Konjunktur Schweiz – Jahr(e) der Stagnation

Dank der robusten Lage der Weltwirtschaft dürfte die Schweiz trotz Frankenschock eine Rezession vermeiden können. Starke Wachstumsimpulse sind aber nicht zu erwarten, auch nicht 2016.

Der Blick in den konjunkturellen Rückspiegel zeigt ein angenehmes Bild: 2014 ist die Schweizer Wirtschaft um 2 Prozent gewachsen und das Wachstum hat sich gegen Jahresende sogar beschleunigt.  Zudem war das Wachstum breiter abgestützt als in den Vorjahren – das Wachstum der Binnenwirtschaft hat sich weiter verlangsamt, dafür konnte die Exportwirtschaft stärker zulegen.

Frankenschock trübt zwar die Aussichten …

Die Aufhebung der EUR/CHF-Wechselkursuntergrenze und die darauffolgende Frankenaufwertung haben die Aussichten unmittelbar getrübt. Die Angst vor einer Rezession ist zurück. Tatsächlich dürfte die Wirtschaftsdynamik zum Erliegen kommen bzw. in einzelnen Quartalen sogar negativ sein. Dennoch sollte der Jahresdurchschnitt 2015 über demjenigen des Vorjahres liegen; wir erwarten einen Wachstumswert von 0.8 Prozent. Zu verdanken ist dies der robusten Ausgangslage vor dem Aufwertungsschock: Technisch besteht ein «statistischer Überhang » aus dem Vorjahr von rund 0.8 Prozentpunkten. Bildlich gesprochen reicht eine Fortführung der realen Wirtschaftsleistung des zweiten Halbjahres 2014 bereits aus, damit das Wertschöpfungsniveau 2015 über demjenigen von 2014 liegt.

… eine tiefe Rezession ist aber nicht unser Hauptszenario

Eine tiefe Rezession erachten wir als unwahrscheinlich. Erstens dreht der konsumtragende «Super-Zyklus» – bestehend aus Zuwanderung, Immobilienboom, tiefer Teuerung und tiefen Zinsen – weiter, wenn auch auf tieferen Touren. Zweitens lindern die Erholung in der Eurozone und das solide Wachstum in den USA die negativen Effekte, welche die Exportwirtschaft aufgrund des Verlusts der preislichen Wettbewerbsfähigkeit. Drittens bilden automatische Stabilisatoren, namentlich die Arbeitslosenversicherung (Stichwort: Kurzarbeit), ein konjunkturelles Fangnetz, und nicht zuletzt steht die Schweizerische Nationalbank an der Seitenlinie bereit, sollte sich der Franken zu stark aufwerten.

Nur schwaches Wirtschaftswachstum im Jahr 2016

Die Exportwirtschaft wird wohl noch länger unter der Frankenüberbewertung leiden. Entsprechend sind selbst im kommenden Jahr keine markanten Wachstumsimpulse vom Aussenhandel zu erwarten. Gleichzeitig dürfte die Binnenwirtschaft weiter an Schwung verlieren – fast alle Treiber werden wohl weiter an Schubkraft einbüssen. Entsprechend trübe sind die Aussichten für 2016: Wir erwarten ein unterdurchschnittliches Wirtschaftswachstum von 1.2 Prozent.