Roboter als Kaffeemaschinen-Verkäufer

Bahnbrechende Technologien mit dem Potenzial, die Märkte zu verändern, waren das Thema des 2. Private Innovation Circle, zu dem die Credit Suisse etwa 50 Privat-Banking-Kunden und Meinungsführer eingeladen hatte.

Vertreter von acht innovativen Unternehmen präsentierten bahnbrechende Technologien, die das Potenzial besitzen, ihre jeweiligen Branchen zu revolutionieren. Wie Eric Varvel, Gastgeber der Veranstaltung und Chairman für die Region Asia Pacific und den Nahen Osten bei der Credit Suisse, den Teilnehmern des 2. Private Innovation Circle in Tokio mitteilte, haben alle Unternehmen den Nachweis der Machbarkeit bereits erbracht und heissen private Investitionen willkommen. Die Technologien, die ihnen zum Erfolg verholfen haben, reichen von einer einfachen App, über die ein Fahrer und ein Transporter gebucht werden können, bis hin zu sehr viel komplexeren Prozessen, bei denen z. B. Bakterien für die Herstellung von Kraftstoff eingesetzt oder im Kampf gegen Cyberkriminalität hochsensible Daten aus grossen Software-Systemen eingehend analysiert werden.

Der Kampf gegen Cyberangriffe

Nicole Eagan, CEO von Darktrace, erläuterte den neuen Ansatz ihrer in Grossbritannien ansässigen IT-Sicherheitsfirma im Kampf gegen ernsthafte Cyberbedrohungen. Mit der revolutionären Technologie des Unternehmens wird das menschliche Immunsystem nachempfunden, um Cyberangriffe zu identifizieren. Das Enterprise Immune System – so der Name der Technologie von Darktrace – analysiert selbst irrelevant erscheinende Informationen und erstellt Modelle für normales Verhalten, anhand derer schwerwiegende unternehmensinterne und -externe IT-Sicherheitsbedrohungen erkannt werden können.

Das Unternehmen Norse aus Kalifornien, das in derselben Branche tätig ist, steht seinen Kunden bereits seit über einem Jahrzehnt mit Lösungen für die Cybersicherheit zur Seite, mit denen Angriffe blockiert, Sicherheitsverstösse aufgedeckt und Bedrohungen überwacht werden können. Laut Cameron McEarchern, VP im Bereich Business Development bei Norse, wird Big Data genutzt, um Bedrohungen zu erfassen, zu analysieren und nach Merkmalen aufzuschlüsseln, sodass die Fährte der «Bad Guys» aufgenommen werden kann, selbst wenn sie versuchen, ihre Spuren zu verwischen, indem sie z. B. ihre Adresse ändern.

Bioorganismen für die Kraftstoffproduktion

Auch der Einsatz von aquatischen Bioorganismen oder, genauer, Cyanobakterien zur Herstellung von Kraftstoff aus CO2-Gasen ist heute keine Utopie mehr. Tom Jensen zufolge, der als Executive VP das Corporate Development des US-amerikanischen Unternehmens Joule leitet, benötigen die lebenden Mikroorganismen für die Kraftstoffproduktion lediglich Sonnenlicht, einen Boden (der nicht fruchtbar sein muss) und Wasser (das nicht als Trinkwasser nutzbar sein muss) sowie eine konzentrierte CO2-Quelle: Die patentierten Organismen wurden so verändert, dass sie sich nicht vermehren können, was nach Aussage von Jensen ihre Kapazität als Kraftstoffproduzenten und «industrialisierte Photosynthese-Biokatalysatoren» steigert. Joule verzeichnet seit über zwei Jahren Erfolge beim Testen seiner Pilotplattform, betreibt Prozesse im Demonstrationsmassstab und legt derzeit das Fundament für den kommerziellen Vertrieb seiner wegweisenden Technologie.

Obst- und Gemüseanbau auf schlecht nutzbaren Flächen

Das australische Unternehmen Sundrop Farms – Entwickler, Eigentümer und Betreiber von Hightech-Treibhausanlagen – setzt lediglich Sonne und Meerwasser ein, um hochwertige Obst- und Gemüsesorten auf ansonsten schlecht nutzbaren Flächen anzubauen. Nach Angaben von John Phinney, der als Managing Director für Australien bei dem Unternehmen tätig ist, hat es sich Sundrop Farms zum Ziel gesetzt, die Volatilität beim Obst- und Gemüseanbau zu senken. Phinney zufolge handelt es sich bei Sundrop Farms ganz klar um ein grünes Unternehmen, das eine Reihe verschiedener Technologien im Sinne der ökologischen Nachhaltigkeit einsetzt, sich jedoch genauso um ökonomische Nachhaltigkeit bemüht.

Trading-Vorsprung durch Wissen um Korrelationen

Die Handelsplattform für Energierohstoffe, an deren Entwicklung Meteo-Logic seit zwölf Jahren feilt, zeigt mithilfe von Big Data und Technologien des maschinellen Lernens Korrelationen zwischen dem Wetter und den Preisen von Energieprodukten auf. Mit dem Finanzalgorithmus von Meteo-Logic können äussert akkurate Preisprognosen auf der Grundlage von Millionen von Datensätzen erstellt werden. Moshe Levin, Chairman des israelischen Unternehmens, verweist auf die 100%ige Rendite von Meteo-Logic und räumte ein: «Das verschafft uns beim Trading natürlich einen unfairen Vorteil gegenüber den anderen.»

Echtzeit-Satellitenbilder in hoher Auflösung als Ziel

Dank Satellogic ist es vielleicht schon bald möglich, von jedem beliebigen Ort der Erde nahezu in Echtzeit Satellitenbilder in hoher Auflösung zu erhalten. Nach Aussagen des CEO Emiliano Kargieman müssen die Kunden des kalifornischen Unternehmen heute noch ca. drei Tage auf ihre Satellitenaufnahmen warten, Ziel sind jedoch hochauflösende Bilder von jedem beliebigen Ort der Erde nahezu in Echtzeit. Satellogic errichtet Konstellationen kostengünstiger Satelliten, um die Wartezeit der Kunden auf nur fünf Minuten zu reduzieren. Das Unternehmen baut derzeit eigene Satellitensysteme und wird in Abhängigkeit von den damit verbundenen Kosten ca. 300 Satelliten in den Weltraum schiessen.

Ein Roboter als Kaffeemaschinen-Verkäufer

Das japanische Unternehmen SoftBank Robotics hat den ersten humanoiden Roboter auf den Markt gebracht, der Emotionen lesen kann. Momentan spricht der Roboter mit dem Namen Pepper allerdings nur Japanisch. Laut Kenichi Yoshida, VP des Bereichs Business Development von SoftBank, wird Pepper derzeit in Elektrofachgeschäften als Kaffeemaschinen-Verkäufer eingesetzt. Es ist jedoch geplant, die Vermarktung des Roboters auf andere Bereiche auszudehnen, und auch der Einsatz in Privathaushalten ist vorgesehen. Zudem soll der potenzielle Absatzmarkt durch einen App Store mit Angeboten zur Erweiterung von Peppers Aktions- und Funktionsumfang vergrössert werden.

Kombinierte Buchung von Fahrer und Transporter

Die Technologie, der GoGoVan seinen Erfolg verdankt – eine Peer-to-Peer-Plattform (p2p) für Transporter –, ist simpel. Wie Steven Lam, Gründer des On-Demand-Logistikunternehmens mit Sitz in Hongkong erläuterte, können die Kunden über eine mobile Anwendung einen Transporter einschliesslich Fahrer buchen. Nach noch nicht einmal zwei Jahren kann GoGoVan bereits auf mehr als 50'000 Fahrzeuge zurückgreifen und hat nach Taiwan, Korea, Singapur und China expandiert. Auch Märkte ausserhalb Asiens haben laut Lam inzwischen ihr Interesse an dem Geschäftsmodell bekundet.

Der Credit Suisse Salon bot beiden Seiten grossartige Vernetzungsmöglichkeiten: Die am Private Innovation Circle teilnehmenden Entrepreneure trafen auf eine Gruppe ausgewählter Kunden der Credit Suisse, die für die Unternehmensführer potenzielle Kunden, Anleger und Partner jenseits ihrer typischen Märkte darstellen.