Retail Outlook 2018: Der Detailhandel hinkt der Konjunktur hinterher
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Retail Outlook 2018: Der Detailhandel hinkt der Konjunktur hinterher

Der Umsatzrückgang im Schweizer Detailhandel dürfte 2017 zum Halt gekommen sein. Für 2018 erwarten die Ökonomen der Credit Suisse ein kleines Umsatzplus. Der Onlinehandel bleibt eine grosse Herausforderung – ebenso der Einkaufstourismus in den Grenzregionen.

Die Ökonomen der Credit Suisse analysieren im «Retail Outlook» die Perspektiven und die Lage des Schweizer Detailhandels. Nach zwei Jahren Schrumpfungskurs dürfte der Umsatzrückgang im Schweizer Detailhandel 2017 zum Halt gekommen sein. Gemäss Schätzung der Ökonomen der Credit Suisse stagnierten die nominalen Umsätze. Positiv auf die Entwicklung im Detailhandel wirkte sich die Verbesserung am Arbeitsmarkt und bei der Konsumentenstimmung aus. Zudem sorgten der wirtschaftliche Aufschwung in vielen europäischen Volkswirtschaften und die verringerten politischen Risiken dafür, dass der Euro gegenüber dem Franken aufwertete. Dies dürfte sich einerseits leicht dämpfend auf den Einkaufstourismus ausgewirkt haben. Die verbesserte Konjunktur in Europa führte andererseits auch dazu, dass Einwanderer wieder vermehrt in ihre Herkunftsländer zurückkehrten. Das Wachstum der Anzahl Konsumenten verlangsamte sich dadurch im vergangenen Jahr weiter.

Umsätze im Bekleidungssegment waren erneut rückläufig

Die divergierende Umsatzentwicklung der letzten Jahre in den zwei Hauptsegmenten Food/Near-Food und Non-Food verringerte sich 2017. Die Händler von Food/Near-Food-Produkten verbuchten 2017 gemäss den Schätzungen der Credit Suisse-Ökonomen ein schwaches nominales Umsatzplus von 0,3 Prozent, während der Umsatzrückgang im Non-Food-Markt mit -0,1 Prozent (2016: -3,1 Prozent) praktisch zum Halt kam. Innerhalb des Non-Food-Segments blieben die Unterschiede zwischen den einzelnen Produktegruppen allerdings weiterhin gross. So waren die Umsätze im Bekleidungshandel mit 1,5 Prozent erneut rückläufig, wenn auch weniger stark als noch 2016 (-6,9 Prozent).

Der Umsatzrückgang im Schweizer Detailhandel kommt zum Halt

Der Umsatzrückgang im Schweizer Detailhandel kommt zum Halt

Nominale Detailhandelsumsätze, Veränderung zum Vorjahr in %
Quelle: GfK, BFS, Credit Suisse; 2017 von Credit Suisse geschätzt

Zalando dürfte in der Schweiz inzwischen mehr als 600 Millionen Franken Umsatz erzielen

Auch 2017 übertraf das Umsatzwachstum von heimischen und ausländischen Onlineanbietern dasjenige des stationären Handels bei Weitem. Nach Digitec Galaxus dürfte Zalando der grösste Onlinehändler der Schweiz sein. Gemäss den Schätzungen der Credit Suisse hat Zalando seit 2012 seinen Umsatz in der Schweiz mehr als verdreifacht und setzte 2017 schätzungsweise 624 Millionen Franken um. Der Anteil der Schweiz am gesamten Zalando-Umsatz in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) entsprach 2016 etwa einem Viertel, obwohl die Schweiz mit ihren 8,4 Millionen Einwohnern nur gerade 8 Prozent der Bevölkerung der DACH-Region stellt. Die Schweizer Bevölkerung kauft also überdurchschnittlich viel bei Zalando ein.

Detailhandelsumsätze dürften 2018 nur leicht zulegen

Die Anzahl potenzieller Konsumenten wird 2018 aufgrund des anhaltenden Bevölkerungswachstums weiter ansteigen – wenn auch erneut schwächer als in den Vorjahren. Das Wirtschaftswachstum wird sich auf 1,7 Prozent beschleunigen und sich entsprechend positiv auf die Lage am Arbeitsmarkt und die Konsumentenstimmung auswirken. Die Kaufkraft der Konsumenten dürfte 2018 aber nicht weiter ansteigen, da die prognostizierte Teuerung die höheren Nominallöhne voraussichtlich in etwa ausgleichen wird. Angesichts des schwächeren EUR/CHF-Wechselkurses dürfte sich der Preisdruck in der Branche etwas reduzieren. Für den gesamten Detailhandel gehen die Credit Suisse-Ökonomen für 2018 von einem leichten Umsatzwachstum von 0,3 Prozent aus. Der wirtschaftliche Aufschwung dürfte die Erholung der Nachfrage insbesondere im konjunktursensitiveren Non-Food-Bereich stützen. Da aber einige Segmente 2017 von witterungsbedingten Sondereffekten profitierten und auch künftig ausländische Onlineanbieter in den Schweizer Markt vordringen werden, gehen die Ökonomen der Credit Suisse davon aus, dass die nominalen Umsätze 2018 in diesem Segment stagnieren werden. Im Food-Detailhandel erwarten sie hingegen ein Umsatzplus von 0,5 Prozent. Die Händler stehen dem gesamten Detailhandelsjahr 2018 derweil optimistischer gegenüber. Gemäss einer Umfrage des Beratungsunternehmens Fuhrer & Hotz geht die Mehrheit (61 Prozent) von höheren Verkaufszahlen aus, während bloss 15 Prozent mit rückläufigen Umsätzen rechnen.

Abnehmende Zahl an Einkaufsgängen im Non-Food-Bereich

In der diesjährigen Studie untersuchen die Ökonomen der Credit Suisse auch das Einkaufs- und Mobilitätsverhalten der Schweizer Konsumenten. Diese begeben sich schweizweit jährlich über eine Milliarde Mal auf Einkaufswege. In der Hälfte der Fälle verwendeten sie dabei das Auto. Allerdings hat sich zwischen 2010 und 2015 die Anzahl Einkaufsgänge pro Kopf bei Non-Food-Produkten um 8 Prozent verringert, unter anderem wegen der zunehmenden Verlagerung in den Onlinehandel.

Einkaufstourismus findet fast nur in Grenzregionen statt

Einkaufstourismus findet fast nur in Grenzregionen statt

Anteil aller gezielten Auslandseinkäufe der Schweiz (in Klammern: Anteil der Auslandseinkäufe an allen Einkaufwegen der jeweiligen Regionen-Kategorie), 2015
Quelle: Credit Suisse, BFS, ARE – (MZMV), Geostat

Einkaufstouristen sind eine Stunde länger unterwegs

Die Einkaufswege führten derweil auch gezielt ins Ausland – gemäss Schätzungen der Credit Suisse 2015 im Durchschnitt drei Mal pro Person und Jahr (aktuellste Erhebung: Mikrozensus Mobilität und Verkehr, 2015). 2015 wurden drei Viertel aller gezielten stationären Auslandeinkäufe von Einwohnern in Grenzregionen getätigt. Konsumenten mit eigenem Fahrzeug nahmen sich für Shoppingtrips ins Ausland im Durchschnitt rund eine Stunde sowie 55 Kilometer mehr in Kauf als für einen durchschnittlichen gezielten Inlandeinkauf. Pro Auto lagen die Zeit- und Wegkosten bei einem Auslandeinkauf 2015 durchschnittlich 137 Franken höher als bei Einkäufen innerhalb der Schweiz. Da Shoppingtrips meist nicht alleine gemacht werden, belief sich der Kostenunterschied pro Person auf geschätzte 52 Franken. Unter Einbezug der Preisunterschiede zwischen dem Ausland und der Schweiz lohnte sich ein durchschnittlicher Auslandeinkauf ab einer Einkaufssumme von 274 Franken pro Auto oder 105 Franken pro Person. Für die erwähnten drei Viertel der grenznahen Einwohner lagen diese Werte natürlich deutlich tiefer, für den Grossteil der Bevölkerung jedoch wesentlich höher. Ein Luzerner Paar hätte zum Beispiel in Waldshut für rund 600 Franken einkaufen müssen, damit sich die Reise finanziell lohnte.