Schweizer KMU: Mit neusten Technologien gegen Standortnachteile
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Schweizer KMU: Mit neusten Technologien gegen Standortnachteile

Schweizer KMU geben dem Standort Schweiz gute Noten, sehen bei den Erstellungskosten aber deutliche Nachteile zum Ausland. Sie setzen in der Bekämpfung dieser Standortnachteile vor allem auf neue Technologien und die Digitalisierung.

In der Schweiz sind weit über eine halbe Million KMU tätig und beschäftigen zusammen mehr als zwei Drittel aller Erwerbstätigen hierzulande. Mittels einer Umfrage analysieren wir jährlich die Einschätzung der KMU zum Standort Schweiz und zu den Rahmenbedingungen. Das Schwerpunktthema der diesjährigen Umfrage bilden internationale Standortnachteile der Schweiz und mögliche Lösungsansätze.

Standort Schweiz für KMU weiterhin erfolgsfördernd – Franken belastet

Insgesamt bezeichnen die KMU die Rahmenbedingungen am Standort Schweiz 2016 als erfolgsfördernd. Ein wichtiger Grund für diese positive Gesamtbeurteilung sind die Mitarbeitenden und ihre Qualifikationen. Sie beeinflussen den Unternehmenserfolg der KMU stark positiv.

Das wirtschaftliche Umfeld und die Auslandverflechtung hingegen belasten aus Sicht der KMU ihren derzeitigen Erfolg. Wichtiger Faktor ist dabei die Frankenstärke: Durch die Frankenaufwertung 2015 büssten viele KMU erneut an preislicher Wettbewerbsfähigkeit im In- und Ausland ein, was letztlich auch das Wachstum der Binnenwirtschaft bremste.

Qualifizierte Mitarbeiter stehen über allen anderen Erfolgsfaktoren

Qualifizierte Mitarbeiter stehen über allen anderen Erfolgsfaktoren

Bedeutung und Einfluss der Erfolgsfaktoren heute: Saldi der gewichteten positiven und negativen Antworten

Quelle: Credit Suisse KMU-Umfrage 2016

Mikrounternehmen und KMU aus dem Transport- und Verkehrswesen skeptischer

Mikrounternehmen (weniger als 10 Mitarbeitende) bewerten den Standort Schweiz etwas vorsichtiger als andere KMU. Sie schätzen den Einfluss von qualifizierten Mitarbeitenden auf ihren Erfolg nicht ganz so positiv ein wie grössere Unternehmen. Das dürfte daran liegen, dass Mikrounternehmen im Vergleich zu grösseren Firmen unter Umständen mehr Schwierigkeiten haben, hochqualifizierte Fachkräfte anzuwerben. Auch KMU aus dem Transport- und Verkehrswesen beurteilen den Standort Schweiz etwas skeptischer, insbesondere im Bereich Infrastruktur. Zu diesem Urteil dürfte das teilweise überlastete Strassennetz beitragen.

Mikrounternehmen sind etwas weniger optimistisch

Mikrounternehmen sind etwas weniger optimistisch

Bewertung des Einflusses der Erfolgsfaktoren heute (1 = negativ, …, 5 = positiv), nach Unternehmensgrösse

Quelle: Credit Suisse KMU-Umfrage 2016

KMU beurteilen Zukunft des Standorts Schweiz zurückhaltender als heutige Situation

Die Zukunft des Standorts Schweiz sehen die KMU im Vergleich zur heutigen Situation etwas skeptischer. Vor allem der Einfluss der regulatorischen Rahmenbedingungen auf den Unternehmenserfolg wird sich gemäss KMU deutlich verschlechtern. Auch das wirtschaftliche Umfeld dürfte sich noch negativer auf ihren Erfolg auswirken. Einen im Vergleich zu heute positiveren Einfluss dürfte jedoch das Schweizer Forschungsumfeld ausüben. Dies soll gemäss KMU in Zukunft von allen abgefragten Erfolgsfaktoren am stärksten an Bedeutung gewinnen.

Bei den Erstellungskosten hat die Schweiz gegenüber dem Ausland deutliche Nachteile

Trotz den aktuell guten Rahmenbedingungen in der Schweiz sehen die KMU auch deutliche Standortnachteile im Vergleich zum Ausland, vor allem bei den Erstellungskosten. Diese umfassen unter anderem Produktions-, Arbeits- und Transportkosten. Insbesondere die Industrie-KMU attestieren dem Ausland grosse Kostenvorteile. Bei der Verfügbarkeit von Fachkräften und der Strenge bzw. Komplexität von Gesetzen sieht die Mehrheit der befragten KMU jedoch keine nennenswerte Standortnachteile für die Schweiz.

Nachteile vor allem bei den Erstellungskosten

Nachteile vor allem bei den Erstellungskosten

Anteil der antwortenden KMU, die dem Ausland mittlere bis grosse Vorteile gegenüber dem Standort Schweiz attestieren, in Prozent

Quelle: Credit Suisse KMU-Umfrage 2016

Neue Technologien und Digitalisierung sind wichtige Massnahmen gegen Standortnachteile

Die wichtigste Massnahme gegen internationale Standortnachteile ist für Schweizer KMU die Einführung neuer Technologien. 72.3 Prozent der befragten KMU setzen in der Bekämpfung von Standortnachteilen der Schweiz stark bis sehr stark auf diese Massnahme. Dabei dürfte die Digitalisierung von Arbeits- und Produktionsprozessen eine bedeutende Rolle spielen. Denn 77.5 Prozent der KMU vertreten die Meinung, dass die sehr starke Nutzung von neusten digitalen Technologien die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Schweizer Unternehmen deutlich erhöhen kann. Zweitwichtigste Massnahme gegen Standortnachteile ist die Entwicklung neuer Produkte oder Dienstleistungen, gefolgt von Investitionen in Mitarbeitende, verstärktem Import von Vorleistungen und Auslagerung ins Ausland.

Bereits mehr als ein Fünftel der befragten KMU stark digitalisiert

Die Bedeutung der neusten digitalen Technologien für Schweizer KMU zeigt sich schon heute: Gemäss unserer Umfrage nutzt bereits mehr als ein Fünftel der befragten KMU diese stark bis sehr stark. Am weitesten vorangeschritten ist die Digitalisierung bei jüngeren und grösseren Unternehmen sowie bei Unternehmen aus der ICT-Branche, der Elektroindustrie und dem Transport- und Verkehrswesen.

Junge KMU sind tendenziell stärker digitalisiert

Junge KMU sind tendenziell stärker digitalisiert

Anteil der antwortenden KMU, die neuste Technologien «stark» bis «sehr stark» nutzen, nach Gründungsjahr

Quelle: Credit Suisse KMU-Umfrage 2016

Roundtable-Teilnehmer setzen auf Digitalisierung, Innovation und klare Standortpolitik

Dass die Erstellungskosten am Standort Schweiz negativ ins Gewicht fallen und die Digitalisierung ein möglicher Lösungsansatz ist, bestätigen auch vier Schweizer Unternehmer im Rahmen einer Roundtable-Diskussion. Insgesamt sehen die vier Teilnehmer den Werkplatz Schweiz in einer schwierigen Phase. Zusätzlich zur Digitalisierung nennen sie Prozess- und Produktinnovationen und deren Finanzierung als proaktiven Lösungsansatz. Ausserdem erhoffen sich die KMU-Vertreter von der Politik eine Vision oder langfristige Strategie dazu, wie der Wirtschaftsstandort Schweiz auf ein neues Niveau gebracht werden könnte.