Supertrends: Kaufkraft in den Schwellenländern steigt
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Supertrends: Kaufkraft in den Schwellenländern steigt

Die letzten Jahre waren von einer Hyperglobalisierung geprägt. Allerdings ist seit einiger Zeit die Entstehung mehrerer regionaler Mächte rund um den Globus zu beobachten, was zu einer eher multipolaren Welt geführt hat. Hat dieses Phänomen die Schwellenländer negativ beeinflusst?

Unabhängige Konsumenten?

Unser Research deutet darauf hin, dass dies nicht zwangsläufig der Fall ist. Zunächst einmal sind Schwellenländer nicht so stark dem internationalen Handel ausgesetzt, wie bisweilen angenommen wird. Ganz im Gegenteil, in den meisten Schwellenländern machen die Exporte nur bis zu einem Drittel des BIP aus. Ausserdem verfügen die Schwellenländer über einen starken Pfeiler in der Binnenwirtschaft: ihre eigenen Konsumenten. Tatsächlich befinden sich viele Schwellenländer nun in einer Entwicklungsphase, in der sie sich in stärker konsumenten- und dienstleistungsorientierte Volkswirtschaften verwandeln können.

Bei der Credit Suisse untersuchen wir seit Jahren die Entwicklung der Konsumenten in den Schwellenländern. Unser jüngster Emerging Market Consumer Survey gelangte zu folgenden Schlussfolgerungen:

  1. Die Befragten sind zunehmend optimistisch in Bezug auf die persönlichen Finanzen und die Inflationsaussichten. Ausserdem schätzen sie die Wahrscheinlichkeit für eine grössere Anschaffung als hoch ein. Was die Verbesserung der persönlichen finanziellen Lage betrifft, sind Volkswirtschaften in Asien derzeit am besten positioniert.
  2. Immobilien wurden im letzten Jahr relativ häufig erworben; die Befragten beabsichtigen jedoch nicht, ihre Ausgaben in diesem Jahr beträchtlich zu erhöhen.
  3. In den Bereichen Tourismus (vor allem Inlandsreisen), Mode und Körperpflege sind die Konsumwünsche am grössten. 
  4. Der höhere Wohlstand und der demografische Wandel haben zu einem Trend hin zu einer gesunden Lebensweise geführt. Die in diesem Jahr befragten Konsumenten haben eine hohe Konsumbereitschaft für Hautpflegeprodukte, hochwertige Nahrungsmittel sowie Sportbekleidung bekundet. Der Konsum von ungesunden Produkten wie Tabak und Alkohol ist rückläufig.
  5. Fahrzeugverkäufe verzeichnen ein jährliches Wachstum von über 20 Prozent.
  6. Konsumenten kaufen heimische Marken, da der Kurs des US-Dollar steigt und Importgüter teuer werden. Im Inland produzierte Güter werden daher attraktiver. «Nationale Konsumenten-Champions» dürften von diesem Trend profitieren. 
  7. Die Konsumenten sind zunehmend vernetzt. In Brasilien haben 91 Prozent der Befragten Zugang zum Internet. Letztes Jahr hatten 57 Prozent der Konsumenten mit niedrigem Einkommen einen Internet-Zugang, gegenüber nur 36 Prozent im Jahr 2012. Fast ein Drittel der Konsumenten kauft online ein – ein Anteil, der sich seit 2011 mehr als verdoppelt hat.
Abbildung: Prozentsatz der Konsumenten mit Internetzugang nach Alter: Wachstum über alle Altersgruppen

Abbildung: Prozentsatz der Konsumenten mit Internetzugang nach Alter: Wachstum über alle Altersgruppen

Quelle: Credit Suisse

Zwar lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, was die makroökonomischen Auswirkungen einer stärker auf die Binnenwirtschaft ausgerichteten Wachstumsphase sein werden. Es scheint jedoch wahrscheinlich, dass wir unsere Aufmerksamkeit auf die Konsumenten in den Schwellenländern richten werden – auf Bereiche, die wir als mehrjährige Anlagethemen betrachten.