Sharing Economy: Teilen statt Besitzen?
News & Stories

Sharing Economy: Teilen statt Besitzen?

Die sogenannte «Sharing Economy» wird als eine nachhaltige Alternative zum traditionellen Marktmodell präsentiert. Das Motto lautet: Teilen statt Besitzen. Experten zum Thema geben im Rahmen des 23. Lifefair-Forums einige Tipps rund um Sharing-Economy-Plattformen.

Sharing Economy: DIE nachhaltige Alternative – oder doch nicht?

Auf welche Weise wir wirtschaften und konsumieren, beeinflusst, wie nachhaltig unsere Gesellschaft mit Ressourcen umgeht. Dabei geniesst gerade die gemeinsame und zeitlich begrenzte Nutzung von Gütern und Dienstleistungen einen guten Ruf: Unter dem Schlagwort «Sharing Economy» soll der Wert des Teilens eine neue Bedeutung erlangen – nicht zuletzt dank der fortschreitenden Digitalisierung, welche es auch zu einem lukrativen Geschäftsmodell macht.

Doch was bedeutet Sharing Economy konkret? Diese kollaborative Wirtschafsform basiert auf der Grundidee, dass Ressourcen zeitlich begrenzt und von mehreren Leuten genutzt werden können. Im Kontrast zu gängigen Modellen sollen diese nicht mehr Eigentum einzelner Besitzer oder lediglich einem kleinen Kreis zugänglich sein. Eine grosse Rolle spielt hierbei die digitale Technologie. Allem voran die Entwicklung geeigneter Plattformen, welche die Dienstleistungen und die Nutzung von Ressourcen koordinieren, wobei dies im Idealfall zu Kosten- und Zeitersparnissen führt. Fahrzeuge über den Dienst Uber zu buchen, oder eine Ferienwohnung über das Portal Airbnb, wäre ohne das Internet und Smartphones kaum denkbar. Denn erst dadurch erlangte die Professionalisierung und Kommerzialisierung des Teilens so richtigen Aufschwung. Diese Entwicklung trifft auf eine Gesellschaft, die zunehmend aktiv nach einer nachhaltigeren Lebensweise strebt. So erstaunt es nicht, dass die Sharing Economy den Puls der Zeit trifft: Man möchte weniger Ressourcen verschwenden und einen Gegenpol zur Wegwerfgesellschaft bilden.

Frei von Kritik ist das Modell jedoch nicht. Die Diskussion am 23. Lifefair Forum in Zürich (siehe Box) hat gezeigt, dass die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen der Sharing Economy nicht ausschliesslich positiv sind. Zum einen können leichter zugängliche Dienstleistungen die Nachfrage in die Höhe schnellen lassen, womit der positive Effekt auf ökologische und andere Ressourcen verpufft oder im Extremfall gar ins Negative kippen kann. Zum anderen können Dienstleistungen auch einfacher angeboten werden was in mangelnder Kontrolle und Qualität, mitunter auch in Preiskämpfen resultieren kann, von denen im Endeffekt niemand mehr profitiert. Abnehmen können auch Arbeits- und Versicherungsschutz, sollten sich Sharing-Economy-Plattformen lediglich in einer Vermittlerrolle sehen, in welcher sie weder für die Qualität ihres Angebots, noch für die Wahrung der Arbeitnehmerrechte Verantwortung übernehmen. Die Panelisten des Lifefair Forums waren sich daher einig, dass Rahmenbedingungen für solche Plattformen definiert werden müssen und ein Mindestmass an Regulierung erforderlich ist.

Weitgehender Konsens herrschte auch in Bezug auf die Innovationskraft und das Potential der Sharing Economy: Viele neue Plattformen sind in den letzten Jahren entstanden, die ein sinnvolles Teilen von Ressourcen ermöglichen. Die Sharing Economy bietet damit durchaus die Chance, das Ziel einer nachhaltigeren Lebensweise in Angriff zu nehmen.