«Kredithandbuch Schweiz 2016» liegt druckfrisch vor
Neuste Artikel

«Kredithandbuch Schweiz 2016» liegt druckfrisch vor

Günstiges Kreditumfeld ist nicht ohne Risiken – niedrige Zinsen ermöglichen höhere Verschuldung, Akquisitionen und einen stärkeren Aktionärsfokus.

Das Risikopendel könnte demnächst ausschlagen

Vor dem Hintergrund eines uneinheitlichen Wirtschaftswachstums erzielten die von uns beurteilten Schweizer Unternehmen im Grossen und Ganzen höhere Erträge durch Volumenwachstum, bessere Preise und in einigen Fällen auch Akquisitionen, was allerdings durch den starken Schweizer Franken ausgeglichen wurde. Die Hälfte der erfassten Emittenten verzeichnete dank Kosten- und Effizienzmassnahmen im GJ 2015 höhere Margen, die andere Hälfte dagegen einen Rückgang. Dieser Margenrückgang überstieg dabei die Verbesserungen. Unseres Erachtens wurde das vor allem von Kostensenkungsinitiativen und nicht vom zugrunde liegenden Wachstum getragen, was darauf hindeutet, dass das Risikopendel wegen fehlenden profitablen Wachstums demnächst in die Gegenrichtung ausschlagen könnte. Die Gewinnmargen waren aber im GJ 2015 weiterhin historisch hoch und lagen über dem 7-Jahres-Durchschnitt. Schwächere Margen meldeten vor allem Investitionsgüter- und Baustoffunternehmen sowie jene, die am meisten unter der Frankenstärke litten.

Günstiges Kreditumfeld ist nicht ohne Risiken

Die operativen Cashflows blieben relativ stabil, da die Effizienz des Umlaufvermögens bei der Hälfte der beurteilten Unternehmen im GJ 2015 die geringere Profitabilität kompensierte. Die Investitionsausgaben fielen in unserem Abdeckungsuniversum im Vergleich zum Vorjahr etwas höher aus, wenn der Sonderfall Glencore nicht berücksichtigt wird (das Unternehmen hat seine Investitionen aufgrund der sinkenden Rohstoffpreise drastisch gekürzt).

Gleichzeitig wurden die Dividenden erhöht oder beibehalten, und die Aktienrückkäufe in unserem Abdeckungsuniversum wurden deutlich verstärkt, was den verfügbaren internen Cashflow minderte. Um die Lücke zu finanzieren, nutzten die Emittenten oftmals die derzeit äusserst attraktiven Refinanzierungsbedingungen, die Unterstützung der Zentralbanken für festverzinsliche Anlageklassen sowie den guten Kapitalmarktzugang im Investment-Grade-Bereich. Dank der allgemein sehr soliden Liquiditätssituation (liquide Mittel und ungenutzte Kreditlimiten) der von uns beurteilten Unternehmen im GJ 2015 können die hohen Mittelabflüsse etwas aufgefangen werden, wie der stabile Ausblick bei rund 80 Prozent der von uns abgedeckten Emittenten belegt (90 Prozent, wenn Schweizer Energieversorger nicht berücksichtigt werden). Da wir von einer anhaltenden Fokussierung auf die Aktionäre und weiterem akquisitorischem Wachstum ausgehen, weisen nur drei Unternehmen einen positiven Ratingausblick auf.

Anhaltende Herausforderungen für Energieversorger treiben negativen Ratingtrend

Seit der Veröffentlichung des letzten Handbuchs im August 2015 gab es unseren Erwartungen entsprechend neun Rating-Rückstufungen und eine -Heraufstufung. Der Energieversorgungssektor war erneut für sieben Rückstufungen verantwortlich, da das Marktumfeld für Stromversorger schwierig bleibt. Nach schwachen Ergebnissen im GJ 2015 wurde Axpo im Dezember 2015 und Repower im April 2016 herabgestuft. Dies zog bei fünf Partnerwerken (KGB, KKW Gösgen-Däniken, Kraftwerke Hinterrhein, Kraftwerke Linth-Limmern und Kraftwerke Sarganserland) Ratingänderungen im Einklang mit unserer Ratingmethodik nach sich. Am negativen Ratingausblick für Axpo halten wir fest, was eine mögliche weitere Rückstufung impliziert. Der Ausblick für Repower ist stabil, da seine Bonitätskennzahlen nach einer Kapitalerhöhung die Voraussetzungen für ein Investment-Grade-Rating wieder erfüllen. Eine Heraufstufung wäre möglich, wenn es Repower gelingt, seine Strategie umzusetzen, verschiedene Anlagen zu veräussern und das Betriebsergebnis zu stabilisieren.

Ratings im Unternehmenssektor weitgehend unverändert

Im Unternehmenssektor wurden seit der letzten Ausgabe des Handbuchs zwei Emittentenratings herabgestuft. Bei Sulzer beruhte dies auf einer geplanten zu 100 Prozent schuldenfinanzierten Akquisition, einer Sonderdividende sowie dem Engagement des Unternehmens in dem unter den schwächeren Rohstoffpreisen leidenden Öl- und Gassektor. Aryzta wurde aufgrund des anhaltenden akquisitorischen Wachstums und der deutlichen Verschlechterung der Bonitätskennzahlen auf Sub-Investment-Grade zurückgestuft. Der Ausblick bleibt wegen des starken Aktionärsfokus, Integrationsrisiken und operativer Herausforderungen negativ. Wir haben auch eine Reihe von Ratingausblicken im Hinblick auf eine mögliche Ratingänderung überprüft. Clariant wurde wegen anhaltend schwacher Cashflows und Bonitätskennzahlen von Stabil auf Negativ genommen. Die Flughafen Zürich AG wurde von Stabil auf Negativ gesetzt, was mit der geplanten Erhöhung der Verschuldung und hohen Aktionärsausschüttungen begründet wird. Den Ratingausblick für Valora änderten wir von Negativ auf Stabil, da sich die Bonitätskennzahlen mit der an Zugkraft gewinnenden neuen Strategie leicht verbessern. Bei Geberit wurde der Ratingausblick von Stabil auf Positiv gesetzt, um dem soliden Geschäftsprofil und dem weiteren Schuldenabbau Rechnung zu tragen.

Weiterhin hohe Kreditqualität der öffentlichen Hand

Mit einer Heraufstufung und einer Rückstufung ist die Kreditqualität dieses Sektors weiterhin hoch. Das Rating des Kantons Glarus stuften wir aufgrund solider Ergebnisse im GJ 2015 herauf, jenes des Kantons Basel-Landschaft jedoch zurück, basierend auf schwachen Eigenfinanzierungsverhältnissen und dem Bilanzdefizit durch die Rekapitalisierung der Pensionskasse 2014. Den Ratingausblick des Kantons Uri änderten wir von Stabil auf Positiv, da der Eigenfinanzierungsgrad seit drei Jahren über 100 Prozent beträgt. Den Ratingausblick des Kantons Solothurn nahmen wir von Stabil auf Negativ zurück. Grund dafür sind die langjährigen negativen Eigenfinanzierungsverhältnisse und eine schwächere Bilanz durch die Rekapitalisierung der Pensionskasse.