Was erwartet die Schweizer Branchen 2017?
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Was erwartet die Schweizer Branchen 2017?

Das neue Branchenhandbuch der Credit Suisse beleuchtet die Aussichten für die wichtigsten Sektoren.

Ende 2016 hat die Schweizer Wirtschaft den Frankenschock von Anfang 2015 mehrheitlich überwunden. Die Erholung kam aber noch nicht vollständig in allen Branchen an. Die Exportindustrie war 2016 zweigeteilt. Auf der einen Seite wuchsen die pharmazeutisch-chemische Industrie und die Medizintechnik sehr dynamisch. Auf der anderen Seite waren die Ausfuhren der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie) weiterhin leicht rückläufig. Äusserst schlecht verlief das Jahr für die Uhrenindustrie. Mit einem Exportrückgang von über 10 Prozent erlebte die Branche 2016 ihr schwierigstes Jahr seit der Krise 2009.

Unterschiede gab es 2016 nicht nur zwischen den Branchen, sondern auch zwischen KMU und Grossfirmen. Während grössere Industriebetriebe den Frankenschock mehrheitlich verdaut haben, litten viele kleinere Industrie-KMU weiterhin unter verminderter preislicher Wettbewerbsfähigkeit und gedrückten Margen.

Zögerliche Erholung bei kleinen Industrieunternehmen

Zögerliche Erholung bei kleinen Industrieunternehmen

KOF-Geschäftslagenindikator Industrie, Saldi in Prozentpunkten, 3-Monats-Durchschnitte

Quelle: Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, Credit Suisse

MEM-Industrie wächst 2017 zum ersten Mal seit Frankenschock wieder

2017 dürfte sich die Schere in den Exportbranchen weiter schliessen, wenn auch nicht ganz. Es ist unter anderem damit zu rechnen, dass die Exporte der MEM-Industrie nach den Rückgängen der beiden letzten Jahre 2017 wieder leicht ansteigen – insbesondere diejenigen des Maschinenbaus. Die wichtigsten Treiber dieser Erholung sind die solide Konjunktur in den Abnehmerländern und die Stabilisierung des Frankenkurses. Die stärker binnenorientierte Metallindustrie dürfte zwar einerseits von der Stabilisierung des Baugewerbes profitieren, anderseits bleibt der Preis- und Importdruck hoch. Die positive Dynamik dürfte sich 2017 vermehrt auf kleinere KMU der MEM-Industrie übertragen, auch wenn viele von ihnen die Last der strukturellen Frankenstärke weiterhin stärker spüren als international diversifizierte Grossunternehmen. Demgegenüber rechnet das Economic Research der Credit Suisse nicht damit, dass der Uhrensektor bereits im laufenden Jahr wieder wächst. Verschiedene Faktoren, welche die Uhrenindustrie 2016 belasteten, dürften 2017 weiterhin Bestand haben – insbesondere die Unsicherheiten bezüglich der weiteren Entwicklung des Tourismus in Europa in Folge von Terroranschlägen. Die chemisch-pharmazeutische Industrie und die Medizintechnik werden hingegen aller Voraussicht nach 2017 wieder von einer robusten globalen Nachfrage nach Gesundheitsgütern profitieren und massgeblich zum Wachstum der Schweizer Exporte beitragen. Für die ebenfalls teilweise auslandsorientierte Hotellerie wird eine Stabilisierung erwartet. Die Zahl der Logiernächte könnte unter Umständen sogar leicht ansteigen.

Detailhandel stabilisiert sich, weiteres Wachstum im Gesundheitsbereich

Für den binnenorientieren Detailhandel ist 2017 mit einer allmählichen Stabilisierung der Umsätze zu rechnen. Im Vergleich zu den Rückgängen in den beiden Vorjahren ist dies zumindest eine Entspannung. Der Einkaufstourismus dürfte nicht mehr weiter zunehmen. Demgegenüber werden jedoch abermals mehr Güter über das Internet bestellt, was den stationären Handel weiter belastet. Zudem wird der Privatkonsum aufgrund des tieferen Bevölkerungswachstums, der stagnierenden Kaufkraft und der unterdurchschnittlichen Konsumentenstimmung insgesamt nur verhalten wachsen. Die sich abschwächende Bevölkerungszunahme wirkt sich ebenfalls bremsend auf die Nachfrage nach Wohnraum aus, was die Risiken für das Bau- und Immobilienwesen sowie weitere baunahe Bereiche wie Architekturbüros in der mittleren Frist steigen lässt. Die Umsätze des Baugewerbes bleiben 2017 gemäss Prognosen der Credit Suisse aber hoch, da angesichts des Tiefzinsumfelds rege in Immobilien investiert wird. Im Zuge dessen wird sich auch das Ausbaugewerbe nach einem schwachen 2016 voraussichtlich wieder erholen. Unternehmensdienstleister wie Anwälte und Berater dürften 2017 weiterhin von den gestiegenen Anforderungen an Regulierung und Compliance besonders in der Finanzbranche profitieren, die IT-Dienstleister von der voranschreitenden Digitalisierung. Die Credit Suisse erwartet zudem, dass das staatsnahe Gesundheits-, Sozial- und Unterrichtswesen aufgrund der bestehenden demografischen Treiber 2017 weiter wächst. Die Dynamik dürfte aber erneut unter dem langfristigen Durchschnitt liegen. Bremsend wirken die in verschiedenen Kantonen weiterhin angespannten öffentlichen Finanzen beziehungsweise die damit verbundenen Sparmassnahmen. In anderen binnenorientierten Branchen (wie etwa der Lebensmittelindustrie, der Telekommunikationsbranche oder dem Druck- und Verlagswesen) verhindert die wenig dynamische Entwicklung des Privatkonsums ein starkes Wachstum.

2017 nimmt die Gesamtbeschäftigung wieder stärker zu

Vollzeitäquivalente, Veränderung zum Vorjahr in Prozent

Sektor 2015 2016* 2017*
Industrie -0.8% -1.4% -0.5%
Baugewerbe 0% -1.4% -0.5%
Handel -0.2% 0% 0%
Transport / Verkehr
0.6% -0.5% -0.3%
Gastgewerbe
-1.2% 0.2% -1%
Information / Kommunikation
-0.1% -0.3% 0.4%
Finanzdienstleistungen 0.6% -1% -1%
Unternehmensdienstleistungen 1.7% 0.8% 1%
Gesundheit / öffentliche Dienste 2.7% 1.5% 1.9%
Beschäftigung total 0.8% 0% 0.5%

Quelle: Bundesamt für Statistik; 2016-Schätzung und 2017-Prognose Credit Suisse