUR 674 Mia. in der Schweiz und beschäftigten rund 230'000 Menschen, 5 Prozent der Gesamtzahl der Beschäftigten in der Schweiz. «Schweizerische Unternehmen sind wichtige Arbeitgeber in der EU, schaffen Sie doch annähernd fünf Arbeitsplätze für jeden Arbeitsplatz, den EU-Arbeitgeber in der Schweiz schaffen», betont der SFC.

Verstärkte Kooperation gewünscht

Verstärkte politische Beziehungen zwischen der EU und Nicht-EU-Staaten oder anderen grossen Handelszonen könnten erhebliche handelsfördernde Auswirkungen haben. «Aus wirtschaftlicher Sicht ist es daher für die EU sinnvoll, möglichst enge Beziehungen zu wirtschaftsstarken Ländern wie den USA sowie zu in direkter Nähe gelegenen, sehr offenen Volkswirtschaften in Europa wie der Schweiz und Norwegen zu etablieren», so der SFC. Sondierungsgespräche zwischen der EU und der Schweiz mit dem Ziel der Definition eines institutionellen Rahmens für die Weiterentwicklung der bilateralen und sektorspezifischen Zusammenarbeit haben stattgefunden. Die Suche nach einem gemeinsamen Ansatz wird jedoch dauern, stimmten die Schweizer Wähler letztes Jahr doch für eine Initiative, welche der Regierung des Landes die Steuerung der Zuwanderung durch Quoten auferlegt. Solche Quoten widersprechen jedoch dem in dem bilateralen Abkommen der beiden Partner verankerten Grundprinzip der Personenfreizügigkeit. «In den nächsten Jahren würden mit Sicherheit sowohl die EU als auch die Schweiz von einer weiteren Vertiefung ihrer einzigartigen Beziehung profitieren, vor allem, wenn der bilaterale Prozess mithilfe vereinbarter institutioneller Regeln verstärkt und zudem ausgedehnt werden kann, nämlich auf Finanzdienstleistungen. Abnehmer von Finanzdienstleistungen sowohl in der EU als auch in der Schweiz würden deutlich von wirklich gleichen Wettbewerbsbedingungen profitieren, da die grenzüberschreitende Ausdehnung die Effizienz der Vermittlung von Ersparnissen steigern würde, wobei die schweizerischen Kapitalmärkte ein wichtiger Bestandteil der zukünftigen europäischen Kapitalmarktunion werden», so der SFC. Europa steht am Scheideweg. Die Förderung einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen der EU und ihren Partnern wie dem Finanzplatz Schweiz wäre sehr zu begrüssen.