Intelligentes Wohnen im digitalen Zeitalter

Weltweit warten Verbraucher gespannt auf die jeweils neue Generation von Smartphones und anderen intelligenten Geräten. Viele zögern jedoch noch, ihr Zuhause in einen intelligenten Lebensraum zu verwandeln. Mithilfe innovativer Software konkurrieren Unternehmen darum, Wohnungen und Eigenheime genauso unkompliziert und funktional wie ein Smartphone zu gestalten.

Seit Mitte der Neunzigerjahre werden intelligente Geräte bei Verbrauchern immer beliebter – vom Smartphone und Musikwiedergabegerät bis hin zum Organizer und Navigationssystem. Intelligente Haustechnik bildet jedoch einen Teilbereich des digitalen Lebensstils, der entweder aufgrund seines «futuristischen» Anklangs oder der damit verbundenen Kosten nur langsam an Popularität gewinnt.

Nach zehn Jahren bei Yello Strom, einem unabhängigen Energieanbieter in Deutschland, übernahm Martin Vesper 2011 die Funktion des CEO von digitalSTROM mit Sitz in der Schweiz und in Deutschland. An digitalSTROM – einem Unternehmen, das nach eigener Aussage einen «intelligenten, einfachen Weg zur Vernetzung aller Haushaltsgeräte» bietet – schätzt er die Herausforderungen des noch jungen Marktes für intelligente Haustechnik.

Warum digital?

Treibende Kraft hinter digitalSTROM ist laut Vesper der Wandel von Wohnungen und Eigenheimen durch die Vernetzung von Geräten mittels eines kleinen intelligenten Verteilers. Das Zusammenwirken der Geräte in den Wohnräumen erfolgt dann mittels Software und wird dadurch noch flexibler. Durch den Verteiler und den Digitalisierungsprozess wird eine gewöhnliche Lampe zu einem Computer mit Zugang zu Algorithmen, mit dem die Techniker, die das System einrichten, kommunizieren können. «Wir kommen aus einem digitalen Umfeld, daher gehen wir die Dinge anders an. Wir bieten eine Plattform für intelligente Haustechnik mit einer offenen Programmierschnittstelle. Daher können wir uns mittels der derzeit – auch im Internet – verfügbaren Lösungen sehr leicht vernetzen», erläutert er.

Intelligente Haustechnik bedeutet für den Bewohner, dass sich die Geräte in den eigenen vier Wänden so programmieren und steuern lassen wie Navigationssysteme, Mobiltelefone, Smartwatches, Tablets und andere intelligente Geräte. Vesper fährt fort: «Am interessantesten sind im technischen Bereich derzeit kognitive Systeme, die Anwendungen und Funktionen ermöglichen, an die wir bisher nicht einmal im Traum gedacht haben, unter anderem den gesamten Bereich der Automatisierung.»

Wie funktioniert digitale Haustechnik?

Während in einem herkömmlichen Heim ein Schalter lediglich eine einzige Funktion hat, beispielsweise das Licht ein- oder auszuschalten, hat der Schalter in einer intelligenten Wohnung mehrere Funktionen. Durch die Vernetzung von Lampen und digitalen Geräten übernimmt der Lichtschalter mehrere Funktionen, obwohl sich sein Aussehen äusserlich nicht verändert. Der Wohnungs- oder Eigenheimbesitzer kann dadurch die Beleuchtungskörper in seinen Wohnräumen auch aus der Ferne bedienen, Geräte durch Antippen aktivieren und die Temperatur eines Raumes von innen oder von aussen regeln, selbst aus dem Ausland.

Für Freunde eines digitalen Lebensstils ist die Attraktivität intelligenter Haustechnik offensichtlich. Für «Otto Normalverbraucher», der digitale Geräte nur begrenzt nutzt, kann das Konzept des intelligenten Wohnens jedoch futuristisch anmuten, meint Vesper. Seiner Einschätzung nach entscheiden sich Wohnungs- und Eigenheimbesitzer tendenziell für das, was sie bereits kennen, nämlich die herkömmliche elektrische Verkabelung, statt für moderne Software. Daher investieren Kunden eher in Schönheitsreparaturen als in die Funktionalität ihrer Wohnräume, was sich seiner Auffassung nach im Laufe der Zeit ändern wird. «Funktionalität bedeutet eine Wertsteigerung für eine Wohnung oder ein Eigenheim, und darauf setzen wir», bekräftigt er.

Intelligente Wohnräume

Intelligentes Wohnen ist nicht ganz neu. Vesper betont, dass das Konzept des intelligenten Wohnens aus der Zeit vor der Gründung von digitalSTROM stammt. Mit der Entwicklung neuer Software nach der Jahrtausendwende jedoch wurde aus dem Konzept nun Realität. «Das Jahr 2004 brachte Veränderungen mit sich, die es ermöglichten, Häuser unkompliziert und effizient auszustatten», erinnert er sich. Die Geräte wurden kleiner und energiesparender und liessen sich dadurch leichter in die Infrastruktur eines Hauses integrieren.

Der Schlüssel für intelligentes Wohnen war die Erfindung eines patentierten Hauptverteilers mit einem integrierten Prozessor, erklärt Vesper. «Zuvor bestand das Problem darin, dass man eine eigene Verkabelung benötigte, was für ein Haus nicht wirklich praktikabel ist», fährt er fort. Durch die immer kleiner und leichter werdende Hardware und die vorhandene Software haben sich unbegrenzte Möglichkeiten für das Zuhause ergeben.

Die Botschaft verbreiten

Das Unternehmen ist ein wettbewerbsfähiger Anbieter intelligenter Geräte – neben Konkurrenten wie Honeywell und Nest Protectors, die Lösungen zur Steuerung von Thermostaten in Wohnräumen per Smartphone anbieten. Um seine Zielkunden mit seinen Produkten vertraut zu machen, plant digitalSTROM eine Fortsetzung des Marketings bei Endverbrauchern. Zur Unternehmensstrategie merkt Vesper an: «Unsere Website, unsere Werbung und unsere Videos sollen den Endverbraucher neugierig machen.» Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen mit Elektrikern und Grosshändlern zusammen, um diese auf eine erfolgreiche Umsetzung vorzubereiten und entsprechend zu schulen.

Die Kosten für die digitale Ausstattung einer Wohnung oder eines Hauses reichen von USD 4'000 für eine Wohnung bis zu USD 9'000 für ein Haus – Kosten, die nach seiner Auffassung für viele Wohnungs- und Hauseigentümer erschwinglich sind, sich bei Einschätzung der Wohnausgaben jedoch abschreckend auswirken könnten. Er schätzt, dass die Kundenbasis von digitalSTROM derzeit bei zwei oder drei Prozent liegt. Grund hierfür ist der Hauptkonkurrent des Unternehmens: das Budget des Hausbesitzers.

Die Zukunft ist rosig

Angesichts wachsender Märkte in Österreich, Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz zeigt sich Vesper zuversichtlich, was das Wachstumspotenzial des Unternehmens anbelangt. digitalSTROM plant nicht nur die Erschliessung stabiler Märkte, sondern auch die Expansion auf Mega-Städte wie Istanbul, Shanghai und Abu Dhabi, um grosse Wohngebäude zu gewinnen.

Vesper lobt das kleine Team von digitalSTROM, das es auf dem Weg nach oben weltweit mit den Wettbewerbern aufnimmt. «Silicon Valley ist nicht nur ein Standort, sondern eine Einstellung, und diese Einstellung findet man auch in der Schweiz», stellt er abschliessend fest.