Supertrends: Unzufriedene Gesellschaften – enttäuschte westliche Mittelschicht
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Supertrends: Unzufriedene Gesellschaften – enttäuschte westliche Mittelschicht

Seit 2008 schrumpft die westliche Mittelschicht aufgrund wachsender Ungleichheiten – mit politischen und sozioökonomischen Folgen.

Die Jahre der Hyperglobalisierung haben zwar dazu beigetragen, die Ungleichheit zwischen verschiedenen Ländern abzubauen, haben jedoch den Unterschied zwischen Arm und Reich innerhalb einzelner Länder – insbesondere in den Industrieländern – verstärkt. Auf die wirtschaftliche Rezession folgten hohe Arbeitslosigkeit und stagnierende Einkommen. Dadurch hat sich die Situation vieler Mittelstandhaushalte nach der Finanzkrise im Jahr 2008 verschlechtert. Im Gegensatz dazu konnten die wohlhabendsten zehn Prozent der Haushalte ihr Vermögen im gleichen Zeitraum deutlich steigern, was im westlichen Mittelstand zu Verlustgefühlen geführt hat.

Supertrends: Unzufriedene Gesellschaften – enttäuschte westliche Mittelschicht

Die Mittelschicht stellt nicht mehr die Mehrheit

Erwachsene Bevölkerung nach Einkommensstufen (prozentualer Anteil an der Gesamtbevölkerung*).
*Mit Gesamtbevölkerung ist die Summe der mittleren, oberen und unteren Einkommensgruppen gemeint.

Quelle: PEW Research, Credit Suisse

Zudem war die Mittelschicht zunehmend frustriert darüber, auf welche Weise die Politik mit Problemen wie Migration und Terrorismus umging. Dies führte zu einer Mobilisierung der Bürger in den Industriestaaten mit dem Ziel politischer Veränderungen – eine Entwicklung, deren Auswirkungen sich immer deutlicher zeigen. Grossbritannien beschloss, die Europäische Union zu verlassen, während die Wähler in den USA einen politischen Aussenseiter zum Präsidenten machten, der mit dem Vorsatz ins Amt kam, mit politischen Traditionen zu brechen. In der Eurozone gibt es starke Unterstützung für führende Politiker, die sich die Lösung der aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme auf die Fahnen geschrieben haben.

Was der westliche Mittelstand fordert

Die Mittelschicht legt grossen Wert auf Arbeitsplatzsicherheit oder die persönliche Sicherheit. Wir gehen daher davon aus, dass neu gewählte Regierungen versuchen werden, die Binnenwirtschaft durch die Schaffung von Arbeitsplätzen, Lohnerhöhungen sowie die Regulierung oder Besteuerung von Branchen, die als «Arbeitsplatzkiller» gelten, zu stärken. Die neuen Regierungen dürften bestrebt sein, den Wohlstand der Mittelklasse wiederherzustellen und den Privatkonsum anzuregen. Anleger können damit rechnen, dass Sektoren und Unternehmen, die von diesen politischen Entscheidungen profitieren, einen Aufschwung in Bezug auf Umsatz, Ertrag und Marktbewertung verzeichnen werden.

Fokus auf nationale Champions und Marken

In diesem Zusammenhang könnten sogenannte nationale Grossunternehmen massgeblich profitieren. Diese Unternehmen können Nutzniesser leichter merkantilistischer Massnahmen wie staatlichen Anreizen zum Aufbau inländischer Fabriken oder der Aussetzung von Unternehmenssteuern bei Investitionen im Inland sein. Solche nationale «Champions» beschäftigen einen grossen Teil der Belegschaft in ihrem Heimmarkt und sind für ihr Land von strategischem Interesse. 

Nationale Marken hingegen sind die Aushängeschilder nationaler «Champions». Diese Marken sind sehr bekannt und global verbreitet und anerkannt. Sie sind politisch wichtig, daher werden sie von der Politik in ihrem Heimatland geschützt und die Vorteile von politischem Lobbying geniessen. Die meisten nationalen Marken finden sich in den Konsumentensektoren. Darüber hinaus dürften strategisch wichtige Branchen (z. B. allgemeine Industrie und IT, Bauwesen, Telekommunikationsanlagen) Arbeitsplätze für Geringqualifizierte schaffen – die «vernachlässigte» Gruppe in den westlichen Gesellschaften.

Zur Erfüllung ihrer Wahlversprechen werden neu gewählte Regierungen voraussichtlich wirtschaftspolitische Massnahmen zur Beschwichtigung des westlichen Mittelstandes in die Wege leiten. Wir rechnen mit einer Phase, die von wirtschaftspolitischen Massnahmen zur Förderung der Inlandskonsumenten und zur Umverteilung von Wachstum in Sektoren mit hoher inländischer Beschäftigung geprägt ist.