KMU-Exportindikator: Optimismus und neue Märkte

Schweizer KMU starten zuversichtlich ins neue Jahr. Eine Umfrage von Switzerland Global Enterprise (S-GE) bei 217 Schweizer Unternehmen zeigt, dass fast ein Drittel von ihnen in ferne Märkte expandieren wollen, während Europa für ihre Exporttätigkeit weiterhin sehr bedeutsam bleibt. Dabei zählen Deutschland, die USA und Frankreich zu den wichtigsten Exportmärkten für Schweizer KMU. Die ersten beiden entwickeln sich positiv, die Exportaussichten für Frankreich trüben sich dagegen eher ein, wie das Exportbarometer der Credit Suisse zeigt.

Das Credit Suisse-Exportbarometer bildet die ausländische Nachfrage nach Schweizer Produkten ab und liegt derzeit mit einem Wert von 1.02 knapp über dem langjährigen Schnitt und dem Vorquartalswert. Die KMU-Exportperspektiven von S-GE deuten mit einem Wert von 65.4 Punkten für das 1. Quartal 2015 um einiges stärker auf Wachstum hin als noch im Vorquartal (60.8).

«Die USA sind derzeit der bedeutendste Exportwachstumstreiber, dies aufgrund der dynamischen Erholung der US-Wirtschaft sowie der Parität des erstarkten Dollars zum Schweizer Franken», erläutert Lukas Gehrig, Ökonom im Economic Research der Credit Suisse. Dagegen seien die Exportaussichten für die Eurozone durchzogen, so Gehrig: «Deutschland sendet nach wie vor eher positive Signale. In Italien und Frankreich hingegen deuten Produktionsrückgänge auf eine Verschlechterung der Exportmöglichkeiten hin.»

Asien-Pazifik avanciert zur Exportdestination

Was planen Schweizer KMU angesichts dieses Marktumfeldes? «Fast ein Drittel (31 Prozent) der von uns befragten KMU wollen neu in fernen Märkten aktiv werden. Am häufigsten werden dabei Länder im Raum Asien-Pazifik genannt (61 Prozent)», erklärt Alberto Silini, Leiter Beratung bei S-GE. «Doch wir beobachten ebenfalls, wie wichtig Europa bleibt: Ein Viertel (26 Prozent) der Schweizer KMU wollen in den kommenden sechs Monaten in zusätzlichen Märkten in Europa Fuss fassen. Eine solche Diversifikation der Exportmärkte ist aus unserer Sicht sehr ratsam, weil sie Risiken verteilt und Wachstumschancen erhöht.»

Wie im Vorquartal dürften nach wie vor 92 Prozent der von S-GE befragten KMU in den nächsten sechs Monaten nach Europa exportieren. Frankreich und Italien werden dabei weniger häufig genannt als im 4. Quartal 2014 (52 Prozent und 40 Prozent gegenüber 61 Prozent und 45 Prozent). Asien gewinnt zudem als Exportregion weiter an Bedeutung (1.Q 2015: 57 Prozent, 4.Q 2014: 54 Prozent). Wie im Vorquartal beabsichtigen 41 Prozent der befragten KMU in die USA zu exportieren, nach Nordamerika sind es 46 Prozent. Der Nahe Osten und Afrika mit je 28 Prozent sowie Südamerika mit 19 Prozent bleiben unverändert.

Weitere Informationen zum KMU-Exportindikator für das 1. Quartal 2015 finden Sie auf der Website von Switzerland Global Enterprise. Der KMU-Exportindikator für das 2. Quartal 2015 wird am 16. April 2015 publiziert.

Methodik Credit Suisse Exportbarometer

Das Credit Suisse Exportbarometer nutzt die Abhängigkeit der Schweizer Exporte von der Nachfrage auf den ausländischen Exportmärkten. Zur Konstruktion des Exportbarometers werden wichtige Vorlaufindikatoren für die Industrie in den 28 wichtigsten Abnehmerländern zusammengetragen. Diese Indikatoren haben in der Regel einen Prognosehorizont von ungefähr einem bis zwei Quartalen. Die Werte dieser Vorlaufindikatoren werden mit dem Exportanteil des jeweiligen Landes gewichtet. Das Exportbarometer verdichtet diese Informationen zu einem einzigen Indikator. Da es sich um standardisierte Werte handelt, wird das Exportbarometer in Standardabweichungen angegeben. Die Nulllinie entspricht der Wachstumsschwelle. Das langfristige Durchschnittswachstum der Schweizer Exporte von knapp 5 Prozent liegt bei 1.

Für ausführlichere Informationen: Credit Suisse (2009), Aussenhandel Schweiz – Fakten und Trends, Swiss Issues Branchen, verfügbar unter www.credit-suisse.com/research.

Methodik KMU-Exportperspektiven von Switzerland Global Enterprise

Die KMU-Exportperspektiven basieren auf der quartalsweisen Befragung von über 200 Unternehmen aus einem festen Panel von Schweizer KMU, welche die Branchen Pharma / Chemie, Maschinenbau, Konsumgüter, Metallindustrie, Papier, Elektrotechnik, Präzisionsindustrie und Dienstleistungen repräsentieren. Die KMU geben an, ob sie für das laufende und für das kommende Quartal einen Zuwachs, eine Stagnation oder einen Rückgang ihrer Exporte erwarten. Um den Prognosecharakter der KMU-Exportperspektiven zu betonen, wird die erwartete Exportaktivität im folgenden Quartal mit 60 Prozent gewichtet, während die Exporte im laufenden Quartal mit 40 Prozent gewichtet werden. Der KMU-Exportindikator kann einen Wert zwischen 0 und 100 erreichen, wobei Werte zwischen 0 und 50 einen erwarteten Rückgang der Exporte und Werte von 50 bis 100 ein erwartetes Exportwachstum signalisieren. Über die Angaben zum Exportvolumen hinaus liefern die Teilnehmer weitere Informationen, beispielsweise zu den Gründen für die Veränderung ihres Exportvolumens, den Exportmärkten, etc. Diese Angaben liefern ein aussagekräftiges Bild über die Exportaktivitäten der Schweizer KMU.