Robotik und Automatisierung – Schöpfer statt Vernichter von Arbeitsplätzen?
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Robotik und Automatisierung – Schöpfer statt Vernichter von Arbeitsplätzen?

Neue Innovationen im Bereich der Robotik und Automatisierung werden oft als eine Bedrohung für Arbeitnehmer wahrgenommen. Die Experten der Credit Suisse gehen jedoch davon aus, dass durch Robotik langfristig mindestens so viele Arbeitsplätze geschaffen wie vernichtet werden. Die Erfahrung der letzten hundert Jahre stellt in dieser Hinsicht eine gute Orientierungshilfe dar. Zwar dürfte es kurzfristig zu gewissen gesellschaftlichen Verwerfungen kommen. Doch für Staaten, die ihre Arbeitskräfte richtig schulen und vorbereiten, könnten sich aus diesen Herausforderungen neue Chancen ergeben.

Billige Arbeitskräfte

Da Roboter viele körperliche und kognitive Aufgaben immer besser und günstiger erledigen als Menschen, sind viele davon überzeugt, dass viele Jobs unweigerlich verloren gehen werden. Andere hingegen sind der Meinung, die Technologie werde neue Arbeitsplätze schaffen.

Für immer mehr Unternehmer sprechen wirtschaftliche Gründe zunehmend für Robotik. Mit fortschreitender technischer Entwicklung sinken die Kosten für Robotik und Automatisierung im gleichen Masse, wie die Kapazitäten, die Leistungsfähigkeit und die Zahl möglicher Anwendungsbereiche dieser Systeme steigen. Gleichzeitig scheinen menschliche Arbeitskräfte sich in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen. Sie werden anspruchsvoller im Hinblick auf ihre Arbeitsbedingungen. Sie werden teurer, da Mindestlöhne und Nebenleistungen steigen. Und in vielen Fällen fällt es Unternehmen schwer, genügend qualifizierte Arbeitskräfte für ihre Fabriken zu finden.

Die Automatisierung ist nicht unser Feind. Unsere Feinde sind Unkenntnis, Gleichgültigkeit und Trägheit. [Automatisierung] kann der menschlichen Arbeit ihre Monotonie nehmen und dem Menschen mehr schenken, als er je zuvor besass.

Lyndon B. Johnson, 36. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, (Rede anlässlich der Gründung der Nationalen Kommission für Technologie, Automatisierung und wirtschaftlichen Fortschritt 1964)

Mehr Vor- oder Nachteile?

Im Laufe der Geschichte haben technische Innovationen immer wieder für Umwälzungen in der erwerbstätigen Bevölkerung gesorgt und in einigen Bereichen zu Armut und sozialen Unruhen geführt. Aufgrund des beschleunigten technischen Fortschritts in den letzten hundert Jahren, der zuerst Elektrizität, dann den Computer, den Halbleiter, das Internet und schliesslich schnelle mobile Kommunikationsnetzwerke hervorbrachte, liegt zudem die Annahme nahe, dass wir derzeit in hohem Masse das erleben, was Ökonom John Maynard Keynes 1930 als «technologische Arbeitslosigkeit» bezeichnete. Demgegenüber, und vielleicht zum Teil dank des beschleunigten technischen Fortschritts, ist die Weltbevölkerung im Verlauf der vergangenen hundert Jahre um das Vierfache gewachsen. Gleichzeitig hat sich die Lebenserwartung weltweit erhöht und die Lebensqualität verbessert. Verbessert haben sich zudem der Zugang zu Wissen, die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und Wasser sowie die Kommunikation mit den unterschiedlichsten Menschen und die Möglichkeiten, die Welt relativ sicher und ungehindert zu bereisen.

Der amerikanische Arbeiter will so effektiv wie möglich arbeiten. Er möchte Werkzeuge. Ein Roboter ist einfach ein weiteres Werkzeug. […] Ich glaube, die Frage lautet nicht mehr, ob Roboter Arbeitsplätze schaffen oder nicht. Ich glaube, die Frage sollte lauten, wie Roboter die grösstmögliche Zahl an Arbeitsplätzen schaffen können.

Professor Howard Choset, Carnegie Mellon University, aus einem Interview mit dem Magazin «Next Pittsburgh», Januar 2017.

Verständlicherweise fällt es vielen von uns schwer, sich die Produkte und Dienstleistungen vorzustellen, die uns in Zukunft zur Verfügung stehen werden. Und ebenso schwierig ist es, sich die Arbeitsplätze und die Kompetenzen vorzustellen, die notwendig und von besonderer Bedeutung sein werden. Viele Arbeitsplätze in der heutigen Technologiebranche haben bis vor 20 Jahren noch gar nicht existiert. Es braucht Systemdesigner, Softwaretechniker, Programmierer, Wartungs- und Supportmitarbeiter, um die autonomen Robotersysteme von heute und die entsprechenden Anwendungen und Dienste zu entwerfen, zu entwickeln und zu unterstützen – und diese Arbeitskräfte sind schon jetzt Mangelware. Wie viele dieser Funktionen im Laufe der Zeit selbst automatisiert werden können, ist noch unklar. Es liegen jedoch bereits Studien vor, die darauf hindeuten, dass künstliche Intelligenz und Robotik mehr neue Arbeitsplätze schaffen könnten, als sie ersetzen. Gleichzeitig dürften sich die Produktivität und die Lebensqualität der Gesellschaft insgesamt verbessern.

Wir müssen einen Weg finden, die Chancen, welche die Technologie bietet, auszuschöpfen. Stillstand ist keine Option – man muss auf den Zug aufspringen, aber so, dass es so vielen Menschen wie möglich zugute kommt.

Baroness Morgan of Huyton, ehemalige Vorsitzende des Sonderausschusses für digitale Kenntnisse des britischen Oberhauses (Sonderausschussbericht: Juni 2016)

... und der Gewinner ist ...

Die wahren Auswirkungen der Robotik und Automatisierung auf Gesellschaft und Arbeitnehmer werden erst in einigen Jahren erkennbar sein, wenn der Markt etwas gesättigter ist. Vermutlich wird die Technologie weiter voranschreiten und die Erschaffung immer leistungsfähigerer künstlicher Intelligenzen ermöglichen, die in der Lage sind, zu lernen und sich selbst Dinge beizubringen. Dies kann sich schneller und umfassender auf Arbeitsplätze und die Gesellschaft als Ganzes auswirken als alles, was wir kennen. Tatsächlich haben mehrere renommierte Technologen und Branchenexperten Massnahmen aufgezeigt, wie die Auswirkungen auf die Gesellschaft abgebremst und reguliert werden können. Ihre Absichten sind gut gemeint. Wir sind jedoch der Ansicht, dass wir uns dem technologischen Fortschritt nicht in den Weg stellen, sondern uns Robotik und Automatisierung zunutze machen sollten. Viele Arbeiter und Angestellte werden sich umschulen lassen und neue Fähigkeiten erlernen müssen, um sich an die «schöne neue Welt» der Robotik und Automatisierung anzupassen. Letztlich wird es vermutlich staatlichen Institutionen, Schulen und Arbeitgebern zufallen, einen Teil dieser Veränderungsprozesse auf den Weg zu bringen.

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