Schweizer KMU: Strategien gegen den Fachkräftemangel
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Schweizer KMU: Strategien gegen den Fachkräftemangel

Die Credit Suisse hat in der Schweiz rund 1'900 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) befragt. Insgesamt bewerten sie den Wirtschaftsstandort Schweiz positiv. Etwa der Hälfte aller befragten Firmen macht jedoch der Fachkräftemangel zu schaffen. Die betroffenen Unternehmen reagieren unterschiedlich auf diese Herausforderung.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bezeichnen den Standort Schweiz insgesamt als erfolgsfördernd. Acht von neun Standortfaktoren wirken sich gemäss den befragten Firmen positiv auf ihren Geschäftserfolg aus, allen voran der Faktor «Mitarbeiter und Qualifikationen». Nur der Faktor «Auslandsverflechtung» wirkt eher negativ, was wesentlich auf den nach wie vor starken Franken zurückzuführen sein dürfte. Unter dem Eindruck der generell aufgehellten Konjunkturlage beurteilen die befragten Unternehmen den Standort Schweiz insgesamt etwas positiver als 2016. Auch bezüglich der künftigen Entwicklung der Standortbedingungen sind sie etwas optimistischer als im Vorjahr. Allerdings erwarten vier von zehn Firmen eine Verschlechterung der regulatorischen Rahmenbedingungen.

Acht der neun Erfolgsfaktoren werden als erfolgsfördernd eingestuft

Acht der neun Erfolgsfaktoren werden als erfolgsfördernd eingestuft

Bedeutung (2016) und Einfluss (2017) der Erfolgsfaktoren heute: Saldi der gewichteten positiven und negativen Antworten

Quelle: Credit Suisse KMU-Umfragen 2017 und 2016

Rund 90'000 KMU akut vom Fachkräftemangel betroffen

Eine zentrale Herausforderung ist der Fachkräftemangel. So zeigen die Ökonomen der Credit Suisse, dass mehr als die Hälfte der rekrutierenden Firmen Mühe hat, geeignete Kandidaten für offene Stellen zu finden. Rund ein Viertel der befragten Unternehmen ist sogar akut vom Fachkräftemangel betroffen – auf die Schweiz hochgerechnet wären dies also rund 90'000 KMU. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein KMU vom Fachkräftemangel betroffen ist, hängt unter anderem von dessen Standort ab. Unternehmen aus grossen Städten stossen tendenziell weniger häufig auf Rekrutierungsschwierigkeiten als Betriebe in ländlichen Gemeinden und Bergregionen. Auch KMU aus dem Tessin und der Genferseeregion kämpfen weniger häufig mit einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Die Firmen aus diesen Regionen dürften von der überdurchschnittlich hohen Zahl an Grenzgängern profitieren.

45 Prozent haben Mühe, Kandidaten zu finden

45 Prozent haben Mühe, Kandidaten zu finden

Balken: Antwort auf Frage, wie sich Suche nach Kandidaten gestaltete
Kreis: Antwort auf Frage nach Grund für Fachkräftemangel, FK = Fachkräfte

Quelle: Credit Suisse KMU-Umfrage 2017; *in den letzten fünf Jahren nicht rekrutiert

KMU setzen auf Weiterbildung

Schweizer KMU reagieren unterschiedlich auf den Fachkräftemangel. Die Rekrutierung im Ausland ist bei weitem nicht die einzige Option, wenn auch grössere KMU und solche in den Grenzregionen häufiger zu diesem Mittel greifen. An erster Stelle steht die Aus- und Weiterbildung. Rund 80 Prozent der befragten KMU unterstützen manchmal oder häufig Aus- und Zusatzausbildungen von Mitarbeitenden, 53 Prozent bilden Lernende aus. Massnahmen wie die aktive Suche an Berufsmessen, auf Jobportalen oder über Personalvermittler, die Einstellung von Temporärmitarbeitenden oder Freelancern, das Outsourcing oder die Förderung der Beschäftigung über das Rentenalter hinaus stehen deutlich weniger oft im Vordergrund. Es lassen sich jedoch einige interessante Unterschiede erkennen. Unternehmen, welche grosse Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Fachkräften erleben, engagieren sich überdurchschnittlich stark auf Berufsmessen oder nutzen öfter die Dienste von Personalvermittlern.

Unternehmen müssen sich auf demografischen Wandel vorbereiten

In den nächsten Jahren werden die beiden globalen Megatrends Digitalisierung und demografische Alterung den Arbeitsmarkt und damit die Fachkräftesituation massgeblich prägen. In der kommenden Dekade geht die Baby-Boom-Generation in Rente. Statt 88'000 Personen wie im Jahr 2015 erreichen 2030 über 125'000 Personen das ordentliche Rentenalter. Entsprechend muss in den nächsten Jahren eine zunehmend grosse Zahl an Arbeitskräften laufend ersetzt werden. Trotzdem schätzen Schweizer KMU den Zusatzbedarf an Fachkräften aufgrund von Mitarbeiterpensionierungen überwiegend als gering bis moderat ein. Nur knapp 15 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, dass ihr Bedarf künftig stark steigen werde. Schweizer KMU werden jedoch nicht darum herum kommen, sich der Herausforderung eines (bestenfalls) stagnierenden und alternden Arbeitskräftepotenzials zu stellen. Die Beschäftigung von Mitarbeitenden über das gesetzliche Rentenalter hinaus wäre eine Strategie, um den Fachkräftebedarf zu sichern. Derzeit setzt jedoch lediglich knapp jedes vierte KMU manchmal oder oft auf diese Massnahme.

Digitalisierung kann Fachkräfte ersetzen, führt aber zu neuem Bedarf

Auch die Automatisierung und Digitalisierung könnten die Auswirkungen der demografisch bedingten Stagnation der Erwerbsbevölkerung kompensieren. Gemäss den Berechnungen der Ökonomen der Credit Suisse gehen heute rund 49 Prozent der Erwerbstätigen einem Beruf mit mittlerem und 6 Prozent einem Beruf mit hohem Automatisierungspotenzial nach. Bereits heute setzt gut ein Viertel der befragten KMU auf Digitalisierung und Automatisierung als explizite Mittel gegen den Fachkräftemangel. Allerdings führt die Digitalisierung auch zu zusätzlichem Bedarf an Fachkräften. Gemäss Umfrage erwarten 38 Prozent der Schweizer KMU im Kontext der Digitalisierung einen Anstieg des Bedarfs an Arbeitskräften mit spezifischen Fachkenntnissen, nur 8 Prozent rechnen mit einem Rückgang. Ob die Digitalisierung den Fachkräftebedarf letztlich netto erhöht oder senkt, kann heute allerdings kaum beurteilt werden.