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Die Schweiz – ein neues Zentrum für den Renminbi?

Die jüngsten Massnahmen positionieren die Schweiz als Renminbi-Zentrum. Für den Schweizer Finanzsektor bedeutet dies eine längerfristige Ausrichtung auf die grossen Trends in China, einem Markt mit enormem Potenzial. 

Die Schweiz entwickelt sich zunehmend zu einem Zentrum für die chinesische Währung, den Renminbi. Wegen der engen Handelsbeziehungen mit China ist diese Entwicklung von grosser Bedeutung. Das im letzten Sommer unterzeichnete Freihandelsabkommen dürfte den Export zusätzlich ankurbeln. Eine gute Ausgangslage für das Chinageschäft der Schweiz und ihres Finanzsektors insgesamt.

Anhaltend dynamische chinesische Wirtschaft

Das Wirtschaftswachstum in China hat sich in letzter Zeit zwar verlangsamt, es verläuft aber noch immer deutlich schneller als in den meisten anderen Ländern der Welt. Festlandchina festigt derzeit seine Stellung als zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt. Diese Stellung verdankt das Land jährlichen Wachstumsraten von über 10 Prozent während der letzten beiden Jahrzehnte. Der jüngste Konjunktureinbruch der aufstrebenden Supermacht «dürfte wohl zum Teil von Massnahmen zur Verbesserung der Finanzstabilität ausgelöst worden sein. Ebendiese Massnahmen werden andererseits wohl für eine stärkere Nachhaltigkeit des chinesischen Wirtschaftswachstums sorgen», sagt der Leiter Economic Research der Credit Suisse, Oliver Adler.

Trotz Konjunktureinbruch nach wie vor überdurchschnittliches Wachstum in China

Trotz Konjunktureinbruch nach wie vor überdurchschnittliches Wachstum in China 

Quelle: Datastream, Credit Suisse 

Dynamische schweizerisch-chinesische Handelsströme

Die starken Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und China sind für beide Partner von erheblichem Nutzen. Mit jedem Anstieg der chinesischen Wirtschaftsleistung um 1Prozent stieg die chinesische Nachfrage nach Schweizer Gütern um 3,4 Prozent und lag damit deutlich über der Nachfrage nach Gütern anderer Handelspartner, beispielsweise der Eurozone (2,7 Prozent) oder der USA (2,2 Prozent). Der Hauptgrund ist der zunehmende Wohlstand in China, der die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Schweizer Produkten wie Pharmazeutika, Maschinen und Uhren überproportional beflügelt. Die wechselkursabhängige Elastizität der Nachfrage, ein weiterer für die Handelsströme generell wichtiger Faktor, ist sehr gering. Dies bedeutet, dass die Nachfrage kaum auf Wechselkursänderungen reagiert. «Insgesamt dürfte die chinesische Nachfrage nach Schweizer Produkten daher nicht allzu sehr unter dem starken Schweizer Franken leiden», betont Adler. Im letzten Jahr flossen fast 8 Prozent der Schweizer Exporte bzw. 18 Milliarden Schweizer Franken in den chinesischen Markt. Festlandchina führt in erster Linie Pharmazeutika und Maschinen ein, während Hongkong hauptsächlich Armbanduhren und Schmuck importiert. «In den letzten zehn Jahren war der Beitrag Chinas zum Schweizer Exportwachstum fast genauso gross wie derjenige der USA und nur etwas kleiner als derjenige Grossbritanniens», fügt er hinzu.

Pharma und Uhren als Schweizer Exportschlager in China

Pharma und Uhren als Schweizer Exportschlager in China 

Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, Credit Suisse 

Zusätzlicher Exportauftrieb durch Freihandelsabkommen

Das vor rund einem Jahr in Kraft getretene chinesisch-schweizerische Freihandelsabkommen von Juli 2014 dürfte die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern zusätzlich stärken. In Europa ist die Schweiz nämlich das erste Land, das ein derart umfassendes Handelsabkommen mit China abgeschlossen hat. «Weder die Europäische Union noch die USA geniessen Handelserleichterungen, die auch nur im Entferntesten vergleichbar sind», betont Adler. Nach Schätzungen von Switzerland Global Enterprise, der staatlichen Agentur für Handel und Investitionen, können schweizerische Firmen beim Export nach China zwischen 2014 und 2028 potenziell Zollabgaben in Höhe von insgesamt rund 5,8 Milliarden Schweizer Franken einsparen – ein erheblicher Wettbewerbsvorteil. Die Schweiz ist weltweit eines der wenigen Länder, das zurzeit einen Handelsbilanzüberschuss gegenüber China/Hongkong ausweist, da die Schweizer Exporte ihre Importe übersteigen.

Neue Hubs im Ausland dank Renminbi-Internationalisierung

Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft schafft Vermögen; somit wächst auch der Bedarf an Vermögensverwaltung. «Die Internationalisierung des Renminbi eröffnet geschäftliche Chancen für internationale Renminbi-Offshore-Zentren, das heisst auch für die Schweiz», so Christine Schmid, Leiterin Global Equity and Credit Research der Credit Suisse. «Renminbi-Zentren sind Plattformen für internationale Geschäfte in chinesischer Währung, aber auch Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung von auf Renminbi lautenden Finanzdienstleistungen, die über reine Devisengeschäfte und Abwicklungen hinausgehen», erklärt sie. Inzwischen erfüllt die Schweiz die wesentlichen Voraussetzungen für einen Renminbi-Hub: Im Juli 2014 haben die Zentralbanken beider Länder ein bilaterales Swap-Abkommen abgeschlossen, das wechselseitige Devisengeschäfte in den Landeswährungen von bis zu maximal 150 Milliarden Renminbi (21 Milliarden Schweizer Franken) ermöglicht. Im Januar folgte die Unterzeichnung einer Absichtserklärung über die Einrichtung eines Renminbi-Clearings für den Handel in der Schweiz; zudem kündigte die chinesische Zentralbank an, ihr Pilotprogramm für qualifizierte ausländische Renminbi-Anleger (RQFII) auf die Schweiz zu erweitern. Vier Monate später beantragte die staatseigene China Construction Bank (CCB), eine der vier grössten Banken des Landes, eine Banklizenz in der Schweiz, um ihr Renminbi-Geschäft von Zürich aus zu tätigen. Weitere chinesische Banken dürften in Bälde nachziehen. Staatseigene chinesische Banken haben in den letzten Jahren ins Ausland expandiert, insbesondere um die Internationalisierung des Renminbi zu erleichtern.

Viele Vorteile für die Schweiz

Dank dem bilateralen Devisen-Swap-Vertrag und der Erteilung der Banklizenz an die CCB durch die zuständige schweizerische Aufsichtsbehörde FINMA erfüllt die Schweiz die wesentlichen Voraussetzungen für ein europäisches Renminbi-Handelszentrum. «Nicht nur das Wirtschafts- und Finanzzentrum Schweiz profitiert vielfach von dieser Entwicklung, sondern auch die chinesischen Kunden», sagt Schmid. Letztere können nun bei ihren Transaktionen die üblichen Dienstleistungen nutzen. Zudem stehen ihnen Dienstleistungen in Renminbi zur Verfügung, beispielsweise Handelsfinanzierungen, börsengehandelte Geldmarktfonds oder Kapitalmarktgeschäfte. Vermögensverwaltungs- und Risikomanagement-Dienstleistungen ergänzen dieses Angebot. Daher begrüsst und unterstützt die Credit Suisse den anhaltenden Dialog zwischen den beiden Staaten und ihre Zusammenarbeit in Fragen, die die gesamte Finanzbranche angehen. «Auf diesem Weg positioniert sich der gesamte Finanzsektor der Schweiz als internationales Finanzdienstleistungszentrum mit einer langfristigen Ausrichtung auf den chinesischen Markt. Dies ist ein Meilenstein im erfolgreichen und pragmatischen Ausbau der Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern», betont die Bank.