Verkaufen Sie Ihr Privatleben für USD 8 pro Monat
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Verkaufen Sie Ihr Privatleben für USD 8 pro Monat

Das ist die übliche Gebühr, die ein Unternehmen namens Datacoup dafür verlangt, Ihre Online-Aktivitäten nachzuverfolgen und sie dann an Vermarkter zu verkaufen – mit Ihrer Zustimmung. Auch andere Unternehmen verkaufen Ihre persönlichen Daten.

Das Ausspähen anderer als Thema ist heute aktueller denn je, und das ist kein Wunder. Überall hört man von politischer und Industriespionage, Prominenten wird hinterhergeschnüffelt, es gibt den «Big Brother» Website-Cookies, Internet-Crawler, Handy-Aufzeichnungen, Kartenzahlungen und endlos viele Überwachungskameras. So ist es noch viel ironischer, dass eine Gruppe von Unternehmen sich dem expliziten Ausspionieren widmet: Sie bezahlt Personen dafür, sich Ausspähen zu lassen. Da die «Selfie-Generation» ja eh bereit ist, persönliche Momente zu teilen, kann man sich dafür wenigstens bezahlen lassen. Nachstehend betrachten wir fünf aufkommende Geschäftsideen.

Little Brother is Watching: Datacoup and co.

Kennen Sie Ihren Kunden: Wie könnten Unternehmen dies besser bewerkstelligen als durch die Überwachung der Online-Aktivität ihrer möglichen Kunden, von sozialen Medien zu Kredit- oder Debitkartentransaktionen? Was sie gekauft haben, was sie mögen, auf wessen Freundesliste sie stehen. Datacoup verkauft solche Profile anonymisiert und verspricht, dass «diese aggregierten Daten nicht zu einem bestimmten Einzelbenutzer zurückverfolgt werden können». Das ist nicht so radikal, wie es klingt; es folgt einer langen Geschichte der Verbrauchermarktforschung (denken Sie an die Frau mit dem Klemmbrett am Flughafen oder im Einkaufszentrum, oder im Flughafen-Einkaufszentrum, die Ihnen ein paar Fragen darüber stellen will, warum und wo sie was gekauft haben). Tatsächlich ist auch ein bekanntes, traditionelles Verbraucherforschungsunternehmen, Nielsen, in diesem Bereich vertreten – aber auch Google und Microsoft sowie die Start-ups Embee, Placed, Prodege und Qmee sind auf diesem Gebiet tätig. Die anderen Unternehmen gehen nicht so sehr in die Tiefe wie Datacoup, sondern überwachen stattdessen Ihre Suchvorgänge und welche Sites Sie besuchen und welche Apps Sie verwenden. Für das Erstellen von Profilen bezahlt zu werden, macht nicht reich, aber Tausende von Datenerzeugern haben sich bereits angemeldet, um sich ein Taschengeld von ein paar Dollar pro Woche zu verdienen.

Vom Blockieren zum Willkommenheissen von Werbung: Leaflad

Sind Sie einer der Menschen, der vor ungewollter Werbung flieht, Werbezettel aus seinem Briefkasten verbannt, Spam aus seinem Posteingang löscht und Fernsehwerbung vorspult? Uwe Neumann, Analyst bei der Credit Suisse, schlägt vor, dass Sie Ihren Browser mit Adblock Plus vom deutschen Unternehmen Eyeo ausstatten sollten. Falls Sie Apple-Geräte verwenden, können Sie einfach Adblock (ähnlicher Name, aber ein anderes Unternehmen, mit Sitz in den USA) verwenden. Wenn Sie aber ein Mensch sind, der gerne Werbung sieht, sind Sie unter Umständen ein Kandidat für Leaflad. Dieses Unternehmen wurde 2014 von drei Mittdreissigern im niederländischen Delft gegründet. Über die dazugehörige App oder Website zeigt Leaflad seinen Benutzern Werbung, aber nur die, die sie sehen wollen. Freunde von, sagen wir mal, Abenteuerurlaub, Skifahren, modischer Jeansbekleidung und Technik bekommen Inhalte wie Artikel über Heliskiing in Whistler, Angebote für Diesel-Jeans oder Reviews des neuesten iPhones angezeigt – sie erhalten keine Werbung zu zufälligen Themen. Als Belohnung dafür, dass sie diese Werbung ansehen, erhalten die Benutzer 20 % der Gebühren, die Leaflad als Werber einnimmt.

Verhaltenswissenschaften im wahren Leben: Placed and Teralytics

Wer hätte gedacht, dass amerikanische Kunden von Burger King auch zu Wendy’s und Taco Bell gehen, aber nur selten zu McDonald’s? Oder dass junge Mütter gerne bei Kroger oder Aldi einkaufen, aber kaum zu Lebensmittelhändlern wie Trader Joe’s oder Whole Foods gehen? Ein in Seattle ansässiges Unternehmen namens Placed war sich dessen bewusst und schrieb sogar White Papers über beide Themen. Dieses für Vermarkter geeignete Material wird von einer App generiert, die Tausende gewöhnlicher Kunden freiwillig auf ihren Smartphones installiert haben. Aufzeichnungen darüber, wo die Konsumenten einkaufen und was sie gekauft haben, werden zu einer zentralen Sammelstelle übertragen, die Muster und Trends berechnet. Ähnliche Orts- und Aktivitätsdaten werden von Teralytics, einem Unternehmen mit Hauptsitz in Zürich, verwendet, um ähnliche Verhaltensweisen zu beobachten. Diese gehen aber über das Einkaufen hinaus. Das Unternehmen analysiert die Bewegungen von Personen, um die Standorte von Geschäften zu optimieren und das Design von öffentlichen Strassen und Verkehrsmitteln zu beeinflussen. 

Der Name sagt alles: Personal

Sensible Informationen über Personen – ihre Krankengeschichte, Schul- oder Universitätsnoten, Arbeitszeugnisse, eine Verhaftung oder Scheidung – können ein Dilemma sein, das wie ein vergrabener Schatz verborgen ist. Er ist sicher, aber wo genau ist er? Dies kann bei noch banaleren privaten Informationen für noch viel mehr Verwirrung sorgen: Die Wartungsinformationen Ihres Autos, Ihre Anmeldedaten und Vorlieben bei Flügen oder Hotelbesuchen oder Ihre Notfallkontaktliste. Das in Washington D.C. ansässige Unternehmen Personal.com bietet Online-«Tresore» an, in denen Benutzer Daten speichern und sie selektiv mit anderen teilen können – mit Familienangehörigen, Freunden oder Kollegen. Die Benutzer können ihre persönlichen Informationen auch mit Anbietern teilen; diese müssen für das Angebot zahlen, wovon ein Anteil an die Benutzer geht. Benutzer können so nicht nur alle ihre sensiblen Informationen an einem Ort speichern, sie können auch steuern, wer sonst darauf Zugriff hat, und sie können diese so prinzipiell von unverantwortlich Handelnden fernhalten (z. B. von einer Website, von der man etwas kaufen will, aber der man nicht dauerhaft seine Kreditkarten- und Adressinformationen überlassen möchte).

Hoppla, ich will meine Privatsphäre zurück: Reputation

Das Herausgeben sensibler Informationen kann wie eine Tätowierung sein. Wenn man nicht Matrose oder Sträfling ist, kann das, was ursprünglich eine gute Idee zu sein schien, mit der Zeit peinlich oder ein Nachteil für die berufliche Laufbahn werden. Wenn Sie irgendwann der Meinung sind, dass Sie zu viel von sich preisgegeben haben, kann Ihnen ein Unternehmen im Silicon Valley dabei helfen, diese Informationen wieder aus dem Licht der Öffentlichkeit verschwinden zu lassen. Reputation.com eliminiert Online-Informationen über Sie oder Ihr Geschäft, die entweder falsch sind oder die richtig sind, aber die Sie nicht online verbreitet sehen möchten. Das (natürlich) privat geführte Unternehmen erhebt Benutzergebühren und berät Unternehmen, wie sie mit Online-Reviews auf Websites wie TripAdvisor umgehen. Während die Unternehmen oben Konsumenten dafür bezahlen, sich beobachten zu lassen, wird dieses hier von Konsumenten dafür bezahlt, nicht beobachtet zu werden. Das Geschäft mit privaten Informationen funktioniert immer noch in beide Richtungen.