Social Banking – ein zukünftiges Geschäftsmodell?
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Social Banking – ein zukünftiges Geschäftsmodell?

Social Banking bezeichnete früher nachhaltiges Banking. Heute deckt es auch traditionelle Bankgeschäfte ab und verbindet Kunden untereinander oder mit Experten.

Die rasche Ausbreitung interaktiver Technologien hat die gesamte Finanzbranche transformiert. Kunden erwarten heute von ihrer Bank rund um die Uhr Echtzeit-Finanzinformationen und -Services – und Finanzinstitute müssen darauf mit adäquaten digitalen Lösungen reagieren. «Es ist letztlich der Kunde, der entscheidet, wie er mit uns interagieren will. Wir müssen uns darauf einstellen, um sicherzustellen, dass wir seine bevorzugten Kanäle abdecken», so Andreas Tölke, Leiter Content Management, Social Media & Communities bei Digital Private Banking Credit Suisse. Hier erfahren Sie, wie sich Social Banking verändert hat.

Das anhaltende Wachstum von Social bzw. nachhaltigem Banking

Nachhaltiges Banking, das heisst wertorientierte Anlagen mit Schwerpunkt auf den sozialen und/oder ökologischen Auswirkungen der Anlage, ist nichts Neues. Diese Art von Banking gibt es schon seit den 50er-Jahren. Doch heute liegt der Fokus aber ganz gezielt bei Auswahl und Verwaltung von Portfolios auf nachhaltigen Anlagen – ein etablierter Anlageansatz, der ökologische, soziale und Governance-Faktoren berücksichtigt. Nachhaltige Anlagevermögen machten im letzten Jahr ein Drittel aller professionell verwalteten Vermögen weltweit aus. Dieser Markt wächst sowohl in absoluter als auch relativer Hinsicht weiter, Europa ist mit grossem Abstand vor allen anderen Regionen führend. 2014 beliefen sich die globalen Anlagen in nachhaltige Vermögenswerte auf USD 21,4 Bio. Die Schweiz ist mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von knapp 30 Prozent bei verwalteten nachhaltigen Anlageprodukten in den letzten zehn Jahren zu einem der Marktführer geworden. Gemäss der Rangliste des «Forums Nachhaltige Geldanlagen» war die Credit Suisse hinter der Privatbank J. Safra Sarasin unter 24 Anbietern der zweitgrösste Schweizer Vermögensverwalter für nachhaltige Anlageprodukte.

Europa investiert am meisten in soziale (nachhaltige) Anlagen

Social Banking verbindet Kunden untereinander und mit Experten,

Relationship Managers (RMs) waren früher die einzige Anlaufstelle (Single Point of Contact) für Private-Banking-Kunden bei der Interaktion mit ihrer Bank. «Das ist heute anders. Unsere Kunden möchten anders mit uns interagieren. Im Zeitalter sozialer Medien ist Social Banking auch Interaktion von Kunden mit anderen Kunden, RMs oder Experten der Bank über sichere Online-Plattformen», erläutert Andreas Tölke. «Unsere Private-Banking-Kunden möchten laufende Marktentwicklungen oder Anlageideen mit den Experten der Bank besprechen können. Sie erwarten zunehmend auch Zugriff auf Informationen über Ereignisse, die sich auf ihre Anlagen und Portfolios auswirken, direkt von den entsprechenden Spezialisten und Experten», fügt er hinzu. Die Credit Suisse ist bestrebt, diese Erwartungen durch Bereitstellung von Zugang zu entsprechenden Expertenblogs,zu erfüllen. Eine Reihe von Credit Suisse Research-Experten wie Nannette Hechler-Fayd'herbe, Leiterin Investment Strategy, und Rolf Bertschi, Leiter Timing & Sentiment Analysis, bloggen über Aspekte, die von makroökonomischen Themen bis zu Technical Chart Outlooks reichen.

eamXchange – eine florierende Community-Plattform für External Asset Managers

Die Credit Suisse lancierte ihre erste Online-Business-Community, eamXchange, bereits 2013. Die Plattform steht nur External Asset Managers (EAMs) und einer ausgewählten Gruppe von CS-Experten zur Verfügung. «Unsere Kunden vertrauen darauf, dass die Credit Suisse ihnen gute Finanzprodukte und -dienstleistungen anbietet, sie wollen aber auch die Meinungen und Erfahrungen von Dritten hören. Sie wünschen unabhängiges Feedback von EAMs, die unser Angebot nutzen, aber nicht Teil der Wertschöpfungskette der Bank sind», so Andreas Tölke. eamXchange ist eine Plattform, auf der Experten ihre Meinung äussern und die Ansichten von anderen Spezialisten zur Kenntnis nehmen können. «Die meisten Diskussionen konzentrieren sich auf Marktentwicklungen und neue Vorschriften. Die EAMs fragen andere, die ähnliche Problemen haben, wie sie mit dem immer anspruchsvolleren regulatorischen Umfeld umgehen», fügt er hinzu. Die Hauptgründe, warum Finanzinstitute Social-Media-Kanäle im Vergleich mit anderen Sektoren nur eingeschränkt nutzen, sind strenge Vorschriften und Bestimmungen bezüglich des Bankgeheimnisses. «Die Credit Suisse darf auf Social-Media-Plattformen wie Facebook, Twitter oder LinkedIn keine Beratung und Empfehlungen bezüglich ihrer Finanzprodukte und -dienstleistungen bereitstellen und darf diese auch nicht diskutieren. Ein Handelsauftrag darf aus regulatorischen Gründen nicht über diese Kanäle eingereicht werden, auch wenn einige (jüngere) Kunden dies gerne hätten», so Andreas Tölke. Die Bank plant jedoch laut Tölke im nächsten Jahr die Lancierung einer geschlossenen Community-Plattform ähnlich wie eamXchange für ihre Private-Banking-Kunden in der Region Asia Pacific und in der Schweiz. Mittelfristig soll sie auch auf andere Regionen ausgeweitet werden.

Social Banking als Social Lending

Ein weiterer Aspekt von Social Banking ist Social Lending, oder Peer-to-Peer(P2P)-Lending. Dieser Sektor verzeichnete in der Folge der Finanzkrise einen Aufschwung, als herkömmliche Kreditgeber aufhörten, bestimmte Finanzprodukte anzubieten. Für Verbraucher und (kleinere) Unternehmen wurde es in der Folge schwieriger, ungedeckte Kredite zu erhalten. Technologische Entwicklungen ermöglichen es nun aber , dass sich Menschen online miteinander vernetzen, um Geschäfte zu tätigen. Das Ergebnis war ein Boom im P2P-Sektor. Laut einem Bericht von Morgan Stanley wurde der globale P2P-Kreditmarkt letztes Jahr auf USD 24 Mia. geschätzt – er könnte bis 2020 auf USD 290 Mia. ansteigen. Dieses rasante Wachstum dürfte wahrscheinlich vermehrte regulatorische Kontrollen auslösen, insbesondere aufgrund der Risiken in Verbindung mit Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung. Das könnte zueiner Reduzierung des exponentiellen Wachstums führen. Andere Faktoren, die das Wachstum bremsen könnten, sind höhere Zinsen, ein Konjunkturabschwung und schwierige Beziehungen mit Banken. «Die drei oben beschriebenen Arten von Social Banking werden definitiv bestehen bleiben, selbst wenn die Art, wie wir investieren oder interagieren, sich in der Zukunft weiterentwickeln wird», meint Andreas Tölke. «Menschen auf der ganzen Welt für Kommunikationszwecke oder für Finanztransaktionen auf P2P-Basis zusammenzubringen, besitzt ein riesiges ungenutztes Potenzial», so sein Fazit.